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Carsharing: Die 11 größten Anbieter in Deutschland

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Lust am Teilen wächst Autobauer verkaufen weniger Neuwagen wegen Carsharing

Der Trend zum Carsharing beschleunigt sich: Im vergangenen Jahr gewannen Car2go, Drive Now, Flinkster und Co. so viele Kunden hinzu wie noch nie. Die Zeichen mehren sich, dass die Entwicklung künftig das Kerngeschäft der Autobauer gefährdet.

Hamburg - Es ist gut zehn Jahre her, da war der Begriff "Carsharing" höchstens Mitgliedern der Ökoszene geläufig. Etwa 70.000 Kunden verzeichneten die Anbieter im Jahr 2004 - nicht wesentlich mehr als die Grünen Mitglieder hatten.

Seither ist die Zahl der Menschen, die sich Autos mit anderen teilen, um den Faktor zehn in die Höhe geschnellt. Zum Jahreswechsel verzeichneten die Anbieter mehr als 750.000 Kunden, wie der Bundesverband Carsharing am Donnerstag mitteilte. Allein 2013 kamen mehr als 300.000 Teilnehmer hinzu - so viele wie noch nie.

Damit beschleunigt sich ein Trend, der die Autohersteller zunehmend in ein Dilemma treibt: Einerseits mischen sie selbst kräftig mit im Geschäft, etwa mit den Angeboten Car2go (Daimler) oder Drive Now (BMW).

Menschen unter 45 Jahren kaufen weniger Neuwagen

Andererseits verlieren sie potenzielle Neuwagenkunden: Wer sich auf ein immer besseres Carsharing-Angebot verlassen kann, benötigt in vielen Fällen kein eigenes Fahrzeug mehr. Das betrifft vor allem die Bewohner in Großstädten, die auf ihrem Smartphone ständig überprüfen können, wo sie den nächsten Leihwagen finden.

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Rasantes Wachstum: Daten und Fakten zu Carsharing

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"Gerade für jüngere Leute sinkt die Bedeutung des Autos als Statussymbol", sagt Tobias Arns, der Spezialist für mobile Anwendungen vom IT-Branchenverband Bitkom. Viele empfänden den eigenen Wagend zunehmend als Klotz am Bein und seien offen für neue Mobilitätsangebote.

So fallen vor allem die unter 45-Jährigen als Käufer von Neuwagen zunehmend aus. Ihr Anteil an den Käufern ist von 1995 bis 2013 von 48,1 auf 27,4 Prozent gesunken, hat eine Untersuchung des Car-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen ergeben. Carsharing habe daran einen Anteil.

Die Entwicklung beschränkt sich nicht auf Deutschland. In den USA kursieren bereits Zahlen, wie stark der Trend Autohersteller unter Druck setzt. Die Industrie habe bisher etwa 500.000 Neuwagen weniger verkauft als wenn es kein Carsharing gäbe, hat die Unternehmensberatung Alix Partners errechnet. Bis zum Jahr 2020 wachse die Zahl um weitere 1,2 Millionen Autos an. Demnach ersetzt ein Carsharing-Auto 32 Neuwagen.

Experten erwarten Rückgang der Autoverkäufe in Ballungsräumen

Der Zusammenhang gilt auch diesseits des Atlantiks. "Die steigende Zahl von Carsharing-Nutzern könnte auch in Europa dazu führen, dass weniger Fahrzeuge gekauft werden", sagt Autoexperte Elmar Kades von Alix Partners gegenüber manager magazin. Einen Rückgang der Verkaufszahlen könne es in den großen europäischen Ballungszentren geben, die durch Carsharing gut erschlossen sind oder dies zukünftig noch werden.

Einen echten Absatzeinbruch wird das Autoteilen der Industrie in naher Zukunft zwar nicht bescheren. "Im Verhältnis zum Gesamtverkehr spielt Carsharing noch eine winzige Rolle", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Dennoch beobachtet die Autoindustrie die Entwicklung aufmerksam - und setzt sich sogar an die Spitze der Bewegung. So haben Car2go und Drive Now in wenigen Jahren große Anteile am Gesamtmarkt erobert (siehe Grafik). Daimler und BMW bauen ihr Engagement kontinuierlich aus - in Nordamerika und Europa.

Anbieter weiten Flotten weiter aus

So behalten sie die Verbindung zur jungen Kundengruppe und erschließen sich ein neues Geschäftsfeld. Daimler will mit Car2go bis zum Ende des Jahrzehnts 800 Millionen bis eine Milliarde Euro Umsatz machen - Einnahmen, die wegfallende Autoverkäufe wett machen könnten.

"Die Hersteller haben erkannt, dass sich das Mobilitätsverhalten ändert", sagt Bitkom-Mann Arns. "Sie kannibalisieren mit Carsharing zwar ihr altes Geschäftsmodell, machen das aber lieber selbst, als es anderen zu überlassen."

Tatsächlich sind auch klassische Autovermieter in den Markt eingestiegen. Dabei kooperieren sie zum Teil mit Herstellern. Sixt mischt bei Drive Now mit, Europcar bei Car2go. Eine andere Strategie hat Avis gewählt. Der Vermieter übernahm 2013 den US-Anbieter Zipcar (810.000 Mitglieder).

Im Wettstreit mit den Vermietern kommt den Herstellern die jahrelange Erfahrung mit Elektronik im Auto zugute. Navigations-, und Bezahlsysteme spielen beim Carsharing eine entscheidende Rolle zu. Daimler rüstet seine Car2go-Smarts auf einer eigenen Fertigungslinie aus.

In den kommenden Jahren werden die Carsharing-Anbieter ihr Angebot kontinuierlich ausweiten, erwarten Fachleute. Damit dürfte auch die Zahl der Nutzer weiter steigen.

Endgültig durchsetzen könnte sich Carsharing, wenn selbstfahrende Wagen auf den Markt kommen. Dann müssten Kunden nicht mehr ein paar Hundert Meter zum nächsten Wagen laufen, sondern ein Auto kommt zu ihnen. Dann seien viel weniger feste Stationen nötig, erwartet Dudenhöffer. "Das ist die Durchbruchtechnologie fürs Carsharing."

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