Autoindustrie Hoffnungsschimmer für deutsche Premium-Hersteller

Süßer die Kassen nie klingeln - das verspricht eine Studie für 2014 den deutschen Premiumherstellern. Weltweit sollen die Pkw-Verkäufe um 5 Prozent zulegen, China bleibt Wachstumstreiber. In Europa ist Besserung in Sicht.
Mercedes CLA: In diesem Jahr dürfte die Neuauflage der C-Klasse Daimler viel Schwung verleihen

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Hamburg - Mercedes, BMW, Audi und Porsche können ihre Mannschaften bereits jetzt auf neue Rekorde einschwören: Im kommenden Jahr dürften die deutschen Premiumhersteller erneut eine reiche Ernte einfahren. Das legt eine Studie des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen nahe.

Im Jahr 2014 werden laut der Studie weltweit 74,2 Millionen Pkw verkauft, um fünf Prozent mehr Neuwagen als in diesem Jahr. Besonders üppig fällt das Wachstum in China aus, meint Studienautor Ferdinand Dudenhöffer: Im Reich der Mitte steigt der Neuwagen-Absatz im kommenden Jahr um 11 Prozent auf insgesamt 17,6 Millionen Fahrzeuge. Bereits in diesem Jahr leitet China eine "neue Ära" ein, wie Dudenhöffer in der Studie schreibt. Denn erstmals sind die Gesamt-Absatzzahlen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge wie etwa SUVs und Pickups in China höher als jene der USA. Damit ist China nun endgültig der größte Automarkt der Welt.

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China: Der heißeste Automarkt der Welt

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China bleibt laut Dudenhöffer auch 2014 die Lokomotive im Weltautomarkt. Unter den 15 größten Automärkten der Welt bleibt China weiterhin das Absatzgebiet mit dem höchsten Wachstum. Dabei hat der Markt verglichen mit den USA noch viel Luft nach oben. Die Pkw-Dichte in China liegt gerade mal bei 47 Pkw pro 1000 Einwohner, in den USA sind es 748 Pkw pro 1000 Einwohner. Damit ist China noch immer ein "emerging market", schreibt Dudenhöffer.

Premium wächst in den USA weiter stark

Bislang seien auch keine Regulierungsänderungen für 2014 erkennbar. Doch 2014 könnte es im Reich der Mitte für einige ausländische Hersteller etwas ungemütlicher werden. Denn die chinesischen Autoproduzenten gewinnen an Stärke, meint Dudenhöffer. Zum einen gibt es mit Qoros einen chinesischen Hersteller, der Qualitätsfahrzeuge herstellt. Zum anderen breitet sich der Automarkt von den Millionenstädten langsam Richtung chinesische Provinzen aus - was dem Billigsegment einen Impuls geben dürfte.

Zweiter Wachstumstreiber des Pkw-Weltmarktes bleiben 2014 die USA. Allerdings schwächt sich das Wachstum laut der CAR-Prognose etwas ab - im kommenden Jahr dürfte der US-Markt um 2,7 Prozent auf 16,1 Millionen verkaufte Fahrzeuge zulegen. Damit nähert sich der Markt seinem langjährigen Normalniveau.

Dennoch gibt es in den USA weiterhin gute Aussichten für einige Hersteller - und zwar für jene, die Luxusautos verkaufen. Denn auf das Premiumsegment entfallen in den USA nur 11,5 Prozent aller Neuzulassungen, in Deutschland sind es 29,8 Prozent. Dudenhöffer rechnet damit, dass in den USA im kommenden Jahr um 200.000 Premiumautos mehr verkauft werden als noch 2013.

Insgesamt werden im kommenden Jahr in den USA und China 45 Prozent aller weltweit verkauften Neuwagen abgesetzt - damit ist das Geschäft für viele Herstelle von zwei Riesen-Märkten abhängig. Besonders stark ist von diesem Klumpenrisiko eine deutsche Marke betroffen, meint Dudenhöffer: "Wenn es in den USA und China zu Schwierigkeiten kommt, hat VW ein Riesen-Problem", sagt er.

Langsame Erholung in Europa eingeleitet

Für Europa rechnet Dudenhöffer mit einer leichten Erholung. Zwar werde der Neuwagenmarkt auch 2014 "erheblich" unter seinem Normalniveau bleiben, doch eine langsame Erholung sei eingeleitet.

Zu der selben Schlussfolgerung kommt auch das Center of Automotive Management (CAM) der FH Bergisch Gladbach. Die Nachfrage in der Region Westeuropa, die mehr als 90 Prozent des gesamten Kontinents ausmacht, soll laut der Prognose des CAM 2014 voraussichtlicth um vier Prozent auf 11,7 Millionen Pkw steigen. Allerdings war die Nachfrage auf dem Kontinent seit 2007 um fast ein Viertel geschrumpft - das hat vor allem die südeuropäischen Massenhersteller wie PSA Peugeot Citroen oder Fiat hart getroffen.

Das größte prozentuale Wachstum sagt Dudenhöffer jedoch für eine Weltregion voraus, die bisher nur wenig im Fokus vieler Autohersteller stand: den mittleren Osten. Zwar werde der türkische Automarkt 2014 nur um 1,1 Prozent zulegen. Doch die jüngst erfolgte Aufhebung des Handelsembargos mit dem Iran dürfte das islamische Land zu einem durchaus spannenden Neuwagenmarkt machen.

Dudenhöffer prognostiziert für 2014 im Iran einen Absatz von 1,2 Millionen Neuwagen - das ist ein Plus von 26 Prozent gegenüber diesem Jahr. Damit wird der Iran prozentual zum Wachstums-Champion und zum "kleinen gelobten Land", sagt Dudenhöffer.

Schwieriges Jahr für Volkswagen

Generell starten die deutschen Autohersteller laut Dudenhöffer mit durchaus guten Voraussetzungen ins Jahr 2014. Besonders Daimler  und Porsche  dürften aufgrund neuer Modelle im kommenden Jahr Marktanteile hinzugewinnen. Bei BMW  sieht Dudenhöffer 2014 erst im zweiten Halbjahr einen deutlichen Schub, wenn die volumenträchtigen Modelle X4, Active Tourer und X6 auf den Markt kommen.

Audi  dürfte laut Dudenhöffer 2014 jedoch gegenüber seinen deutschen Erzkonkurrenten zurückfallen, da die Ingolstädter laut Dudenhöffer im kommenden Jahr nur mit Facelifts und wenig volumenträchtigen neuen Nischenmodellen aufwarten.

Generell sagt er für die Audi-Mutter Volkswagen  ein herausforderndes Jahr voraus. Denn bei Europas größtem Autohersteller, meint Dudenhöffer, läuft das US-Geschäft nicht wie erhofft. "Die eiern rum und haben nur 2,4 Prozent Marktanteil", so Dudenhöffer. Die Marke VW habe in den Vereinigten Staaten nach wie vor zu wenig Brillianz. Und wenn der Marktanteil der Wolfsburger in den USA nicht deutlich nach oben geht, sieht er schwarz für VWs Plan, bis 2018 Toyota  vom Platz des weltgrößten Autoherstellers zu verdrängen. Das dürfte die Mannschaft rund um VW-Chef Martin Winterkorn wohl etwas anders sehen.