Mobilität Daimler übernimmt Taxi-App Mytaxi

Daimler investiert Millionen in den Ausbau seines Mobilitätsangebots und übernimmt die Taxivermittlungsapp Mytaxi. Auch in den USA kauft die Daimler-Tochter Moovel zu. Auf der Einkaufliste hier: Marktführer Ridescout.
Mytaxi: Die Taxi-App gehört nun zu 100 Prozent zur Daimler

Mytaxi: Die Taxi-App gehört nun zu 100 Prozent zur Daimler

Foto: Tobias Kleinschmidt/ dpa

Hamburg - Dass für ihn Mobilitätsangebote jenseits privater Autos eine große Rolle spielen, daraus hat Daimler-Chef Dieter Zetsche nie einen Hehl gemacht. Wie wichtig er sie für die Zukunft erachtet, zeigt ein am Mittwoch publik gewordener Millionendeal oder sogar Milliardendeal.

Die Daimler-Tochter Moovel hat ihren Anteil am Taxi-App-Betreiber Mytaxi auf 100 Prozent ausgebaut. Wie viel sie für die Komplettübernahme zahlte, wurde nicht kommuniziert. Laut Bloomberg hat der Autobauer für die ersten 15 Prozent, die er bei einer Finanzierungsrunde 2012 erwarb, damals bereits rund zehn Millionen Euro gezahlt.

T-Venture, der Venture-Arm der Deutschen Telekom , die zu den ersten Investoren der 2009 gegründeten Taxi-App gehörten und nun an Moovel verkauften, zeigten sich mit ihrem Investment mehr als zufrieden. "Unsere Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern bei weitem übertroffen", hieß es. Wieviel Geld der Ausstieg konkret in die Kassen gespült hat, dazu wollte sich aber auch bei T-Venture niemand äußern.

Daimler, dessen Plattform Moovel neben dem Carsharing-Angebot Car2go und der Taxi-App Mytaxi auch Mobilitätsangebote von Fahrradverleihen, ÖPNV und Mitfahrgelegenheiten verbindet, will diese Art Mobilitätsangebote künftig weiter ausbauen. Die App zeigt neben den jeweiligen Mobilitätsoptionen auch Fahrdauer und Preise an.

Zusammen kommen Mytaxi und Car2go, das Joint Venture von Daimler und Europcar, nach Unternehmensangaben bereits auf mehrere Millionen Nutzer.

"Wir wollen Mobilität so einfach machen wie möglich. Daher treiben wir die Vernetzung von Mobilitätsangeboten konsequent und international voran - zukünftig einschließlich der Buchung und der bargeldlosen Bezahlung für wichtige Verkehrsmittel", erklärte Moovel-Chef Robert Henrich.

Wandel vom Auto- zum Mobilitätskonzern

Für Daimler ist die Übernahme von Mytaxi und der Mobilitätsplattform Ridescout in den USA ein weiterer Schritt in Richtung hin zu einem Mobilitätsanbieter. Neben Car2go, Mytaxi und Ridescout ist Daimler mit einem Minderheitsanteil bereits auch beim Münchener Kuriervermittler Tiramizoo investiert, beim Mitfahrnetzwerk carpooling.com sowie beim Fernbusanbieter Flixbus und dem Limousinenservice Blacklane.

"Wir wandeln uns gerade von einem Automobil- in einen Auto- und Mobilitätskonzern", zitierte die "Süddeutsche Zeitung"  kürzlich Daimler-Finanzchef Bodo Uber.

Daimler-Chef Zetsche begründete sein verstärktes Engagement abseits der klassischen Autoindustrie damit, dass der Autobauer angesichts der Umwälzungen im Mobilitätssektor versuche, diese eben mitzugestalten. "Wenn wir dieses Angebot nicht haben, dann werden es andere machen", sagte er dem "Spiegel".

Zudem bringt das neue Geschäft Daimler laut eigenen Angaben mittlerweile durchaus Erlöse. Bis Ende 2014 will der Autobauer mit Car2go und Moovel einen Umsatz von 100 Millionen Euro erzielen.

Mytaxi will weiter expandieren

Das Unternehmen Mytaxi soll indes auch nach der Übernahme weiter als solches bestehen bleiben und eigenständig agieren. Mit Daimler im Rücken werde man bereits bestehende Niederlassungen weiter ausbauen und auch in neuen Städten investieren können", schrieb Mytaxi im Unternehmensblog. 

Legaler Gegenpool zu Uber

Als Kampfansage an das aktuell mit Uber ringende Taxigewerbe will Daimler den Zukauf aber nicht verstanden wissen. Vielmehr wolle man "das Taxigewerbe einladen, mit Moovel und Mytaxi eng und partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, um gemeinsam die Chancen des mobilen Internet zu nutzen", erklärte Henrich. Man werde sich daher in den kommenden Monaten "intensiv um eine enge Zusammenarbeit mit dem Taxigewerbe bemühen."

Auch das Verhältnis von Mytaxi zum Taxigewerbe war in den vergangenen Jahren nicht unproblematisch, ganz besonders nachdem der App-Betreiber zu Jahresbeginn ein neues Preismodell einführte.

Die Annäherung kommt nicht von ungefähr: Schätzungen zufolge handelt es sich bei mehr als die Hälfte aller Taxis in Deutschland um Daimler-Modelle.

Der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband BZP wertete die Übernahme in einer ersten Reaktion als "klares Bekenntnis" von Daimler zur legalen Personenbeförderung. Daimler sei ein "starker Mitstreiter" zur Abwehr illegaler Marktteilnehmer, sagte BZP-Präsident Michael Müller mit Blick auf den umstrittenen Fahrdienst Uber. Anderseits erhöhe die Übernahme aber den Druck auf die Taxizentralen.

Die US-App Ridescout, die Moovel ebenfalls für einen unbekannten Betrag übernahm, agiert nach eigenen Angaben bislang in 70 nordamerikanischen Städten, darunter auch Washington und San Francisco. Mit ihr haben Nutzer Zugriff auf die Angebote von mehr als 300 Mobilitätsdienstleistern, deren Angebote sie nach Gesichtspunkten wie Geschwindigkeit oder Preis filtern können. Zudem bietet die 2011 gestartete App ihren Kunden Wegbeschreibungen und zeigt über eine Kooperation verfügbare Parkplätze an.

mit dpa
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