Sonntag, 15. September 2019

Autohandel Das Online-Drama der deutschen Autobauer

Neuwagen auf dem Weg zum Kunden: Mit dem Verkauf über das Internet tun sich die Händler allerdings noch ziemlich schwer

2. Teil: Neues Shop-Konzept von Daimler: Online zusammenstellen, später abholen

Genau das wollen die Konzerne nicht akzeptieren, ist Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen überzeugt. "Die Konzerne wollen duschen, aber nicht nass werden", sagt er. "Sie wollen verkaufen - aber zum gleichen Preis wie offline."

Tatsächlich bietet aktuell keiner der großen Premiumhersteller hierzulande eine günstige "No Frills"-Variante über das Internet an. Daimler Börsen-Chart zeigen betreibt zwar seit einigen Monaten ein Internet-Portal, über das Kunden sich ihren Wagen konfigurieren und diesen dann leasen können. Zudem experimentieren die Stuttgarter mit neuen Shop-Konzepten wie Popup-Stores oder dem am Wochenende in Hamburg eröffnenden Mecedes-me-Store, der neue, auch jüngere Kunden anziehen soll. Wirklich kaufen lässt sich online bislang jedoch nicht.

Und auch Audi will zwar gern technologische Fortschritte nutzen. Pläne, die eigenen Neuwagen direkt über das Internet zu verkaufen, hat man aber auch hier nicht. "Wir sehen für unsere Premium-Automobile den Online-Vertrieb nicht als den richtigen Weg an, heißt es in Ingolstadt. Bei den "extremen Auswahlmöglichkeiten" sei der "persönliche Kontakt zum Händler nötig.".

Um dennoch dem Bedürfnis der Kunden nachzukommen, von denen fast 90 Prozent ihren Autokauf bereits im Netz vorbereiten, können potenzielle Audi-Fahrer ihren Wagen im Internet mittlerweile immerhin konfigurieren. Direkt bestellen können sie ihn aber nicht. Allerdings kann der Händler im Laden die vom Kunden gespeicherte PkW-Auswahl aufrufen und damit weiterarbeiten.

Wie massiv der Widerstand der Händler sein kann, musste in den USA auch der Elektroautobauer Tesla Börsen-Chart zeigen erfahren. Ihm wurde von offizieller Seite der weitere Ausbau seines konzerneigenen Vertriebsnetzes verboten, nachdem die Händlerlobby dagegen Sturm gelaufen war.

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