Montag, 20. Mai 2019

Millioneninvestment in Volkswagen-Partnerfirma Aurora Warum Amazon in dieses Roboterauto-Start-up investiert

Roboterwagen-Prototyp mit Selbstfahr-System von Aurora

Google testet mit seiner turmhoch bewerteten Tochter Waymo Roboterautos bereits im Praxisbetrieb. Bei Apple arbeiten Teams seit Jahren an Selbstfahr-Technik, auch wenn diese Bemühungen bislang nicht von herzeigbaren Erfolgen gekrönt waren. Unter Amerikas Tech-Riesen hielt sich Amazon beim autonomen Fahren bislang auffällig zurück - doch ändert das jetzt: Der Tech-Konzern investiert nun in eines der vielversprechendsten US-Start-ups in diesem Bereich.

Mit einem "signifikanten Beitrag" hat sich Amazon an der zweiten Finanzierungsrunde des Start-ups Aurora beteiligt, die sich auf 530 Millionen Dollar (467 Millionen Euro) belief. Bewertet wird das 2017 gestartete Unternehmen nun mit rund 2,5 Milliarden Dollar, und es kann bereits auf eine Liste an namhaften Kooperationspartnern verweisen: So arbeiten etwa der Volkswagen-Konzern, Hyundai und der chinesische E-Autobauer Byton mit Aurora zusammen.

Dabei hat Aurora noch nicht mal größere Roboterwagen-Flotten auf der Straße - dafür aber ein hochkarätiges Gründerteam, dem die Branche besonders viel zutraut. Chris Urmson leitete viele Jahre lang Googles Roboterwagen-Programm, Sterling Anderson war bei Tesla einst für das Autopilot-System zuständig. Drew Bagnell ist Experte für maschinelles Lernen - und arbeitete bei Uber an selbstfahrenden Fahrzeugen.

Dieses Star-Ensemble zog schon bei der ersten Finanzierungsrunde über 90 Millionen Dollar von renommierten US-Tech-Investoren an. Bei der jetzigen zweiten Finanzierungsrunde ist neben Amazon auch der bekannte US-Risikokapitalgeber Sequoia an Bord.

Wie die meisten US-Start-ups in diesem Bereich positioniert sich Aurora als Technologielieferant, der nur das System für autonomes Fahren entwickelt. Die dafür notwendigen Sensoren kauft Aurora zu. Komplette Roboterautos will Aurora nicht selbst bauen oder designen. Seine Selbstfahr-Technologie will Aurora mehreren Autokonzernen zum Einbau in ihre Fahrzeuge anbieten. Dafür hat Aurora eine Reihe strategischer Partnerschaften mit Autobauern geschlossen, will aber nach eigenen Angaben unabhängig von ihnen bleiben. Ein Übernahmeangebot durch Volkswagen soll Aurora aus diesem Grund ausgeschlagen haben, berichtete Bloomberg vor einem halben Jahr.

"Wir werden am Ende mehr Kapital brauchen"

Bei seinen neuen Geldgebern war Aurora offenbar ziemlich wählerisch, wie Urmson gegenüber dem US-Technikportal TechCrunch erklärte. Den Wagniskapitalgeber Sequoia in einer so frühen Unternehmensphase an Bord zu haben sei ein "Siegel der Zustimmung", so Urmson. Bei der Auswahl von Investoren gehe sein Unternehmen strategisch vor. Man wolle Leute an Bord holen, die Auroras Vorstellung vom richtigen Unternehmensweg teilen. Diese sollten auch verstehen, wie schwierig die Aufgabe sei und wissen, dass "wir am Ende mehr Kapital brauchen werden".

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Mit Amazon hat Aurora nun nicht nur einen Investor mit reichlich tiefen Taschen gewonnen. Der Onlinehändler zählt zu den höchstbewerteten Konzernen der Welt. Zum anderen dürfte Aurora auch von Amazons Logistikfähigkeiten profitieren können.

Amazon hat seinerseits in den vergangenen Jahren seine Geschäftsfelder zunehmend über den Onlinehandel hinaus erweitert. Der Konzern bietet einen Streamingdienst an, für den es eigene Serien produziert, bietet Kunden die Speicherung von Daten in der Cloud an und übernahm 2017 die US-Biosupermarktkette Whole Foods.

Amazon selbst erklärte zu seiner neuesten Investition, der Konzern sei "begeistert" von den Möglichkeiten, welche die Zukunftstechnologie des autonomen Fahrens biete. Die Höhe seiner Investition bei Aurora bezifferte Amazon nicht.

Ein wenig vorgetastet in den Bereich hatte sich Amazon aber bereits. Bei dem Onlinehändler gibt es laut dem "Wall Street Journal" ein eigenes Team, das sich um Selbstfahr-Technologie kümmert. Im vergangenen Jahr hat Amazon auch eine Partnerschaft mit Toyota verkündet, die Möglichkeiten zur Essenszustellung in selbstfahrenden Fahrzeugen untersuchen sollte. US-Medienberichten zufolge setzt Amazon auch bereits selbstfahrende Lkw ein.

Die Beteiligung an Aurora könnte diese Aktivitäten aber auf ein neues Level heben - und dem Online-Händler langfristig einiges an Kosten sparen. Im vergangenen Jahr gab Amazon 27 Milliarden Dollar für die Warenzustellung aus. Roboterautos und -Lkws, die selbstständig Waren zustellen, könnten diese Kosten deutlich reduzieren.

mit Material von afp

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