Mittwoch, 16. Oktober 2019

Personal-Coup bei wiederbelebter Automarke Borgward holt Mini-Designer in den Vorstand

Deutsche Auto-Traditionsmarken: Das harte Los deutscher Auto-Manufakturen
Borgward

Die Auferweckung aus dem Dornröschenschlaf gelang mit chinesischem Geld. Jetztmacht die traditionsreiche Automarke Borgward Design zur Chefsache: Die nun in Stuttgart beheimatete Automarke schafft einen eigenes Vorstandsressort für Design, wie das Unternehmen nun bekanntgab.

Geleitet wird es ab Januar 2017 von Anders Warming. Der 43-jährige Däne war zuvor insgesamt 16 Jahre für BMW tätig, seit 2010 leitete er das Designzentrum der BMW-Konzernmarke Mini in München.

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Borgward ist damit die erste deutsche Automarke, bei der ein Designer im obersten Führungsgremium sitzt. "Mit der Schaffung eines eigenen Vorstandsbereichs unterstreichen wir die Bedeutung des Designs für Borgward", erklärte Borgward-Vorstandschef Ulrich Walker.

Warming verantwortete bei BMW zuletzt die Gestaltung der 3. Generation der Mini Cooper in Fließheck-Version, der Kombi-Version Clubman und die Cabrio-Variante des Kleinwagens. Zwei Jahre lang, zwischen 2003 und 2005, arbeitete Warming auch im europäischen Designzentrum des Volkswagen-Konzerns.

Warming übernimmt die Agenden des ehemaligen Saab-Designers Einar Hareide, der für die Gestaltung der ersten neuen Borgward-Modelle verantwortlich war. Dessen Vertrag, erklärte Borgward auf Anfrage von manager magazin, war zeitlich begrenzt und wurde im Frühjahr in beiderseitigem Einvernehmen nicht mehr erneuert. Herr Hareide habe großen Anteil an der erfolgreichen Neuausrichtung des Designs und habe für die "Initialzündung in Sachen Produktdesign" gesorgt, heißt es bei Borgward. Die Designphilosophie werde nun im Sinne der Hareide'schen Grundlinien weiterentwickelt.

Wiederbelebung mit SUVs, die beim CO2-Ausstoß knausern

Die Wiederbelebung der einstigen Bremer Automarke Borgward, die im Jahr 1961 pleite ging, gelang einem Team rund um den Gründer-Enkel Christian Borgward mit Hilfe des chinesischen Autokonzerns Foton. Im September 2015 stellte die Automarke, die ihr neues Hauptquartier in Stuttgart aufgeschlagen hat, auf der Frankfurter Automesse IAA ihr Modell BX7 vor - nach mehr als 50 Jahren Produktionspause.

Bekannt wurde Borgward in den Wirtschaftswunder-Jahren mit technisch ausgereiften Limousinen. Doch nun setzt die Marke auf ein wachstumsstärkeres Segment: Der BX7 ist ein mittelgroßer SUV, der seit Mai dieses Jahres in China erhältlich ist. Daneben bietet Borgward mit dem BX5 noch einen kompakteren, 4,5 Meter langen Geländewagen an.

Ab 2017 will Borgward den Verkauf seiner BX-Modelle auch in Europa starten. Dieselmotoren lässt Borgward dabei erstmal links liegen. Die Marke will in Europa gleich mit Plugin-Hybriden und reinen Elektrofahrzeugen starten. Binnen der kommenden fünf Jahre wollen die Marken-Wiedergänger den Gang an die Frankfurter Börse schaffen. Gute Chancen sieht Borgward-Chef Walker, ein langjähriger Daimler-Manager, als Vorkämpfer für die CO2-Reduzierung. Deshalb setzt er von Anfang an auf elektrifizierte Antriebe.

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