Mittwoch, 22. Mai 2019

Profitabilität der Autokonzerne Toyota vor BMW, Daimler und VW -  doch deutsche Autobauer investieren stärker in die Zukunft

Volkswagen, Daimler und BMW sind in punkto Gewinn von Toyota abgehängt. Doch niemand investiert derzeit so viel in Forschung und Entwicklung wie die deutschen Autobauer
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Volkswagen, Daimler und BMW sind in punkto Gewinn von Toyota abgehängt. Doch niemand investiert derzeit so viel in Forschung und Entwicklung wie die deutschen Autobauer

Erstmals seit der Finanzkrise geht der globale Autoabsatz zurück. Die Gewinnmarge der 16 führenden Autokonzerne ist auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise gesunken. Toyota und Suzuki arbeiten profitabler als die deutschen Autobauer: Doch dass die Gewinnmarge von VW, Daimler und BMW schrumpft, liegt vor allem an den hohen Investitionen in die Zukunft.

Kräftiger Gegenwind für die globale Autoindustrie: Handelskonflikte, höhere Zölle, steigende Rohstoffpreise und hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung haben im dritten Quartal zu sinkenden Margen in der Autobranche geführt. Zwar stieg der Gesamtumsatz der 16 führenden Autokonzerne der Welt um 2,3 Prozent, wie eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY ergab. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge sank hingegen - erstmals seit dem Krisenjahr 2009 - um 3,7 Prozent, der operative Gewinn (EBIT) schrumpfte um 3,3 Prozent.

Für die deutschen Autokonzerne lief es im abgelaufenen Quartal insgesamt ebenfalls nicht rund: Ihr Gesamtabsatz sank zwar um 2,7 Prozent und damit etwas weniger stark als im Durchschnitt aller Konzerne. Beim operativen Gewinn verzeichneten sie allerdings einen Rückgang um 7,6 Prozent, während der Umsatz nur um 0,5 Prozent zulegte.

Deutlich besser entwickelten sich die japanischen Konzerne, nicht zuletzt begünstigt durch den schwachen Yen: Der Gesamtumsatz der 6 japanischen Autokonzerne kletterte zwar nur um 1,5 Prozent, und der Absatz ging leicht um 0,3 Prozent zurück. Gegen den Trend konnten die japanischen Konzerne aber beim operativen Gewinn zulegen: um 5,4 Prozent.

Vor allem Toyota fuhr den Wettbewerbern im dritten Quartal davon: Der japanische Autobauer konnte sowohl den Absatz - um knapp 2 Prozent - als auch den Umsatz und den operativen Gewinn - um 2,3 bzw. 10,9 Prozent - steigern und führt damit im dritten Quartal das Absatz-, das Umsatz- und das Gewinnranking an.

Toyota und Suzuki derzeit profitabler als BMW, Daimler und VW

Nur bei der Marge lag im dritten Quartal ein Unternehmen vor Toyota: Suzuki Börsen-Chart zeigen erreichte eine Marge von 8,7 Prozent, gefolgt von Toyota Börsen-Chart zeigen (7,9 Prozent) und BMW (7,1 Prozent). Ein Jahr zuvor war noch BMW Börsen-Chart zeigen mit einer Marge von 10,1 Prozent der profitabelste Autokonzern der Welt gewesen, inzwischen liegt BMW auf dem dritten Platz.

Daimler Börsen-Chart zeigen rutscht im Margenranking vom dritten auf den fünften Platz, Volkswagen Börsen-Chart zeigen belegt mit einer Marge von 4,9 Prozent den siebten Rang (Vorjahr: Rang 13). Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) quartalsweise erstellt.

"Das dritte Quartal verlief für viele Autokonzerne enttäuschend, und bis zum Jahresende dürfte sich die Lage insgesamt kaum verbessern", sagt Peter Fuß, Partner bei EY. "In China und den USA sinkt der Absatz, in Europa führte die Umstellung auf das weltweit einheitliche Abgasprüfverfahren WLTP zuletzt zu teils deutlichen Absatzrückgängen. Die weltweite Konjunktur hat sich eingetrübt, und eine weitere Eskalation des amerikanisch-chinesischen Handelskriegs ist nicht ausgeschlossen. Das würde die Kauflaune auf dem wichtigen chinesischen Markt noch weiter bremsen."

"Auch für die deutschen Autokonzerne ist die Situation derzeit schwierig: Zum einen bringen die Nachwehen der Dieselkrise, die die deutschen Autobauer bereits mehr als 30 Milliarden Euro gekostet hat, weitere Belastungen mit sich", ergänzt Fuß.

Auch das vierte Quartal werde für die deutsche Autoindustrie wohl nicht glanzvoll ausfallen, erwartet Fuß. "Ab dem kommenden Jahr dürfte sich das Blatt aber wieder wenden, dann wird WLTP kein Thema mehr sein, und es werden spätestens zur Jahresmitte zunehmend Elektrofahrzeuge in den Fokus rücken. Denn dann beginnt die heiße Phase im Rennen um die Marktführerschaft in der Elektromobilität und um die zukünftige Technologieführerschaft".

Investitionen werden weiter steigen und die Gewinne belasten

Auf dem Weg dahin werden die Unternehmen weitere Milliardeninvestitionen in die Digitalstrategie, in Elektromobilität und autonomes Fahren tätigen - ohne dass dies unmittelbar zu steigenden Umsätzen oder Gewinnen führen werde, betont Constantin Gall, Leiter des Bereichs Automotive & Transportation bei EY. "Daher muss sich die Branche auf niedrigere Margen als in den zurückliegenden Boom-Jahren einstellen", erwartet Gall. Die Gewinnmarge der analysierten Unternehmen lag im dritten Quartal bereits bei 5,3 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit 2009.

Insgesamt investierten die analysierten Unternehmen im ersten Halbjahr dieses Jahres gut 34 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung, ein Plus von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während die deutschen Konzerne ihre F&E-Ausgaben um knapp 10 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro erhöhten, lagen die Investitionen der japanischen Autobauer unverändert bei 10,3 Milliarden Euro. Auch die US-amerikanischen Autokonzerne hielten ihre F&E-Ausgaben bei 8,1 Milliarden Euro.

Deutschland vor USA und Japan: Niemand funktioniert so viel Geld in Forschung und Entwicklung wie die deutschen Autobauer

Die F&E-Quote, also der Anteil der F&E-Investitionen am Gesamtumsatz, stieg bei den deutschen Autokonzernen von 4,6 auf 5,0 Prozent, während sie bei den US-Konzernen bei 4,4 Prozent verharrte und bei den japanischen Autobauern von 4,2 auf 4,0 Prozent sank.

"Trotz der zuletzt eher schwachen Umsatz- und Gewinnentwicklung und der Belastungen aus der Dieselkrise drücken gerade die deutschen Autokonzerne bei Innovationen aufs Gas", beobachtet Gall. "Und angesichts der bevorstehenden Neuordnung der Branche sind sie tatsächlich gut beraten, bei ihren Innovationsbemühungen nicht nachzulassen. Wir werden im kommenden Jahrzehnt dramatische Veränderungen am Markt sehen, angetrieben von den Megatrends Elektrifizierung, Vernetzung und autonomes Fahren. Wer hier tonangebend sein will, muss hohe Summen in die Hand nehmen und zudem die Bereitschaft mitbringen, auch unkonventionelle Partnerschaften einzugehen."

Sparmaßnahmen und neue Allianzen

Nicht nur die Gewinne der Unternehmen sinken derzeit - auch die Aktienkurse haben sich zuletzt schwach entwickelt: Von den 16 Unternehmen konnte mit PSA nur ein Autokonzern seinen Börsenwert im bisherigen Jahresverlauf steigern, insgesamt sank die Marktkapitalisierung der analysierten Unternehmen seit Jahresbeginn um 19 Prozent bzw. gut 150 Milliarden US-Dollar auf knapp 664 Milliarden US-Dollar.

"Angesichts sinkender Gewinne und Aktienkurse werden wir in den kommenden Jahren neue Sparrunden bei den Unternehmen sehen", erwartet Gall. "Denn in derart volatilen Zeiten müssen die Unternehmen schlanker werden - sowohl bei internen Prozessen als auch in der Produktion und bei der Modellvielfalt."

Zudem würden die Autokonzerne die anstehenden erheblichen Zukunftsinvestitionen kaum noch alleine stemmen können - Kooperationen und Allianzen stünden daher höher im Kurs denn je, betont Gall: "Technologiesprünge wie die Entwicklung autonomer Fahrzeuge lassen sich im Alleingang kaum bewältigen. Das dauert zu lange und wird zu kostenintensiv sein."

Gall rechnet daher damit, dass in den kommenden Jahren neuartige Allianzen und damit ein neues Machtgefüge innerhalb der Branche entstehen werden: "Wer kann die zukunftsträchtigste Allianz schmieden, wer kann Plattformen etablieren und Standards setzen, an denen sich andere Player orientieren müssen? Das werden die entscheidenden Fragen der kommenden Jahre sein."

la/mmo

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