Globaler Automarkt 2021 Autobranche hakt Coronakrise ab - und steigert Preise

Die Corona-Pandemie konnten die Autohersteller dank staatlicher Hilfen besser bewältigen als erwartet, zeigt eine Branchenstudie von Alixpartners. Nun gibt es eine neue Herausforderung - insbesondere für Elektroautos.
Rollt schon wieder: Die Autohersteller kamen besser durch die Coronakrise als erwartet, zeigt der "Global Automotive Outlook" von Alixpartners

Rollt schon wieder: Die Autohersteller kamen besser durch die Coronakrise als erwartet, zeigt der "Global Automotive Outlook" von Alixpartners

Foto: Fabian Bimmer/ REUTERS

Krise, war da was? Die Autoindustrie musste zwar 2020 wegen der Corona-Pandemie teils kräftige Abstriche bei Absatzzahlen und Umsätzen machen. In diesem Jahr sieht die Lage für die Autobranche aber ziemlich gut aus – trotz erneuter Lockdowns zu Jahresanfang.

Denn weltweit werden die Fahrzeugverkäufe in diesem Jahr um 8 Prozent auf 83 Millionen Fahrzeuge zulegen. Das zeigt der "Global Automotive Outlook 2021" der Unternehmensberatung Alixpartners, der manager magazin vorab vorlag. Auch Umsatz und Rentabilität steigen im Gesamtjahr 2021 wieder auf Vorkrisenniveau. Ein Grund: In der Coronakrise – und der daraus resultierenden Neuwagen-Knappheit - haben die Autohersteller die Fahrzeugpreise deutlich steigern können.

"Die Auswirkungen der Covid-19-Krise gehören nicht mehr zu den Hauptsorgen der Automobilindustrie", heißt es in der Studie – die Autohersteller kommen besser aus der Krise als vor einem Jahr erwartet. Selbst die Profitabilität der Branche kann bereits in diesem Jahr wieder das Vor-Pandemie-Niveau erreichen. Dazu beigetragen haben "rigorose" Kostenmaßnahmen, staatliche Unterstützungen, der Verzicht auf Rabattschlachten und die schnelle Erholung in China, meint Jens Haas , Managing Director bei Alixpartners.

Gute Finanzzahlen - auch dank staatlicher Konjunkturstützen

Die regionalen Unterschiede sind aber beträchtlich. Während China die Verkaufszahlen von 2019 bereits in diesem Jahr wieder übertrifft, bleibt Europa beim Autoabsatz auch mittelfristig unter dem Vorkrisenniveau. Europas Autohersteller haben dennoch größere finanzielle Spielräume. Denn sie verfügen laut der Studie aktuell über eine höhere Liquidität und teils auch über eine höhere Rentabilität als noch vor der Pandemie. Und auch die Bar-Reserven sind ordentlich, Alixpartners taxiert sie in Europa aktuell auf das Vierfache als noch im Finanzkrisen-Jahr 2008.

Den Rückgang bei den verkauften Stückzahlen konnten viele Hersteller durch höhere Preise kompensieren – die Verkaufspreise pro Neufahrzeug sind zuletzt im Schnitt um 7 Prozent oder 2000 Dollar gestiegen.

Die guten Finanzzahlen haben die Autobauer aber auch den enormen staatlichen Konjunkturprogrammen der letzten Monate zu verdanken. Weltweit waren die staatlichen Beihilfen gleich siebenmal höher als 2009, insgesamt pumpten Regierungen weltweit über 13,7 Billionen Dollar in die Stützung ihrer Wirtschaft. In den vier größten Volkswirtschaften Europas waren die finanziellen Hilfen sogar zwanzigmal höher als in der Finanzkrise vor mehr als einem Jahrzehnt: Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien gaben zusammen 3,4 Billionen Dollar aus, 2009 waren es bei den vier Ländern zusammen "nur" 0,17 Billionen Dollar.

Lieferketten-Probleme könnten auch die E-Auto-Pläne treffen

Allerdings müssen die Autohersteller nun zügig ihre Lieferketten krisenresistenter machen, warnen die Berater. Die Rohstoffkosten pro Fahrzeug verdoppelten sich seit 2020 nahezu auf über 3600 Dollar, die Chip-Knappheit wird laut der Studie zu einem Produktionsausfall von bis zu vier Millionen Fahrzeugen führen.

Auch die beschleunigte Umstellung auf Elektroantriebe sorgt laut Alixpartners für "Anpassungsbedarf" in den Lieferketten. Bis 2030 werden laut der Studie weltweit bereit 28 Prozent aller Neuwagen mit Batterieelektro- oder Plugin-Hybridantrieb ausgeliefert, in Europa werden es sogar 42 Prozent sein. Auch die Investitionen in Elektromobilität steigen bis 2025 viel stärker als noch im vergangenen Jahr erwartet: In den kommenden vier Jahren werden die Autobauer in Europa um 52 Prozent mehr in Elektrofahrzeuge investieren als 2020 prognostiziert, weltweit werden es um 41 Prozent mehr sein als noch vor einem Jahr erwartet.

Bei den Verkaufspreisen mit vergleichbaren Verbrennungsmotoren gleichziehen werden Elektroautos aber erst später als bislang erwartet. Nach wie vor sind E-Autos um bis zu 11.000 Dollar teurer als klassische Verbrenner, zeigt die Studie. "Staatliche Anreize für Elektroautos sind deshalb auf jeden Fall weiter erforderlich", meint Jens Haas deshalb. Für die Studie hat die Unternehmensberatung Bilanzen von mehr als 300 Automobilherstellern und -zulieferern ausgewertet, Experten interviewt und Umfragen durchgeführt.

wed
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