Neue Studie Woran Auto-Abos bislang scheitern

Ein Abo für das Auto - das bieten zahlreiche Start-ups und immer mehr Autohersteller an. Eine Studie zeigt: Das Interesse der Kunden ist da, die Preise sind vielen aber noch zu hoch.
Mit Monatsflatrate nutzen statt kaufen: VWs Elektromodell ID.3 gibt's nun auch im Autoabo - von der Konzerntochter VW Financial Services

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Foto: Robert Michael / dpa

Nicht nur der Corona-Impftermin, auch der Kauf eines Neuwagens kann in Pandemiezeiten zur echten Geduldsprobe werden: So können Autoverkäufer nach der Bestellung oft keine exakten Auslieferungstermine nennen, weil bei den Herstellern auch wegen der Chipkrise längst nicht alles rundläuft.

Die Nachfrage nach jungen Gebrauchtwagen scheint das eher anzuheizen (die Preise stiegen jüngst merklich), die Nachfrage nach einem neuen Vertriebskonzept von Herstellern und Vermittler-Start-ups dagegen erstaunlicherweise nicht: das Auto-Abo gegen monatliche Gebühr. Rund 35 Prozent der befragten Deutschen haben grundsätzlich Interesse an dieser Form der Autonutzung, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Ungefähr genauso hoch ist das Interesse in Frankreich, während sich in den USA ein Viertel und in Italien nur ein Fünftel aller Befragten für Auto-Abos interessieren.

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Monatsgebühr statt kaufen: Diese Autoabo-Anbieter gibt es in Deutschland

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Jens Kalaene/ dpa

Für die zum dritten Mal im Jahresabstand erhobene Studie wurden gut 2000 Menschen in den vier Ländern befragt. Im Vergleich zur Studie vor einem Jahr, die mitten in die erste Lockdown-Phase der Corona-Pandemie fiel, ging das Interesse an Flatrates für die Autonutzung in Deutschland geringfügig zurück. In den USA verdoppelte sich dagegen die Zahl der grundsätzlich an Auto-Abos Interessierten.

Vier Fünftel der Befragten wollen maximal 500 Euro pro Monat zahlen

Bisher ist der Markt für Abofahrzeuge in Deutschland noch klein. Weniger als 100.000 Fahrzeuge würden derzeit in Deutschland insgesamt im Abo genutzt, sagt Studienautor Joachim Deinlein, Auto-Spezialist bei Oliver Wyman. Zur Einordnung: Selbst im vergangenen Coronajahr wurden in Deutschland 2,9 Millionen Neuwagen verkauft.

Autoabo bei ViveLaCar - wir haben's ausprobiert

Das alte Auto hatten wir Ende 2020 gut verkauft, das neue war bereits bestellt: Da blieb uns leider eine vier Monate lange, Neuwagen-Lieferzeitenbedingte Lücke. Diese konnten wir aus beruflichen Gründen nicht komplett autolos überbrücken. Das Mietangebot des Autohändlers und Langzeitmieten klassischer Autovermieter waren uns zu teuer. Deshalb wollten wir drei Monate lang ein Autoabo ausprobieren. Lieferfristen von mehreren Wochen für das Abo-Auto waren uns zu lang, es sollte schnell gehen und halbwegs günstig sein. Deshalb fiel unsere Wahl auf den Autoabo-Anbieter ViveLaCar :_Denn das Start-up verspricht, schnell einen fahrbaren Untersatz zu liefern - zu vergleichsweise moderaten Monatsraten.

"Kunden kaum bereit zu Aufpreis für monatliche Kündigungsfrist"

Ähnlich wie bei Handy-Flatrates ist es auch Auto-Abo-Interessenten wichtig, sich nicht allzu lange zu binden. So gaben 46 Prozent der Befragten an, dass sie sich ein jeweils monatlich kündbares Auto-Abo wünschen, 9 Prozent wollen sich 2 Monate binden, ein Fünftel der Befragten maximal 3 Monate. Nur 11 Prozent der Befragten akzeptieren Laufzeiten von mindestens sechs Monaten.

Zwar haben Abo-Anbieter wie Cluno, ViveLaCar oder Finn.Auto nun vielfach auf einmonatige Kündigungsfristen umgestellt. Allerdings versuchen sie dennoch, ihre Kunden zu längeren Haltefristen zu bewegen – etwa, indem sie Startgebühren im dreistelligen Eurobereich verlangen oder sich die gewünschte Zustellung direkt vor die Haustür mit einer Extragebühr vergüten lassen.

"Kunden wollen einmonatige Kündigungsfristen für ihre Abos haben, sind aber kaum bereit, für diese Flexibilität einen Aufpreis zu zahlen", fasst es Deinlein zusammen. Dabei blieben viele Abonnenten ohnedies bis zu 18 Monate oder länger dabei.

Auch an anderer Stelle klaffen die bisherigen Angebote und die Kundenwünsche auseinander: Sie sind zu teuer.

Eine große Mehrheit der rund 500 deutschen Studienteilnehmer, 81 Prozent, wäre lediglich bereit, weniger als 500 Euro monatlich für die Abo-Nutzung eines Pkw auszugeben. Richtig massentauglich werden die Autonutzungs-Flatrates erst, wenn die monatlichen Abopreise nach unten gehen, analysiert Studeienautor Deinlein: "Unter 500 Euro Monatspreis ist das Parkett, auf dem sich das Massenvolumen abspielt."

Oft seien die Abos bisher allerdings sogar teurer als vergleichbare Leasing-Angebote. Hier warnen die Autoren aber vor falschen Vergleichen: Die Abogebühren zeigen die tatsächlichen Mobilitätskosten pro Monat mit Ausnahme des verfahrenen Sprits. Das sei bei Leasingangeboten nicht der Fall, dort müssen Autofahrer oft auch selbst einen Satz Reifen kaufen oder Anzahlungen leisten. Ein weiterer Vorteil: Die Abo-Autos stehen in der Regel sofort zur Verfügung - anderes als Neuwagen oder oft auch Leasingwagen.

Großes Potenzial sieht die Studie bei Aboangeboten für Gebrauchtwagen. Preise unter 500 Euro seien meist nur mit jungen Gebrauchtwagen kostenmäßig möglich, sagen die Autoren.

Die Studiendaten deuten darauf hin, dass Kunden solche Fahrzeuge auch gerne abonnieren wollen. 50 Prozent der Interessierten wären bereit, ein Auto im Abo zu beziehen, das zwischen wenigen Wochen und einem Jahr alt ist, 29 Prozent würden sich für Fahrzeuge interessieren, die älter als ein Jahr sind. Nur 20 Prozent interessieren sich für Neuwagen.

Das Problem für die Aboanbieter ist allerdings, dass der Gebrauchtwagenmarkt aktuell ziemlich leergefegt ist. Womit sich der paradoxe Teufelskreis der Branche schließt.

wed
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