Freitag, 22. November 2019

Carwow-Gründer Philipp Sayler von Amende "Viele Autohändler nehmen digitale Kunden zu wenig ernst"

In Deutschland wurden zwischen Januar und Juli 2019 knapp 2,2 Millionen Autos neu zugelassen
Raphael Knipping / DPA
In Deutschland wurden zwischen Januar und Juli 2019 knapp 2,2 Millionen Autos neu zugelassen

Kein Feilschen mehr um Rabatte beim Autokauf, dafür aber ein Überblick über die Preise bei den lokalen Autohäusern: Mit diesem Konzept will das Start-up Carwow in Deutschland den Neuwagen-Kauf via Internet aufmischen. Nach Eingabe ihrer Marken- und Ausstattungswünsche erhalten Kunden per E-Mail maximal fünf Angebote lokaler Händler - statt deutschlandweit die höchsten Neuwagenrabatte aufzulisten.

In Deutschland, Großbritannien und Spanien hat Carwow so bisher Neuwagen im Wert von 5 Milliarden Euro vermittelt. Carwow-Deutschland-Chef Philipp Sayler von Amende sprach mit manager-magazin.de über seine Expansionspläne, sein Geschäftsmodell - und den digitalen Nachholbedarf im Autohandel.

manager-magazin.de: Herr Sayler von Amende, Ihr Start-up hat bei der jüngsten Finanzierungsrunde 28 Millionen Euro erhalten. Mit Daimler haben Sie nun auch einen neuen Großinvestor an Bord. In welche Projekte sollen die eingesammelten Millionen fließen?

Philipp Sayler von Amende: Wir wollen in drei Dinge investieren. Das sind zum einen die Mitarbeiter, um das Wachstum voranzutreiben. Zum zweiten ist es das Marketing. Wir machen seit diesem Jahr auch TV-Werbung, wollen diese und andere Kanäle aber noch weiter ausbauen, um die Marke aufzubauen und bekannter zu machen. Und zum dritten stecken wir das Geld vor allem in den Ausbau unseres Produkts. Im Herbst wollen wir in Deutschland etwa auch Leasingangebote stärker auf der Seite integrieren und bewerben. Bereits jetzt können Kunden Beispielrechnungen für Leasingraten sehen. Wir wollen es aber dem Kunden so einfach wie möglich dabei machen, wie er seinen Neuwagen bezahlt. Künftig wollen wir auch das Matching zwischen Bestell- und beim Händler verfügbaren Bestandsfahrzeugen weiter verbessern, damit wir dem Kunden immer das gesamte Angebot am Markt präsentieren können.

Philipp Sayler von Amende
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    Philipp Sayler von Amende, 37, ist Mitgründer und Geschäftsführer von Carwow Deutschland. Die Vergleichs- und Kaufplattform für Neuwagen ging im Mai 2016 online. Saylers Eltern betreiben ein Autohaus, sein erstes Unternehmen gründete Sayler im Alter von 17 Jahren. Der studierte Betriebswirt und MBA-Absolvent arbeitete nach seinem Studium für Porsche, die Unternehmensberatung Arthur D. Little und das Weltwirtschaftsforum.

Auch bei Carwow erhalten Kunden eine Übersicht über Rabatte. Was unterscheidet sie denn da eigentlich von Neuwagen-Rabattportalen wie APL, MeinAuto oder Autohaus24, die bei Händlern und Herstellern nicht besonders beliebt sind?

Bei Vermittlern geht es nur um den Preis, und das deutschlandweit. Unser Ziel ist es, den Kunden Auswahl und volle Transparenz zu bieten. Unsere Kunden erhalten fünf Angebote je Anfrage. Sie erfahren so, was sie bei lokalen Händlern vor Ort zahlen und wie weit sich diese Angebote vom besten nationalen Preis unterscheiden. Damit erlangen Kunden eine gewisse Preissicherheit. Bei uns ist aber auch die Qualität der Händler im Fokus. Wir machen transparent, wie gut die Händler bewertet sind und berücksichtigen, wie gut sie verkaufen. Bei den reinen Vermittlern wissen Käufer bis zur Vertragsunterschrift nicht, von welchem Händler und wo in der Republik das Auto stammt. Bei uns erhält er lokale Ansprechpartner vom Händler.

Bei der jüngsten Finanzierungsrunde sind ja auch mehrere Autohändler-Gruppen bei Ihnen eingestiegen. Schaffen sie nun das, was die Händler selbst nicht zustande gebracht haben - nämlich ein vernünftiges Online-Angebot für den Neuwagenkauf?

Ja, wir schaffen eine Digitalisierung des Autokaufs. Aber wir sehen das nicht als Entweder-Oder zu den Händlern, sondern als Ergänzung. Wir sind ein neutrales und markenübergreifendes Portal. Kunden können Neuwagen verschiedener Marken konfigurieren und auch kaufen. Das können Händler per se ja gar nicht markenübergreifend leisten. Die haben in der Regel ein oder zwei Marken im Portfolio, aber eben nicht alle. Auf der anderen Seite stimmt es natürlich, dass sich Hersteller und Händler in den letzten zehn Jahren wahnsinnig schwer getan haben mit der Digitalisierung. Die kämpfen heute noch damit.

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