Sonntag, 21. April 2019

Autohersteller Toyota wendet sich von Elektroautos ab

Toyota-Konzeptauto mit Brennstoffzelle: Bereits 2015 soll ein solches Fahrzeug in Serie gehen
Tom Grünweg
Toyota-Konzeptauto mit Brennstoffzelle: Bereits 2015 soll ein solches Fahrzeug in Serie gehen

Toyota glaubt nicht an den Erfolg rein batteriegetriebener Elektroautos. Der Autogigant beendet seine Zusammenarbeit mit Tesla und investiert stattdessen in die Brennstoffzelle: Kalifornien wollen die Japaner mit einem Netz von Wasserstoff-Tankstellen überziehen. 

Hamburg - Mit glasklaren Ansagen an Mitarbeiter oder Mitbewerber tun sich Toyotas Topmanager eher schwer. So erklärte Firmenchef Akio Toyoda vor einigen Jahren: "Wir wollen unsere Kunden zum Lächeln bringen". Für Außenstehende war das reichlich rätselhaft. Doch die Toyota-Mitarbeiter verstanden ihren Boss: Toyota sollte künftig nicht nur Autos bauen, die sparsam und verlässlich sind - die Japaner sollten auch mit besserem Design und mehr Emotionalität punkten.

Der weltgrößte Autohersteller beherrscht die Kunst der leisen Töne. Deshalb lohnt es sich, bei Meldungen des Autoriesen besonders genau hinzuhören. So verkündete Toyota vor einigen Tagen eine scheinbare Kleinigkeit: Die Japaner lassen ihre Kooperation mit dem US-Elektroautohersteller Tesla zu Ende des Jahres auslaufen.

Bisher hat Tesla an Toyota Batterien und Antriebsstrang für die elektrisch angetriebene Version des Kompakt-Geländewagens RAV4 geliefert. Für das Ende des Deals gibt es einen handfesten Grund: Der nur in den USA verkaufte RAV4 EV ist alles andere als ein Verkaufsrenner. Mit Tesla hatte Toyota 2011 die Lieferung von gerade mal 2500 Antriebssträngen vereinbart - diese ohnedies niedrige Absatzziel haben die Japaner offenbar noch nicht erreicht. Kein Wunder also, dass die Japaner ihr Elektrofahrzeug "neu bewerten" wollen, wie Toyota in einer Mitteilung schrieb.

Abkehr von der reinen Stromer-Lehre

Doch die Japaner bewerten nicht nur ein einzelnes Elektrovehikel neu - sie richten ihre Strategie für künftige alternative Antriebe neu aus. Darin haben rein batteriebetriebene Elektroautos offenbar keinen Platz mehr. Anders als etwa Erzkonkurrent VW glauben die Japaner nicht an einen Markterfolg der Stromer - und ziehen daraus klare Konsequenzen.

Bereits vor zehn Tagen erklärte Toyota, in diesem Jahr die für 2015 vorgesehene Einführung eines Brennstoffzellenautos vorzubereiten. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg wurde Toyotas USA-Chef Jim Lentz deutlicher: In den kommenden zwei Jahren will Toyota in Kalifornien mehr als 50 Wasserstoff-Tankstellen hochziehen. Der US-Bundesstaat forciert derzeit mit Förderungen den Aufbau weiterer Wasserstoff-Tankstellen. Die Gesamtzahl würde ausreichen, um 10.000 Brennstoffzellenautos alleine in Kalifornien zu betreiben. Deshalb sei er für den 2015 vorgesehenen Start von Toyotas Brennstoffzellenfahrzeug "sehr zuversichtlich", sagte Lentz.

Batteriegetriebene Elektroautos seien nach wie vor fast ausschließlich für kurze Strecken geeignet. Doch Konsumenten seien gewohnt, 500 bis 600 Kilometer am Stück zu fahren - und dann innerhalb von fünf Minuten nachzutanken. Diese Angst über die Reichweite verzögere das Wachstum rein batteriegetriebener Elektroautos, so Lentz.

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