Weitere illegale Abgas-Software? Minister Dobrindt prüft Vorwürfe gegen Audi

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt im April 2015 auf dem Fahrersitz sitzend eines "selbstfahrenden" Audi A7

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt im April 2015 auf dem Fahrersitz sitzend eines "selbstfahrenden" Audi A7

Foto: Peter Kneffel/ picture alliance / dpa
Fotostrecke

Schleudersitz Audi-Entwicklungschef: Audi - Absprung durch Technik

Foto: Audi Nsu Auto Union Ag/ picture-alliance/ dpa

In der Abgasaffäre bei Volkswagen will das Bundesverkehrsministerium neue Vorwürfe gegen die VW-Tochter Audi prüfen. Das Kraftfahrt-Bundesamt sei angewiesen worden, dem Sachverhalt nachzugehen, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag. Dem Ministerium selbst lägen keine Informationen über den Fall vor.

Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" hat die kalifornische Umweltbehörde Carb im Sommer dieses Jahres eine weitere Schummel-Software bei Audi entdeckt, die auch bei Fahrzeugen in Europa eingesetzt werde und CO2-Werte manipuliere. Dem Bericht zufolge können Audi-Modelle mit einem bestimmten Automatik-Getriebe erkennen, ob sie auf einem Rollenprüfstand sind oder auf der Straße fahren. Werde das Lenkrad nach dem Start nicht bewegt, aktiviere sich ein Schaltprogramm für das Getriebe, das besonders wenig CO2 produziere. Andernfalls laufe das Fahrzeug mit einem anderen Programm, das mehr Kraftstoff verbrauche und mehr CO2 ausstoße.

Verdacht brisant, schließlich bemisst sich Kfz-Steuer auch am CO2-Ausstoß

Das betroffene Getriebe verwende Audi bei Autos mit leistungsstarken Motoren und sei in mehreren 100.000 Fahrzeuge eingebaut worden, berichtete das Blatt weiter. Audi habe den Einsatz der Software in den Getrieben im Mai 2016 gestoppt, kurz bevor Carb die Manipulation in einem älteren Modell entdeckte. Die VW-Tochter habe in dem Fall bereits mehrere verantwortliche Techniker suspendiert.

Mäßige Figur: Audi-Chef Rupert Stadler im März 2016 neben dem Audi Q2.

Mäßige Figur: Audi-Chef Rupert Stadler im März 2016 neben dem Audi Q2.

Foto: AP

Der Verdacht ist brisant, denn die Kraftfahrzeugsteuer bemisst sich in Deutschland auch nach dem Kohlendioxidausstoß eines Fahrzeugs. Sollte hier geschummelt worden sein, könnten neue Verfahren auf Audi zukommen. Das Ingolstädter Unternehmen wollte sich nicht äußern.

Für Audi kommen die Untersuchungen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die VW-Tochter hatte vergangenes Jahr zugegeben, eine nach US-Recht als illegal geltende Software bei Sechszylinder-Diesel-Motoren mit drei Litern Hubraum eingebaut zu haben.

Noch vor wenigen Tagen hatte Bezirksrichter Charles Breyer erklärt, Audi habe bei den Verhandlungen mit den US-Behörden über eine Lösung für die 85.000 betroffenen Fahrzeuge wesentliche Fortschritte gemacht. Er sei optimistisch, dass bis Anfang Dezember eine Einigung erzielt werden könne. Audi hat in diesem Jahr schon 752 Millionen Euro zurückgelegt für die Reparaturen und den noch ausstehenden Vergleich.

Reuters, soc, rei
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.