Aufsichtsrat tagt am Donnerstag Tag der Entscheidungen bei VW

Nach langem Machtkampf dürfte VW-Chef Herbert Diess Rückendeckung vom Aufsichtsrat erhalten. Er wird jedoch Macht abgeben müssen. Der Aufsichtsrat trifft noch weitere, weit reichende Entscheidungen.
Bleibt wohl im Amt: VW-Chef Herbert Diess

Bleibt wohl im Amt: VW-Chef Herbert Diess

Foto: imago stock / imago images/rheinmainfoto

Es soll ein Tag der großen Entscheidungen werden, mit einem Themenspektrum und Erwartungsdruck wie lange nicht. Bei Volkswagen werden am morgigen Donnerstag (9.12.) zentrale Beschlüsse fallen - Verbleib von Vorstandschef Herbert Diess inklusive. Die Position des 63-Jährigen wackelt seit Wochen, doch zuletzt bahnte sich ein Kompromiss mit dem Arbeitnehmerlager an: Diess darf VW-Chef bleiben, seine Macht wird jedoch beschränkt. So soll der ehemalige VW-Markenchef Ralf Brandstätter in den VW-Vorstand aufrücken.

Auslöser für den Kulturkampf bei VW waren Sparvorschläge rund um eine turbulente Sitzung des Gremiums im September, die zuvor nicht mit dem einflussreichen Betriebsrat abgesprochen gewesen waren.

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Aber auch jenseits der Top-Personalie Diess mussten Manager und Kontrolleure des größten deutschen Unternehmens in etlichen Punkten nacharbeiten - etwa bei der Konkretisierung milliardenschwerer Investitionsvorhaben, der Werkbelegung sowie weiteren Besetzungen von Führungspositionen. So soll zum Beispiel Hauke Stars als IT-Vorständin berufen  werden, und Manfred Döss soll Hiltrud Werner als Vorstand für Recht und Compliance ablösen.

Ursprünglich wollte der Konzern die wesentlichen Fragen schon Mitte November geklärt haben, nun lief alles auf den 9. Dezember als Ersatztermin hinaus. Wobei auch hier bis zuletzt "alles im Fluss" sei, wie eine Quelle aus dem engeren Umfeld sagte.

Diess contra Cavallo: Vermittlungsausschuss soll die Wogen glätten

Diess will Volkswagen mit hohem Tempo weiter in die E-Mobilität und Digitalisierung führen. Aufseiten des Betriebsrats, der IG Metall und teils auch des Landes Niedersachsen riefen sein zuweilen ruppiger, provokanter Ton und seine manchmal auch als unberechenbar empfundene Kommunikation allerdings schon öfter Befremden hervor. Ein Vermittlungsausschuss des Aufsichtsrats traf sich mehrmals, um Lösungen zu suchen und zugleich die Wogen im Zoff zwischen Diess und der VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo glätten könnten. Bis zuletzt war unklar, ob ein Kompromiss steht.

Planungspaket "PR70" und die Milliarden-Investitionen für die kommenden Jahre

Inhaltlich geht es bei der alljährlichen Herbstrunde eigentlich um die Ausgaben für das weltweite Standortnetz. Damit einher geht die Verteilung von Modellen, Bauteilen und Entwicklungsbudgets - und natürlich die Auslastung der Werke mit möglichen Folgen für die Jobs.

Auf das inzwischen 70. Planungspaket ("PR70") von VW blickt die gesamte Autobranche in diesem Jahr besonders gespannt. Volkswagen hatte unter anderem bereits den Bau einer zusätzlichen Fabrik für das volldigitalisierte Elektrofahrzeug Trinity in der Nähe des Stammwerks Wolfsburg als Ziel ausgegeben. Die noch ausstehende Zustimmung des 20-köpfigen Aufsichtsrats dürfte hier nun eher als Formsache gelten.

Betriebsrat will weiteres Batteriezellwerk in Deutschland und ein E-Modell für Wolfsburg

Und es gibt weitere Themen, die intensiv diskutiert wurden. Dazu gehört die Frage, wohin genau weitere der zunächst sechs europäischen Batteriezellwerke kommen. Der Betriebsrat hatte zumindest ein weiteres Zellwerk in Deutschland gefordert. Umstritten ist ferner die Frage, ob und wann neben Trinity ein gesondertes Elektromodell in Wolfsburg angesiedelt werden kann. Zu hören war etwa von der Übernahme von Teilen der Produktion der ID-Reihe aus Sachsen, zumindest in Stoßzeiten mit hoher Nachfrage. Der VW-Stammsitz ist wegen der Lieferkrise bei Mikrochips derzeit nur schwach ausgelastet.

Diese Themen rückten angesichts der Kontroverse um den Stil und die Zukunft von Diess in den vergangenen Wochen aber beinahe ganz in den Hintergrund. Nachdem bereits in den Vorjahren Streit zwischen dem Konzernchef und dem langjährigen Betriebsratschef Bernd Osterloh über die Umsetzung von Sparprogrammen und den Arbeitsdruck an den Linien aufgeflammt war, griff Osterlohs Nachfolgerin Daniela Cavallo den Manager im Gefolge des September-Treffens der Aufseher scharf an.

Einstieg in die Formel 1?

Gedankenspiele, bei VW könnten in den kommenden Jahren bis zu 30 000 oder gar 35 000 Stellen überflüssig werden, nannte Cavallo "inhaltlichen Unfug". Diess solle sich lieber auf die Entwicklung einer soliden Strategie gegen den aktuellen Halbleitermangel und auf konkrete Zusagen für das Werk Wolfsburg konzentrieren, forderte sie. Der Vorstandschef hielt dagegen, man habe ihn mit Blick auf die kolportierten Zahlen missverstanden. Gleichzeitig betonte er, die Zentrale müsse sich strecken, um mit der Konkurrenz mithalten zu können. Neben der Causa Diess könnten zum Abschluss der Planungsrunde auch einige ergänzende Personalentscheidungen stehen.

Auch die Motorsportwelt könnte womöglich nach Wolfsburg blicken. Immer wieder gab es Spekulationen über einen Formel-1-Einstieg von VW  - in Vorgespräche über neue Techniken für teilelektrifizierte Motoren sollen Vertreter der Töchter Audi und Porsche nun zumindest eingebunden sein. Der Motorsport-Weltverband tagt am 15. Dezember, eine eventuelle Freigabe entsprechender Pläne käme also rechtzeitig.

la/dpa
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