Gebrauchtwagenhändler Auto1 fährt trotz Umsatzrückgang in die schwarzen Zahlen

Der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 fährt operativ erstmals einen nennenswerten Gewinn ein. Das könnte für Jahre auch der letzte gewesen sein. Denn das Unternehmen will viel Geld in das Geschäft mit Endkunden investieren.
Freie Sicht: Auto1 will auf seiner Plattform künftig mehr Autos auch selbst und direkt an den Endverbraucher verkaufen

Freie Sicht: Auto1 will auf seiner Plattform künftig mehr Autos auch selbst und direkt an den Endverbraucher verkaufen

Foto: Auto1 Group

Der Berliner Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 ("WirkaufenDeinAuto.de") hat im dritten Quartal trotz eines Umsatzrückgangs sein Ergebnis verbessert. "Es ist das erste Mal, dass wir so deutlich in den schwarzen Zahlen gelandet sind", sagte Firmenmitgründer Christian Bertermann (36) in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Auto1, an dem der japanische Technologieinvestor Softbank beteiligt ist, strebt im kommenden Jahr an die Börse und könnte dabei eine Bewertung von fünf Milliarden Euro erzielen.

Im dritten Quartal setzte dem Unternehmen die Coronavirus-Krise zwar weniger zu als im von Lockdowns dominierten Vorquartal. Trotzdem gab der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 769 Millionen Euro nach. Das bereinigte Betriebsergebnis legte auf 16 Millionen Euro zu nach einem Verlust von 11,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

120.000 Autos im Quartal verkauft

Insgesamt verkaufte der Börsenkandidat über seine verschiedenen Plattformen wie Auto1.com, wirkaufendeinauto.de und Autohero 120.000 Wagen. Unbekannt ist, wie viele Fahrzeuge es im dritten Quartal 2019 waren. "Es gibt in der Corona-Krise den Trend zum eigenen Wagen, weil jeder vom Rückzugsraum Auto profitieren will", sagte Bertermann zwar. Doch die Unsicherheit in der Pandemie führt offenbar genauso zu Zurückhaltung beim Kauf von Gebrauchtwagen wie bei Neuwagen.

Auto1 will mehr Autos selbst verkaufen

Um wieder auf den Wachstumspfad zurückzufinden, will Auto1 nun mehr Fahrzeuge selbst online direkt veräußern. Bisher ist der Ankauf von Privatwagen und der Weiterverkauf an Händler das Brot- und Butter-Geschäft der Berliner. "Jetzt werden wir stark in den Onlineverkauf von Fahrzeugen an Endkunden investieren", kündigte der 36-jährige Bertermann an.

Wegen der hohen Ausgaben für die Expansion des Autohero genannten Geschäfts "wird Auto1 in den nächsten Jahren nicht profitabel sein", erklärte Bertermann. Neben mehr Marketing will das 2012 gegründete Unternehmen Geld in verglaste Transporter stecken, die den Blick auf das verkaufte Auto freigeben und damit bei jeder Auslieferung für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen sollen. manager magazin hatte bereits im Sommer über die Expansionpläne berichtet .

Auto1 ist eines der wertvollsten Start-ups in Deutschland. Bei der bislang letzten Finanzierungsrunde 2018 war das Unternehmen mit 2,9 Milliarden Euro bewertet worden.

rei/Reuters
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