Machtkampf bei VW Aufsichtsräte attackieren Piëch

Ferdinand Piëch sei als Aufsichtsratschef des VW-Konzerns nicht mehr tragbar, sagen Mitglieder des Kontrollgremiums SPIEGEL ONLINE. Er betreibe - entgegen seinem eigenen Beteuern - weiter die Ablösung des Vorstandsvorsitzenden Winterkorn.
Winterkorn, Piëch: Dementierte der Aufsichtsratschef seinen eigenen Putschversuch?

Winterkorn, Piëch: Dementierte der Aufsichtsratschef seinen eigenen Putschversuch?

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Der Volkswagen-Konzern kommt nicht zur Ruhe. Kritiker werfen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch nach Informationen von SPIEGEL ONLINE vor, er hintertreibe den Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums vom 17. April, indem er weiter versuche, den Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn abzusetzen. Das füge VW schweren Schaden zu.

In der Belegschaft und im Management herrsche seit Piëchs Attacke auf den VW-Chef ("Ich bin auf Distanz zu Winterkorn" ) Ratlosigkeit und Entsetzen, heißt es aus dem Konzern. Und gerade als die Kontrolleure glaubten, erst einmal für geordnete Verhältnisse gesorgt zu haben, habe Piëch erneut Feuer gelegt.

Das Aufsichtsratspräsidium hatte am 17. April erklärt, Martin Winterkorn sei der "bestmögliche" Konzernchef  und sein Vertrag solle im Februar 2016 noch einmal verlängert werden. Schon wenige Tage nach dieser Erklärung soll Piëch weiter an der Ablösung des VW-Chefs gearbeitet haben.

Porsche-Chef Müller: Möglicher Kandidat für den Chefposten

Porsche-Chef Müller: Möglicher Kandidat für den Chefposten

Foto: © Ralph Orlowski / Reuters/ REUTERS

So hat Piëch nach Informationen des SPIEGEL Anfang dieser Woche Porsche-Chef Matthias Müller gebeten, sich für einen Wechsel auf die Position des Vorstandsvorsitzenden bereitzuhalten. Das wäre ein klarer Verstoß gegen den Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums.

Das Präsidium stellt mit seinen sechs Personen den Kern des 20-köpfigen Aufsichtsrats von VW und bereitet dessen entscheidenden Weichenstellungen vor. Dem Präsidium gehören neben Piëch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Wolfgang Porsche, Ex-IG-Metall-Chef Berthold Huber, Betriebsratschef Bernd Osterloh und dessen Stellvertreter Stephan Wolf an.

Am Mittwoch dieser Woche hatten sich Vertreter der Familien Porsche und Piëch zu einer Aussprache getroffen. Nach dem Treffen meldeten die Nachrichtenagentur dpa und der NDR, Piëch habe bei den Familienmitgliedern ausloten wollen, ob man Winterkorn noch vor der Hauptversammlung des Konzerns am 5. Mai ablösen könne .

Piëch selbst dementierte dies mit den Worten "Ich betreibe seine Ablösung nicht" . Für Piëchs Kritiker ist diese Erklärung jetzt unglaubwürdig. Ferdinand Piëch sei als Aufsichtsratschef des VW-Konzerns nicht mehr tragbar, sagen mehrere Mitglieder des Kontrollgremiums.