Peter Altmaiers Elektromobilitäts-Pläne Mit drei Batterie-Konsortien zum Elektroauto-Weltmeister

Batterie eines Smart-Elektroautos: Drei Konsortien sollen künftig in Deutschland Lithium-Ionen-Zellen herstellen

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Für seine Industriestrategie hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zuletzt viel Kritik einstecken müssen. Mit einem zentralen Projekt im Zuge dieser Strategie kommt der CDU-Mann aber offensichtlich voran: So will Altmaier dem Aufbau einer riesigen Batteriezellfertigung den Weg ebnen und damit die Grundlage schaffen für einen breiten Schwenk der Autoindustrie Richtung Elektroantrieb. Das sollte am Montagabend zum wichtigen Thema beim Autogipfel im Kanzleramt werden.

Jahrelang haben die deutschen Autohersteller und Zulieferer bei einem zentralen Bauteil von Elektroautos eher zugesehen als agiert: Bei der Produktion von Batteriezellen für Elektroautos preschten zuerst die japanischen und nun die chinesischen Anbieter vor. Deutsche Firmen haben sich zwar an der Zellenproduktion im Industriemaßstab versucht, sind daran aber entweder wie Daimler in Kamenz gescheitert oder haben sich wie Bosch aus Kostengründen dagegen entschieden.

Deshalb kaufen die deutschen Autobauer nun ihre Zellen für die kommende Elektroauto-Modelle bei asiatischen Herstellern zu - womit natürlich auch ein größerer Teil der Wertschöpfung Richtung Asien wandert. Diese neue Abhängigkeit stört nicht nur Betriebsräte bei Autoherstellern, sondern auch die Politik bis hinauf zur EU-Ebene. Die EU Kommission hat mit der sogenannten "European Battery Alliance" einen Fahrplan bis ins Jahr 2023 aufgestellt. Bis zu zehn Zellenfabriken in Größe von Teslas "Gigafactory" werden europäische Autohersteller benötigen, heißt es darin. Der Wettlauf um die Riesen-Batteriewerke hat längst eingesetzt.

Die größten Autohersteller der EU sitzen nun mal in Deutschland - und Altmaier legt sich nun ins Zeug. Eine Milliarde Euro an Fördergeldern für den Aufbau der Batteriezellfertigung hat der Wirtschaftsminister in Aussicht gestellt. Bis Mitte März konnten sich Konsortien für Fördergelder bewerben, sieben Bewerbungen sind eingegangen - trotz aller Skepsis der Autobranche, ob und wie sich die Zellfertigung rechnen kann.

Noch will Altmaier die Katze nicht ganz aus dem Sack lassen

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Anfang Mai stellte Altmaier gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Bruno Le Maire das erste Konsortium vor, das Fördergelder erhalten wird: In dem deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmen sind neben dem Autobauer PSA (Peugeot, Citroen, Opel) unter anderem auch Siemens und der deutsche Batteriespezialist Manz vertreten. "Weitere Konsortien werden folgen", erklärte Altmaier damals.

Nun hat sich sein Ministerium offenbar auf weitere zwei Kandidaten festgelegt. Neben dem Konsortium aus Opel, Peugeot und der Total-Tochter Saft stehen laut Altmaier zwei weitere Konsortien "kurz davor, sich für den Aufbau von Batteriproduktionsstätten zu entscheiden." Das erklärte Altmaier gegenüber der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". Ähnliche Aussagen hatte Altmaier bereits vergangenen Donnerstag gemacht - wohl nicht ganz zufällig einige Tage vor dem heute stattfindenden "Autogipfel" im Bundeskanzleramt.

Altmaier ließ gegenüber den beiden Stuttgarter Medien aber auch seine Motivation für die Förderung durchblicken. Man müsse dafür sorgen, so Altmaier, dass die mit E-Autos verbundene neue Wertschöpfung in Deutschland stattfinde. "Es wird einen Riesenbedarf an elektrischen Batterien geben, die kommen derzeit alle aus Japan, Korea und aus China", so Altmaier weiter. "Wir müssen den Ehrgeiz haben, die besten Batterien der Welt in Deutschland und Europa zu bauen."

Gegenüber dem ARD-Morgenmagazin fand Altmaier noch eine eingängigere Formulierung: ""Es wird nur eine Lösung geben, wenn wir auch Weltmeister werden im Bau von umweltfreundlichen, nachhaltigen Fahrzeugen, mit denen wir unsere CO2-Klimaziele erreichen können", erklärte Altmaier dort.

VW dürfte im zweiten Konsortium dabei sein - wer im dritten vertreten sein könnte

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Nun kann die Autobranche im Vorfeld des Treffens natürlich trefflich spekulieren, wer nun das wirtschaftlich angeblich so waghalsige Thema Batteriezellenfertigung in Deutschland versucht. Ein sehr wahrscheinlicher zweiter Kandidat für Altmaiers Fördergelder ist der Volkswagen-Konzern. Die Wolfsburger wollen ja in wenigen Jahren zum führenden Elektroauto-Massenanbieter werden. Für die erste Welle an E-Modellen hat der Konzern laut Eigenangaben sich zwar die notwendigen Zellen gesichert - für die Zeit nach 2022 setzte der Konzern zuletzt aber erste, ziemlich klare Schritte.

Die Wolfsburger haben sich mit dem schwedischen Start-Up Northvolt zusammengetan, das von zwei ehemaligen Tesla-Managern aufgezogen wird. Northvolt will in Schweden ein milliardenteures Zellenwerk errichten, das mit Ökostrom betrieben werden soll. Ein Partner dafür war Volkswagen, Mitte Juni haben die Wolfsburger aber kräftig in Northvolt investiert und sich 20 Prozent an dem Zellenhersteller gesichert. Schon ein Monat hatte der Konzern erklärt, dass man sich beim Aufbau einer Zellfertigung am VW-Standort Salzgittermit Northvolt verbündet habe.

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Es ist also sehr wahrscheinlich, dass VW und Northvolt genau dafür auch Fördergelder des Bundesministeriums annehmen. Ein weiterer namhafter Antragsteller für die Bundes-Fördergelder ist Berichten zufolge der Chemieriese BASF, der gute Geschäftschancen bei Batterie- und Kathodenmaterialien sieht.

Um im großen Batteriezell-Herstellungsmonopoly mitzumischen, müssten sich die Ludwigshafener aber wohl noch einen deutschen Autohersteller als Partner ins Konsortium holen. Allzu viele bleiben da nicht übrig: BMW fällt tendenziell aus. Denn die Münchener haben einen milliardenschweren Liefervertrag mit dem chinesischen Zellenspezialisten CATL abgeschlossen. CATL baut - auch aufgrund des BMW-Auftrags - ein Riesen-Werk zur Lithium-Ionen-Zellenproduktion im thüringischen Erfurt.

Von den großen deutschen Autoproduzenten blieben dann noch Daimler und Ford übrig. Daimler hat im sächsischen Kamenz einige Jahre gemeinsam mit Evonik Zellen produziert, das Werk hat sich aber nie gerechnet. Deshalb ist es durchaus fraglich, ob sich die Schwaben nochmals an einer eigenen Zellenfertigung in Deutschland beteiligen.

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Andererseits hat Daimler zu Jahresanfang angekündigt, ein Batteriewerk im polnischen Jawor aufzubauen mit insgesamt 1000 Arbeitsplätzen. Von einer Zellenproduktion war darin zwar nirgendwo die Rede. Allerdings hat Altmaier selbst vor einigen Monaten auch eine deutsch-polnische Kooperation im Bereich Batteriezellenfertigung angekündigt. Da würde Daimlers Engagement wiederum ins Bild passen, möglicherweise erweitert um eine eigene Zellenproduktion und in einem Joint-Venture mit BASF.

Ford gilt seit längerem ebenfalls als Kandidat für ein Zellen-Konsortium - und zwar für ein nationales. Denn laut früheren Angaben von Altmaier waren unter den eingereichten Vorschlägen zwei international aufgestellte Verbünde und ein nationaler. Im November 2018 hieß es, dass in dem nationalen Konsortium neben dem Batteriekonzern Varta und BASF auch Ford beteiligt sein könnte.

Der Autogipfel, der am Montag um 20 Uhr starten soll, gibt jedenfalls eine ideale Bühne für Altmaier ab. Denn tatsächliche Resulate in den Gesprächsrunden sind bei solchen Gipfeln eher selten. Eine Meldung zu den geförderten Batteriezellen-Konsortien käme da wohl genau richtig.

Und vielleicht stockt Altmaier bei dieser Gelegenheit ja auch noch etwas Fördergeld auf. Denn die deutsche Batterie-Industrie hat über Verbände bereits erläutern lassen, dass Altmaiers Förderung nicht ausreichen werde - besser wäre eine europäische Strategie und eine verbesserte Infrastruktur für Elektroautos.

Vielleicht gibt es ja nun auch einen nationalen Schulterschluss für den beschleunigten Aufbau von Schnellladesäulen oder für den Ausbau von Lademöglichkeiten in Hausgaragen. Ein klares Ziel hat Altmaier jedenfalls schon genannt: Er will ein Drittel der weltweiten Batteriezellenproduktion nach Europa holen - und dafür offenbar vor der eigenen Haustür anfangen.

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