Dienstag, 12. November 2019

Manipulierte Fahrzeuge Audi hinkt bei Diesel-Updates offenbar hinterher

Audi-Fahrzeuge in Ingolstadt (Archivaufnahme)
Armin Weigel/ DPA
Audi-Fahrzeuge in Ingolstadt (Archivaufnahme)

Erst vor einem Monat klagte die Staatsanwaltschaft München II den früheren Audi-Chef Rupert Stadler an. Und nicht nur die Aufarbeitung der Verantwortung für den Dieselskandal in dem Unternehmen zieht sich hin - auch bei der Beseitigung der Manipulationen kommt Audi offenbar nicht voran.

Für die meisten Diesel-Modelle hätten die Audi-Verantwortlichen noch nicht einmal alle notwendigen Behörden-Formulare eingereicht, berichten das "Handelsblatt" und der Bayerische Rundfunk unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen.

Dem Bericht zufolge heißt es in der Antwort, Audi habe "für die "Fahrzeugmodelle Audi A4, A5, Q7, A6 (3.0, 180 kw), A7 (3.0l, 180 kw), A8 (4.2l), A8L (4.2l), A8 (3.0l, 184 kw), sowie A8L (3.0l, 184 kw) ... noch keine vollständigen Antragsunterlagen vorgelegt". Deshalb könnten die notwendigen Software-Updates noch nicht freigegeben werden. Die Grünen hatten sowohl nach Fahrzeugen der Euro-6- als auch der Euro-5-Norm gefragt.

Fristen eineinhalb Jahre überschritten

Audi ist damit laut dem Bericht in erheblichem Verzug. Denn das Kraftfahrtbundesamt hatte Ende 2017 angeordnet, dass Audi Softwaremanipulationen aus seinen Diesel-Modellen zu entfernen habe, mit denen die Fahrzeuge auf dem Prüfstand sauber fuhren - auf der Straße aber die Abgas-Grenzwerte deutlich überschritten.

Die Flensburger Behörde hatte zugleich festgelegt, dass Audi in den meisten Fällen bis spätestens Februar 2018 ein Software-Update für die Umrüstung vorzulegen habe. Außerdem ordnete das Amt den Sofortvollzug an. Die genannten Fristen sind mittlerweile seit rund eineinhalb Jahren abgelaufen.

Audi teilte "Handelsblatt" und Bayerischem Rundfunk mit, bei den Euro-6-Modellen seien nach einer Freigabe des Kraftfahrtbundesamts fünf von insgesamt acht Bescheiden zu V6- und V8-TDI-Fahrzeugen "in der Umsetzung". Bei den EU-5-Fahrzeugen, bei denen man freiwillige Servicemaßnahmen anbiete, habe man für knapp 75 Prozent der Fahrzeuge Freigaben erhalten.

Für alle noch nicht umgerüsteten Fahrzeugmodelle könnte das Kraftfahrtbundesamt der europäischen Fahrzeuggenehmigungsverordnung zufolge die Typengenehmigung entziehen. Doch dieser Schritt steht bislang aus. Stephan Kühn, Sprecher für Verkehrspolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, sagte dazu "Handelsblatt" und Bayerischem Rundfunk: "Man muss den Eindruck gewinnen, dass der CSU-Verkehrsminister Scheuer über das in Bayern beheimatete Automobilunternehmen schützend seine Hand legt."

spon

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