Mittwoch, 8. April 2020

Insolvenz des größten Hamburger Autohauses Wichert Warum VW-Händler über Leasing-Diesel und E-Autos stürzen

VW-Logo bei einem Händler

Der größte Hamburger VW-Händler Auto Wichert ist insolvent. Das Unternehmen mit 23 Standorten in Norddeutschland und 1400 Mitarbeitern reichte vor kurzem beim Handelsgericht Hamburg Mitte einen Insolvenzantrag ein.

Die Zahlungsunfähigkeit des norddeutschen Autohandelsriesen ist aber beileibe kein Einzelfall unter den Autohäusern. In letzter Zeit ereilte mehrere deutsche VW-Händler das gleiche Schicksal. In Hamburg etwa rutschte der VW-Handelsgruppe Willy Tiedtke im Oktober 2018 in die Zahlungsunfähigkeit- nach 83 Jahren im Autohandels-Geschäft. In Bottrop musste der letzte kleine VW-Händler vor Ort, die Firma Verstege & Lux, im Februar 2019 die Insolvenz bekanntgeben. Ende 2017 erwischte es die westfälischen Max Moritz-Autohäuser, die zum Reich der Autohandelsgruppe Weller gehörten.

Die Wellergruppe, Deutschlands fünftgrößter Autohändler mit rund 34.300 verkauften Neu- und Gebrauchtwagen im Jahr 2018, hat ihre Max-Moritz-Autohäuser letztlich an mehrere Investoren verkauft. Die Standorte des Traditions-Autohauses Tiedtke wurde von der nun insolventen Auto Wichert-Gruppe übernommen. Natürlich gab es je nach Standort und Gruppe unterschiedliche Gemengelagen, die letztlich zur Zahlungsunfähigkeit führten.

Doch mit einem Problem kämpften sämtliche ins Trudeln geratene VW-Autohäuser: Den gesunkenen Restwerten für gebrauchte VW-Dieselfahrzeuge. Denn die schlagen auf eine besondere Art und Weise ins Kontor - bei den Leasingfahrzeugen nämlich, die viele Autohändler in den vergangenen Jahren liebend gerne angeboten haben.

Diesel-Skandal erweist sich für Autohändler als Bumerang

Bei Privat- und Firmenkunden wird das Leasen von Fahrzeugen immer beliebter. Zum einen fällt keine hohe Investition bei Übernahme des Autos an. Zum anderen lassen sich mit einer monatlichen Rate die tatsächlichen Kosten für ein Fahrzeug besser einschätzen. Leasingnehmer müssen sich auch nicht um den Wertverlust ihrer Fahrzeug sorgen oder sich um den Verkauf ihres Gebrauchtwagens kümmern. Nach Ende der Laufzeit des Leasing-Vertrages geht das Auto meist an die Leasinggesellschaft zurück. Manche Leasingverträge bieten auch eine Kaufoption, der Leasingnehmer kann seinen Wagen dann am Ende der Leasinglaufzeit zu einem bestimmten Preis kaufen und behalten.

Das klappt bei normalen Bedingungen für beide Seiten gut, weil der Wagen den von der Leasinggesellschaft vorher berechneten Wert verloren hat. Schwierig wird es nur dann, wenn die Kalkulation nicht mehr stimmt, weil die geleasten Fahrzeuge deutlich mehr an Wert verloren haben als in der Leasingkalkulation vorgesehen.

Das ist bei Dieselfahrzeugen, speziell jenen von VW, schon seit längerem der Fall. Und die Händler müssen das oft ausbaden. Denn die meisten Leasingnehmer geben ihren geleasten VW-Diesel an die Händler zurück, bei denen die schwer verkäuflichen Fahrzeuge dann auf dem Hof stehen - und hohe Kosten verursachen.

Laut Aussagen von Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer müssen Autohändler Wertverluste in Höhe von 20 bis 30 Prozent bei diesen sogenannten Leasingrückläufern hinnehmen. Das belastet die Bilanzen vieler Händler, die mit dem Autoverkauf ohnedies nur kümmerliche Margen erwirtschaften. Dudenhöffer prophezeite bereits vor gut eineinhalb Jahren, dass das Thema Leasing-Rückläufer ordentlich Sprengkraft entfalten werde. Es scheint, als würde er recht behalten.

Der erst seit Anfang des Jahres amtierende Co-Geschäftsführer von Auto Wichert, Bernd Lindemann, wusste wohl um die Probleme seiner Handelsgruppe. Bei seiner Amtsübernahme Anfang Januar erklärte Lindemann gegenüber der Fachzeitschrift "Autohaus", dass es wichtig sei, dem Restwerteverfall bei Gebrauchtwagen zu begegnen - und nur maßvoll in E-Mobilität zu investieren.

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