Samstag, 20. Juli 2019

Autobauer will Nachtschicht streichen Morgendämmerung bei Audi

Die Nachtschicht soll weg: Audi-Hauptquartier in Ingolstadt
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Die Nachtschicht soll weg: Audi-Hauptquartier in Ingolstadt

Verpasste Trends, fallender Profit, abgehängt beim Absatz - für den neuen Audi-Chef Bram Schot (57) ist die Marke mit den vier Ringen ein Sanierungsfall. Mit einem radikalen Programm will er den Premiumhersteller, der in vielen Bereichen hinter die Wettbewerber Mercedes und BMW zurückgefallen ist, aus der Krise steuern.

Das Management will auch sparen: 15 Milliarden Euro bis 2022 - und damit fünf Milliarden mehr als noch unter dem ehemals langjährigen Chef Rupert Stadler. Da gäbe es so einiges, ohne gleich Personal abzubauen. Auch wenn letzteres nicht völlig ausgeschlossen ist, versucht es Schott zunächst mal im Kleinen: Wie manager-magazin.de aus Unternehmenskreisen erfuhr, steht die Nachtschicht in Ingolstadt zur Disposition - wieder einmal.

Aber entschieden ist noch nichts. Und so einfach wird das angesichts starker Betriebsräte im Volkswagen-Konzern auch nicht. Schon Schots Vorgänger Stadler versuchte zweimal vergeblich, die für Arbeitnehmer lukrative Nachtschicht abzuschaffen.


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Noch unter den VW-Granden Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn eingeführt, sollte die Nachtschicht für höheren Output sorgen und Audi beim Absatz an den Premium-Wettbewerbern BMW und Mercedes vorbeiziehen lassen. Das gelang genau einmal - und zwar im Jahr 2013. Dann holte sich BMW die Premium-Krone zurück, bis Mercedes schließlich - nach Jahres des Nachsehens - die Kernmarke BMW beim Absatz im Jahr 2016 wieder überflügelte und die Führung auch nicht mehr abgab.

Produktion bei Audi in Ingolstadt (Bayern)

Im Gegensatz zu den Wettbewerbern musste Audi im vergangenen Jahr sogar einen Absatzeinbruch von 3,5 Prozent hinnehmen und auch im Januar ging der Absatz um weitere drei Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück. Grund genug also, die im Schnitt rund 30 Prozent besser vergüteten Nachtschichten einzustampfen und dafür die zwei Tagschichten besser auszulasten, um so den Output stabil zu halten.

Mit Betriebsratschef Peter Mosch ist das so schnell nicht zu machen. Jedenfalls nicht, so lange nicht auch die Managementstrukturen deutlich gestrafft würden und der neue Chef einen klaren Zukunftsplan vorlege, wie er gegenüber dem "Handelsblatt" erklärte. "Einseitiges Sparen zu Lasten der Beschäftigten" lehnte er im Gespräch mit der Zeitung aber entschieden ab.

Die "Augsburger Allgemeine" will erfahren haben, dass der Plan, die Nachtschicht beginnend mit März zu streichen, mittlerweile wieder zu den Akten gelegt worden sei. Ob es dabei bleibt, scheint angesichts der ausgeweiteten Sparziele aber eher zweifelhaft. Audi wollte die Pläne nicht kommentieren.

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