Geringe Rabatte Neuwagen im Dezember so teuer wie nie

Die Autoindustrie leidet unter der Chipkrise. Das macht sich zunehmend bei den Preisen für Neuwagen bemerkbar. Doch wenn Autokäufer zugreifen, schaffen sie sich immer häufiger ein Elektroauto an, wie ein Blick auf den Boom bei der staatlichen Kaufprämie zeigt.
Teuer und elektrisch: Autokäufer müssen für Neuwagen immer tiefer in die Tasche greifen und entscheiden sich immer häufiger für ein Elektroauto (im Bild der im ersten Halbjahr 2022 auf den Markt kommende VW ID.5)

Teuer und elektrisch: Autokäufer müssen für Neuwagen immer tiefer in die Tasche greifen und entscheiden sich immer häufiger für ein Elektroauto (im Bild der im ersten Halbjahr 2022 auf den Markt kommende VW ID.5)

Foto: JENS SCHLUETER / AFP

Auf dem deutschen Automarkt sind Neuwagen gegenwärtig so teuer wie noch nie. Zu diesem Schluss kommt die regelmäßige Marktstudie des Duisburger Center Automotive Research (CAR), die am Donnerstag vorgestellt wurde. Nach Einschätzung des Studienleiters Ferdinand Dudenhöffer (70) werden sich die Tendenzen eines knappen Angebots und niedriger Rabatte in den ersten Monaten des neuen Jahres fortsetzen. Grund sind insbesondere Nachschubprobleme bei den Halbleiter-Bauteilen. Die staatliche Innovationsprämie für Elektrofahrzeuge verdecke dabei den Trend zu höheren Preisen etwas.

Der Untersuchung zufolge deuteten auch im Dezember nahezu alle Indikatoren auf steigende Verbraucherpreise bei Neuwagen hin. Im Einzelnen wurden die im Internet angebotenen Rabatte für die 30 beliebtesten, frei konfigurierbaren Neuwagen auf den Niedrigstand von durchschnittlich 16,7 Prozent des Listenpreises zurückgefahren. Die höchsten Nachlässe von knapp unter 25 Prozent gab es auf verschiedene Modelle von Ford und Renault sowie auf den Fiat 500.

Auch ließen Hersteller und Händler weniger Fahrzeuge auf eigene Rechnung zu, um sie später als Sonderangebote an den Markt zu bringen. Der Anteil der Eigenzulassungen ging vom November noch einmal um 1,4 Punkte auf 22,5 Prozent zurück, wie CAR berichtete.

Die Hersteller setzen offenbar immer mehr auf Abo-Modelle, die im Schnitt etwas billiger geworden seien. Die Anzahl der Angebote stieg um 14 auf 314. Die Kunden dieser noch vergleichsweise jungen Leasing-Form einschließlich Wartung und Versicherungsleistung mussten zwischen 8 (Stromer) und fast 16 Wochen (Plug-in-Hybride) auf ihre Autos warten.

Boom bei Elektro-Kaufprämie

Zugegriffen haben Autokäufer wegen der staatlichen Kaufprämie offensichtlich vor allem bei Elektroautos. Die Zahl der Anträge stieg um mehr als das Doppelte auf einen Rekord von mehr als 585.000, wie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mitteilte. Ausgezahlt wurden mehr als 3 Milliarden Euro an Fördermitteln für die Elektromobilität. Dies sei das 4,7-Fache der ausgezahlten Summe im vergangenen Jahr.

Mitte des vergangenen Jahres war die Kaufprämie (Umweltbonus) für reine E-Autos und Plug-in-Hybride über eine Innovationsprämie erhöht worden. Der Bund verdoppelte dazu seine Förderung beim Kauf solcher Fahrzeuge. Das führte zu einer stark steigenden Nachfrage.

Die bisher bis Jahresende befristete Innovationsprämie wird bis Ende 2022 verlängert, wie Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne; 52) vor Kurzem mitgeteilt hatte. Käufer von rein elektrisch betriebenen Elektrofahrzeugen bekommen damit weiter eine Förderung bis zu 9000 Euro. Bei Plug-in-Hybriden gibt es bis zu 6750 Euro. Seit Beginn der Förderung im Jahr 2016 wurde rund eine Million Anträge gestellt, so das Bundesamt – der überwiegende Teil der Fahrzeuge sei in den vergangenen zwei Jahren beantragt worden.

Von 2023 soll es nach den Plänen der Ampel-Koalition eine Reform der staatlichen Förderung geben. Dann sollen nur noch Elektrofahrzeuge gefördert werden, die nachweislich einen positiven Klimaschutzeffekt haben. Dieser solle über den elektrischen Fahranteil und eine elektrische Mindestreichweite definiert werden.

Bei Umwelt- und Klimaverbänden stehen Plug-in-Hybridfahrzeuge, die einen Elektro-Antrieb mit einem Verbrenner kombinieren, in der Kritik. Umstritten ist, wie viel sie wirklich im rein elektrischen Betrieb gefahren werden. Von Januar 2022 an sind Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge, deren maximale CO2-Emission je gefahrenem Kilometer 50 Gramm übersteigt und die eine rein elektrische Reichweite von weniger als 60 Kilometern aufweisen, laut Bundesamt nicht mehr förderfähig. Bisher gilt als Grenzwert eine elektrische Reichweite von 40 Kilometern.

mg/dpa-afx
Mehr lesen über