Autobauer bricht mit Partner Renault Daimler und Geely bauen gemeinsam Benzinmotoren

Um zu sparen, setzt Daimler auf eine ungewöhnliche Kooperation: Gemeinsam mit ihrem chinesischen Investor Geely wollen die Schwaben ab 2024 Benzinmotoren bauen. Für den bisherigen Partner Renault bedeutet das nichts Gutes.
Denkt gerne etwas größer: Geely-Chef Li Shufu wird ab 2024 gemeinsam mit Daimler Benzinmotoren bauen – in Europa und China

Denkt gerne etwas größer: Geely-Chef Li Shufu wird ab 2024 gemeinsam mit Daimler Benzinmotoren bauen – in Europa und China

Foto: REUTERS

Das lange Drängen von Daimler-Großaktionär Li Shufu (57) hat offenbar verfangen: Daimler will Benzinmotoren in großem Stil von seinem chinesischen Partner und Großaktionär Geely (Aktienanteil: 9,7 Prozent) bauen lassen. "Die Unternehmen planen die Entwicklung eines hocheffizienten modularen Motors, der Hybridfahrzeuganwendungen der nächsten Generation ermöglicht", sagte ein Daimler-Sprecher am Dienstag. Die Motoren sollen in Deutschland und China hergestellt werden. Die Aufteilung des Produktionsvolumens zwischen China und Europa stehe noch nicht fest, hieß es. "Unsere deutschen Werke werden wir sukzessive auf Elektro umstellen." Es würden aber weiterhin Motoren auch in Deutschland hergestellt.

Bereits vor knapp einem Jahr hatte manager magazin von Geelys Plänen berichtet, in seiner mit der Tochter Volvo betriebenen Motoreneinheit künftig auch Aggregate für Dritte zu bauen. Als möglicher Kunde galt schon damals Daimler. Erste Gespräche waren allerdings gescheitert . Nun ist man sich einig geworden.

Bereits in den vergangenen Wochen hatten etliche Zulieferer Anfragen für das gemeinsame Motorenprojekt erhalten. "Mit intelligenten Kooperationen können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern", sagte Daimler-Chef  Ola Källenius  (51) dem manager magazin.  "Partnerschaften wie die mit Geely haben eine Menge Potenzial. Wir arbeiten gut zusammen."

Die beiden Hersteller wollen ab 2024 gemeinsam einige hunderttausend Motoren im Jahr produzieren, wie das "Handelsblatt" berichtet. Die Aggregate, die neben Benzin auch mit E-Fuels oder grünem Wasserstoff betrieben werden können, würden von Daimler entwickelt. Die Fertigung in China übernehme Geely mit seinen kostengünstigen Strukturen. In Europa könne Mercedes die Produktion selbst übernehmen.

Daimler hofft auf hunderte Millionen Euro an Einsparungen

Ziel seien jährliche Einsparungen im dreistelligen Millionenbereich allein bei Daimler. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und Skaleneffekte zu erzielen, würden die Unternehmen dazu ihre Fachkenntnisse in den Bereichen Entwicklung, Einkauf und Industrialisierung bündeln, zitierte das Blatt einen Sprecher.

Das Projekt, in das die Motoreneinheit von Geelys Europa-Tochter Volvo Cars eingebunden ist, sei Teil der Transformation von Mercedes-Benz, hieß es in dem "Handelsblatt"-Bericht. Die Motoren sollen Autos von allen drei Partnern antreiben. Der Deal habe weitreichende Konsequenzen: So bedeute er das Ende einer Kooperation mit Renault bei Motoren für Kompaktautos. Außerdem sähen die Arbeitnehmervertreter den Plan kritisch, weil durch neue Produktionskapazitäten in China der Druck auf die Belegschaft steige. Die Antriebs- und Komponentenwerke in Deutschland stehen wegen des Umbruchs zu Elektromobilität vor dem Abbau Tausender Arbeitsplätze. 

Daimler will künftig noch stärker auf die E-Mobilität setzen. "Wir müssen in der Elektromobilität vorn mitspielen" , sagte Källenius dem manager magazin. Der Antriebssparte komme dabei "eine besondere Rolle zu". Man plane "erhebliche Investitionen in den Um- und Ausbau unserer Werke".

wed/Reuters/dpa