Dienstag, 7. April 2020

Studie zeigt Autobranchen-Rezession Deutsche Autoproduktion sinkt auf 22-Jahres-Tief

Autoproduktion im VW-Stammwerk in Wolfsburg
Julian Stratenschulte / DPA
Autoproduktion im VW-Stammwerk in Wolfsburg

In China gehen die Neuwagenzulassungen seit Monaten zurück. In den USA sprechen Autoanalysten längst von einem "moderat abnehmenden" Trend bei den Autoverkäufen. Große Autohersteller haben zuletzt mehrfach ihre Prognosen nach unten revidiert, die Branche sieht sich bereits schwierigen Zeiten gegenüber.

Wie mühsam die Lage für die deutsche Autoindustrie ist, illustriert auch eine Studie des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen. Die Studie hat die Produktionszahlen der Autohersteller in Deutschland unter die Lupe genommen - und kommt zu einem ziemlich ernüchternden Ergebnis: Hierzulande sind 2019 so wenig Autos gebaut worden wie seit 22 Jahren nicht mehr.

Die Produktion lag hierzulande aufs Jahr hochgerechnet bei 4,67 Millionen Fahrzeugen, heißt es in der Studie. Der Anteil an der Weltproduktion sank demnach auf 5,9 Prozent, 1997 waren es noch 11,8 Prozent. Das bedeutet, dass nur noch jedes 17. weltweit verkaufte Auto in Deutschland gebaut wird.

Insgesamt konstatiert die Studie, dass die weltweite Autoindustrie "in der Rezession sitzt": In diesem Jahr werden die weltweiten Pkw-Verkäufe auf 78,8 Millionen Neuwagen zurückgehen, im kommenden Jahr dann nochmal auf 78 Millionen leicht sinken. Ab dem zweiten Halbjahr 2020 sei aber die Talsohle erreicht, heißt es in der Studie.

Ein Grund für den Rückgang ist laut Studienautor Ferdinand Dudenhöffer die Rezession der weltweiten Autoindustrie infolge der von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskriege. Der Handelskrieg zwischen den weltgrößten Volkswirtschaften USA und China treffe die deutschen Exporte und damit die deutsche Autoproduktion, so Dudenhöffer. "Trump hat mit seinen Zöllen die Autokonjunktur in China abgewürgt."

"Standort Deutschland verliert für Welt-Autoindustrie an Bedeutung"

Auch die Autohersteller verweisen gerne auf den US-Präsidenten als Hauptschuldigen für sinkende Absatzzahlen. Allerdings kann man das durchaus hinterfragen. Der chinesische Automarkt ist fast zwei Jahrzehnte lang Jahr für Jahr stark gewachsen. Dass hier einmal ein Einbruch kommen musste, lag auf der Hand. Und auch in den USA war nach jahrelang steigenden Verkäufen längst ein Rückgang absehbar.

Dass die Neuwagenzulassungen in zwei der drei wichtigsten globalen Automärkte nun zurückgehen, schlägt sich natürlich auch in den Herstellungszahlen nieder. So sank die globale Autoproduktion 2019 hochgerechnet um 5 Prozent oder 4,1 Millionen Neuwagen.

Dudenhöffer nimmt das gleich als Anlass für eine deutliche Warnung: "Mit dem Rückgang der Autoproduktion in Deutschland verliert der Standort Deutschland für die Welt-Autoindustrie weiter an Bedeutung", urteilt er. "Das geplante Tesla-Werk in Brandenburg hilft zwar den Abwärtstrend abzumildern, kann allerdings keine Trendumkehr einleiten."

Für 2020 rechnet der Experte mit einem weiteren Rückgang von 4,67 auf 4,5 Millionen in Deutschland gebauten Autos. Erst 2021 könne mit wieder leicht steigenden Produktionszahlen in Deutschland gerechnet werden. "Deutschland verliert damit im weltweiten Autogeschäft an Bedeutung - ganz im Gegenteil zu den deutschen Autobauern", schrieb Dudenhöffer.

Studienautor plädiert für noch mehr Abhängigkeit von China

Dudenhöffer nutzt die Zahlen, um ein wenig gegen die jahrzehntelange, enge transatlantische Partnerschaft zwischen Deutschland und den USA zu stänkern. "Bildlich gesprochen schickt Donald Trump die Arbeiter in der deutschen Autoindustrie in die Kurzarbeit", moniert Dudenhöffer.

Statt in der "seltsamen transatlantischen 'Partnerschaft'" zu verharren, plädiert Dudenhöffer für einen engeren Austausch mit China, das für die deutschen Autobauer bereits jetzt der wichtigste Markt ist. Das Land sei nun der wichtigste Standort der Autoproduktion. "China ist der Mittelpunkt der Autowelt, und die alten Autonationen wie Deutschland werden unbedeutender."

Allerdings haben Branchenkenner auch wiederholt die hohe Abhängigkeit der deutschen Autohersteller von China kritisiert. Denn das Land steht bei Daimler und BMW längst für gut ein Drittel aller weltweit abgesetzten Neuwagen, beim Volkswagen-Konzern sind es sogar knapp 40 Prozent.

Die Auswirkungen dieser Abhängigkeiten zeigten sich zuletzt deutlich in den Zahlen von BMW und Daimler. Nur der VW-Konzern schien lange dagegen immun zu sein und konnte seine Verkäufe in China zuletzt sogar noch gegen den Branchentrend steigern.

mit Material von dpa-afx

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