Plus 27 Prozent in einem Jahr Gebrauchtwagenpreise steigen auf Rekordhoch

Lieferengpässe, Inflation und Ukraine-Krieg lassen den Automarkt heißlaufen. Weil kaum Neuwagen zu bekommen sind, wechseln viele Interessenten auf den Markt für Gebrauchte – und lassen dort die Preise auf Rekordhoch steigen.
So teuer wie nie: Gebrauchtwagen sind derzeit gefragt

So teuer wie nie: Gebrauchtwagen sind derzeit gefragt

Foto: Müller-Stauffenberg / IMAGO

Mehr als 7 Prozent beträgt derzeit die allgemeine Inflationsrate in Deutschland und der Euro-Zone. Das ist ein historisch hoher Wert, doch am Markt für Gebrauchtwagen ging es mit den Preisen in den vergangenen Monaten noch deutlich stärker nach oben. Nach Angaben der Gebrauchtwagenplattform mobile.de stiegen die Preise dort binnen einem Jahr um rund 27 Prozent. Das geht aus dem "Autobarometer" hervor, das mobile.de einmal im Monat veröffentlicht.

Im Schnitt kostet ein Gebrauchtwagen auf der Plattform derzeit 31.801 Euro, so der aktuelle Stand des "Autobarometers ". Das sind 0,9 Prozent mehr als im Monat zuvor. Anfang Mai 2021 jedoch betrug der Durchschnittspreis lediglich rund 25.000 Euro. Seither ging es mit den Preisen kontinuierlich aufwärts. Der aktuelle Durchschnittspreis ist ein Höchstwert, teilt die Plattform mit.

Um 2 Prozent und damit überdurchschnittlich stark stiegen laut mobile.de zuletzt zudem die Preise von Autos der Oberklasse.

Hintergrund des enormen Preisanstiegs für gebrauchte Autos dürfte vor allem die Knappheit an Neuwagen sein. Volkswagen, Mercedes, BMW und andere Hersteller haben seit Monaten mit Nachschubproblemen bei wichtigen Bauteilen wie vor allem Halbleiterchips zu kämpfen. Verschärft werden die Lieferengpässe noch durch den Krieg in der Ukraine, von wo die Hersteller beispielsweise Kabelbäume beziehen.

Vielfach musste die Produktion daher bereits eingeschränkt werden. Neuwagenkäufer müssen lange auf ihre Fahrzeuge warten. Mercedes etwa teilte vergangene Woche mit, von Januar bis Ende März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich weniger Neuwagen verkauft zu haben.

Der Rückgang beim Absatz sei ausschließlich dem Mangel an Halbleitern zuzuschreiben, so das Unternehmen. Die Nachfrage nach Autos sei hoch, hieß es.

Mancher Interessent weicht vor dem Hintergrund auf den Markt für gebrauchte Autos aus, wo deshalb die Preise steigen. Hinzu kommt die allgemeine Inflationsrate, die ebenfalls zu einem Preisanstieg beiträgt.

Wie eng der Gebrauchtwagenmarkt derzeit ist, zeigt auch eine weitere Kennzahl. Laut mobile.de ist die Anzahl der Standtage der Fahrzeuge auf der Plattform derzeit so niedrig wie noch nie. Lediglich 72,5 Tage wartete ein Gebrauchtwagen zuletzt im Schnitt auf einen neuen Käufer, so die Mitteilung. "Bereits im März berichteten wir von einem Rekordtief hinsichtlich der Standtage", so Martin Fräder, Head of Sales bei mobile.de. "Dieser Trend setzt sich weiter fort, sodass die Standtage für Gebrauchte im vergangenen Monat erneut um 4,3 Prozent gesunken sind. Das entspricht einem Rückgang von durchschnittlich knapp 3 Tagen". Besonders stark beschleunigten sich demnach zuletzt die Verkäufe von Sportwagen, Minis und Kleinwagen.

cr