Sonntag, 21. April 2019

Bänder in Ingolstadt stehen still Streik in Ungarn legt Audi-Werk lahm

Audi-Produktion in Ingolstadt

Nach tagelangem Streik im ungarischen Motorenwerk Györ kann Audi Börsen-Chart zeigen am Stammsitz in Ingolstadt zu Wochenbeginn keine Autos bauen. Am Montag und Dienstag stünden die Bänder komplett still, sagte ein Firmensprecher am Montag. Einige tausend Fahrzeuge könnten nicht produziert werden, weil die Motoren aus Györ fehlten.

Das Werk Neckarsulm ist den Angaben zufolge derzeit nicht betroffen; dort seien bis Mitte der Woche ausreichend Motoren vorhanden. Wie es weiter geht, hängt dem Sprecher zufolge von den Verhandlungen in Ungarn ab. Audi spiele verschiedene Szenarien durch. "Wir fahren auf Sicht."

Der Audi-Standort Györ ist das größte Motorenwerk im Konzernverbund und beliefert auch Volkswagen Börsen-Chart zeigen. Die Beschäftigten vor Ort waren am Donnerstag in einen einwöchigen Streik getreten. Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der Löhne um 18 Prozent und eine Angleichung an die Bezahlung in anderen Werken in Ost- und Mitteleuropa. Audi hatte zuletzt eine Erhöhung von zunächst 10 Prozent und weitere 10 Prozent im Januar 2020 angeboten.

Die Ingolstädter haben seit der Einweihung des Produktionsstandortes 1993 fast sechs Milliarden Euro investiert. 2017 liefen in Györ 105.000 Fahrzeuge und fast zwei Millionen Motoren vom Band. Zum 31. Dezember 2017 waren dort 12.307 Mitarbeiter beschäftigt.

Ausstand trifft Audi in einer kritischen Phase

Der Ausstand in Ungarn trifft den deutschen Autohersteller in einer kritischen Phase: Die Verkaufszahlen sind gesunken, weil das Unternehmen bei der Umstellung auf den WLTP-Abgasmess-Standard im Verzug ist und viele Modelle nicht liefern kann.

Der neue Audi-Chef Bram Schot will die Gewinne in den nächsten Jahren drastisch erhöhen. Mit Umsatzsteigerungen und Kostensenkungen solle das Betriebsergebnis von 2018 bis 2022 um insgesamt rund 15 Milliarden Euro wachsen, sagte ein Sprecher. Das wären fünf Milliarden mehr als im laufenden Transformationsplan von Schots Vorgänger Rupert Stadler angepeilt.

Finanzvorstand Alexander Seitz sagte dem manager magazin: "Wir müssen noch einmal optimieren." Ohne ein ordentliches Sparprogramm würde Audis Umsatzrendite in den kommenden Jahren gegen die Nulllinie laufen. Schot sagte: "Wir müssen schneller entscheiden und mehr riskieren."

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Die Vorstände wollen auch beim Personal sparen, indem sie frei werdende Stellen in Zukunft nicht mehr neu besetzen. Für die Beschäftigten in Deutschland gelte aber weiter eine Beschäftigungsgarantie bis 2025, betonte der Audi-Sprecher.

Allein die gemeinsame Elektroplattform mit der VW-Konzernschwester Porsche reduziere die Entwicklungskosten um 30 Prozent. Auch bei wenig rentablen Motor- und Ländervarianten lasse sich sparen. Auf der anderen Seite wolle Audi mit attraktiveren, renditestarken Modellen und digitalen Diensten mehr Geld verdienen.

Der Verkauf von Elektroautos soll schneller hochgefahren werden. Bisher plante Audi, im Jahr 2025 rund 800.000 E-Fahrzeuge und Plug-in-Hybride zu verkaufen. "Wir werden mehr machen", sagte Seitz.

Audi hatte 2017 ein Ergebnis von 5,1 Milliarden Euro vor Sondereinflüssen erwirtschaftet. Die Jahresbilanz 2018 und einen Ausblick will der Autobauer am 14. März in Ingolstadt vorlegen.

mg/rtr, dpa-afx

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