Dienstag, 10. Dezember 2019

Laut Studie kein Umdenken im Jahr des Dieselskandals Autobauer frisieren Spritverbrauchs-Werte wie nie zuvor

Tankanzeige im Cockpit eines Pkw: Verbrauchsangaben ohne Nutzwert

Die offiziellen Spritverbrauchsangaben für Autos werden zunehmend bedeutungslos. Im vergangenen Jahr überstieg der tatsächliche Verbrauch eines in Europa zugelassenen Pkw den vom Hersteller angegeben Wert um 42 Prozent, wie eine Studie der Denkfabrik International Council on Clean Transportation (ICCT) ergeben hat. Autofahrern entstünden dadurch jährliche Mehrkosten von 450 Euro.

Die Abweichung stellt nach Angaben des ICCT einen Rekordwert dar. Ein Jahr zuvor lagen Anspruch und Wirklichkeit "nur" um 37 Prozent auseinander. Der Trend ist über die Jahre dabei eindeutig steigend: Im Jahr 2001, als die Organisation das Phänomen erstmals betrachtete, betrug die Diskrepanz lediglich 9 Prozent.

"Ungefähr drei Viertel der Diskrepanz zwischen Real- und Testverbrauch ist darauf zurückzuführen, dass Fahrzeughersteller immer systematischer Schlupflöcher in der bestehenden Regulierung ausnutzen," sagte ICCT-Geschäftsführer Peter Mock. So könne ein Hersteller die Reifen eines Fahrzeugs speziell für den Test präparieren oder die Batterie des Fahrzeugs vor dem Test voll aufladen.

Testzyklus wird geändert - Probleme bleiben

Derartige Maßnahmen seinen zwar gesetzlich nicht streng verboten, spiegelten aber dennoch nicht das reale Fahrverhalten wider. Zudem verwies das ICCT auf Technologien, die im Labortest einen größeren Kraftstoff-Einspareffekt zeigen als im normalen Alltagsbetrieb, wie zum Beispiel die Start-Stopp-Technologie, sowie auf das Abschalten der Klimaanlage während des offiziellen CO2- und Verbrauchstests.

Die EU zwingt Autohersteller, zunehmend sparsame Fahrzeuge herzustellen. So dürfen Pkw im Jahr 2021 im Schnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Maßgeblich sind allerdings die auf dem Prüfstand erzielten Werte, der reale Verbrauch wird nicht überprüft.

Im kommenden Jahr wird der zunehmend unrealistische Testzyklus NEFZ dabei vom Testverfahren WLTP abgelöst. Die Diskrepanz zwischen offiziellem und tatsächlichem Verbrauch könnte sich dann halbieren, erwartet Mock. Doch die Hersteller hätten weitere Schlupflöcher durchgesetzt.

Hersteller wollen kundenfreundlicher werden

Manche Hersteller wie Peugeot und Opel werben damit, zumindest gegenüber den Kunden realistischere Werte anzugeben. Volkswagen hat zuletzt angekündigt, auf manche Tricks auf dem Prüfstand künftig verzichten zu wollen.

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