Klare Kursanstiege trotz Vorsichtsprognosen Warum deutsche Autoaktien plötzlich Grip haben

Volkswagen, Daimler und BMW haben für ihre Jahresprognosen die Erwartungen gebremst und teils maue Zahlen vorgelegt. Dennoch trotzte das deutsche Autobauertrio zuletzt erfolgreich widrigen Börsenbedingungen. Der Hauptgrund dafür liegt ausgerechnet in den USA.
BMW-Hybridsportwagen i8 Roadster: Auch die Aktie des bayerischen Autoherstellers zog es zuletzt deutlich nach oben

BMW-Hybridsportwagen i8 Roadster: Auch die Aktie des bayerischen Autoherstellers zog es zuletzt deutlich nach oben

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Fahrzeugimporte deutscher Automarken in den USA: Deshalb müssen deutsche Autobauer US-Strafzölle so fürchten

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Eine ganze Menge Quartalszahlen deutscher Großunternehmen, der weiterhin schwelende Handelsstreit zwischen den USA und China, und zuletzt die Währungskrise in der Türkei: In diesem Umfeld wundert es kaum, dass der deutsche Leitindex Dax  zuletzt kaum von der Stelle kam. Am Montag ging er mit 12.632 Zählern in den Handel, am Freitagmittag hielt er bei 12.480 Punkten - er trat also auf der Stelle, wie Börsianer solche Seitwärtsbewegungen gerne nennen.

Doch unter den 30 Dax-Unternehmen gab es in den vergangenen Tagen eine Gruppe, die sich leise nach oben hangelt: Die Kurse der drei großen deutschen Autohersteller legten zu. Beim Autoriesen Volkswagen (Kurswerte anzeigen) war der Kursanstieg mit 3,10 Prozent innerhalb einer Woche deutlich. Auch für Daimler  ging es binnen Wochenfrist bis Freitagmittag um 2,8 Prozent aufwärts, die BMW -Aktie  legte in diesem Zeitraum gar um 4,5 Prozent zu.

Das ist durchaus bemerkenswert, denn die drei großen Autohersteller hatten sich zuletzt eher verhalten über ihre Erwartungen für dieses Jahr geäußert. Bei der Vorlage seiner Halbjahreszahlen Anfang August erklärte BMW etwa, in diesem Jahr "nur" noch einen Vorsteuergewinn auf Vorjahresniveau zu erwarten. Vor drei Monaten hatte BMW noch "mindestens" das Niveau des Vorjahres angestrebt.

Daimler bestätigte Ende Juli die vor einigen Wochen gesenkte Ergebnisprognose: Im Vergleich zum Vorjahr soll das Betriebsergebnis um 5 bis 10 Prozent zurückgehen, der Pkw-Absatz soll leicht sinken. Im zweiten Quartal fiel bei Daimler zudem die Umsatzrendite auf 8,4 Prozent, der Quartalsgewinn ging um 30 Prozent zurück. Und ab Juli verteuern die Zollerhöhung Chinas auf US-Importe die nach China gelieferten Mercedes-SUVs.

Das größte Risiko für die Autobauer scheint erst einmal gebannt

Auch Volkswagen hat Anfang August sein Renditeziel für 2018 relativiert - trotz eines guten zweiten Quartals. Den Wolfsburgern setzt die Umstellung auf den neuen WLTP-Prüfzyklus zu, die angepeilte operative Umsatzrendite von 6,5 bis 7,5 Prozent will der Volkswagen-Konzern im Jahr 2018 nur unter Ausklammerung von Sonderbelastungen erreichen.

All das könnte Investoren der Autobauer beunruhigen - das tut es aber offenbar nicht. Denn das größte Risiko für die deutschen Autohersteller scheint gebannt: Die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Einfuhrzölle für deutsche Luxusautos in die USA. Vor zweieinhalb Wochen reiste EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach Washington - und es gelang ihm, den Handelsstreit erstmal zu beruhigen. Allzu handfestes kam dabei zwei nicht heraus. Statt Zollschranken hochzuziehen, verhandeln beide Seiten darüber, wie sie Handelshemmnisse abbauen können. Aber immerhin: Solange die Verhandlungen laufen, soll es keine Strafzölle geben.

Wie ein Analyst seine Kaufempfehlungen für BMW und VW begründet

Völlig vom Tisch sind die Einfuhrzölle damit nicht - doch sie sind immerhin in weitere Ferne gerückt. Und diese Aussichten verfangen auch bei den Investoren. Vor dem Treffen ging es für deutsche Autoaktien deutlich abwärts, nun wittern viele eine gute Gelegenheit. Analyst Frank Schwope von der NordLB etwa stufte die BMW-Aktie  jüngst auf Kaufen hoch - wegen des relativ niedrigen Bewertungsniveaus.

Und auch den Kauf von Volkswagen-Vorzugsaktien  empfiehlt Schwope zurzeit. Das operative Geschäft laufe gut, Schwope erwartet zudem noch deutliche Erfolge bei der Umstrukturierung des Autoriesen. Zudem sei Volkswagen vom amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt nicht betroffen, meint er. Denn Volkswagen verschifft kaum Fahrzeuge von den USA ins Reich der Mitte - sondern baut den überwiegenden Teil der in China verkauften Fahrzeuge vor Ort.

Einzig bei Daimler ist der NordLB-Mann skeptischer. Die Stuttgarter seien auch nach der Gewinnwarnung noch Risiken ausgesetzt, schreibt er in seinem jüngsten Bericht. So könnten auf die Schwaben noch Zahlungen durch den sich ausweitenden Dieselskandal oder den Kartellverdacht in Deutschland zukommen. Und die Einführung von Strafzöllen in China auf US-Importe trifft Daimler härter als Volkswagen.

Welche Autoaktie gegen den Strafzollstreit fast völlig immun ist

An zugkräftigen Autoaktien interessierte Investoren, die dem Strafzollstreit komplett aus dem Weg gehen möchten, können einen prüfenden Blick auf den französischen Autohersteller PSA Group  werfen. Der hat den Vorteil, mit seinen Marken Peugeot, Citroën, DS und Opel keine Autos in den USA zu verkaufen - und auch keine Fabriken in dem Land zu besitzen. Der Nachteil: PSA macht einen Großteil seines Geschäfts in Europa, das China-Geschäft ist trotz aller Bemühungen noch vergleichsweise klein. Und mit dem Kauf von Opel hat sich PSA einen Sanierungsfall der härteren Art ins Haus geholt.

Doch die Franzosen haben Ende Juli mit ziemlich guten Halbjahreszahlen geglänzt: Der Autohersteller hat seine Gewinnmarge von 7,4 auf 7,8 Prozent hochgehievt. Auch der Umsatz legte - dank des Opel-Kaufs - um 40 Prozent zu, der Konzerngewinn stieg um 18 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Sogar die Tochter Opel schaffte im ersten Halbjahr 2018 ein Betriebsergebnis von 502 Millionen Euro. PSA-Chef Carlos Tavares nannte das das "erste Zeichen einer erfolgreichen Kehrtwende".

Die Investoren scheinen ihm zu glauben: Auf Monatsfrist gesehen stieg der Kurs der PSA-Aktie um rund 21 Prozent, in der vergangenen Woche waren es 4,7 Prozent Zuwachs. Gelingt Tavares der Turnaround von Opel, ist noch Luft nach oben beim Kurs.

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