Dienstag, 2. Juni 2020

Marketingchef von E-Auto-Start-up Byton abgeworben Neuer Audi-Chef Duesmann formiert sein Krisen-Team

Der neue Audi-Chef Markus Duesmann ist seit 1. April 2020 im Amt
Rainer Häckl/ BMW AG/ DPA
Der neue Audi-Chef Markus Duesmann ist seit 1. April 2020 im Amt

Seinen Start als neuer Audi-Chef hatte sich Markus Duesmann wohl etwas schneller vorgestellt: Ganze 18 Monate benötigte der Manager, bis er aus seinem Vorstandsvertrag bei BMW herauskam und bei Audi anfangen konnte. Seit Mittwoch ist Duesmann nun offiziell im Amt. SeinVorgänger Bram Schot blieb auf seinen letzten Metern noch die undankbare Aufgabe, die Audi-Werke wegen der Corona-Krise vorübergehend stillzulegen.

Henrik Wenders zählte zum Gründerteam von Byton

Immerhin kann Duesmann aber gleich zum Start einen früheren Mitstreiter als neuen Audi-Markenchef präsentieren: Der 47-jährige Henrik Wenders dockt nun bei Audi als Senior Vice President der Marke Audi an. Der gebürtige Düsseldorfer startete seine Karriere als Werbekaufmann, von 2002 bis 2016 arbeitete er in Führungspositionen bei BMW und war dort unter anderem für die Vermarktung der Elektrosparte BMW i tätig.

Die vergangenen drei Jahre pendelte Wenders jedoch zwischen München und Shanghai: Er gehörte zum Gründungsteam des chinesischen Elektroauto-Start-ups Byton rund um Carsten Breitfeld, dem früheren Produktionsleiter des BMW-Elektrosportwagens i8. Bei Byton war Wenders Marketingchef undpositionierte die junge Marke in Richtung Lifestyle: Sein Ansatz war es, dass Byton-Besitzer in ihren Autos dank Elektronik-Helferlein mehr Zeit für sich haben sollten.

Wenders wollte Bytons Markteintritt unter anderem mit eigenen Innenstadt-Stores schaffen, die mehr Treffpunkt als Autohaus sein sollten. Byton verfolgte den Ansatz, seinen Fahrern mehr als "Smartphone auf Rädern" statt als Fahrfreude-Vehikel zur Verfügung zu stehen.

Für die junge Elektromarke Byton ist Wenders Weggang ein weiterer Abgang im Topmanagement: Gründungs-CEO Breitfeld suchte schon vor gut einem Jahr das Weite , zudem wechselte ein wichtiger Antriebsentwickler zu Continental. Dass Wenders ebenfalls vor dem Absprung stand, berichtete manager magazin bereits Ende Mai 2019. Byton versichert allerdings, dass das Start-up trotz der Unruhe im Topmanagement voll im Plan liege, was Produktion und Markteintritt betrifft.

Nach der Coronakrise bleibt Audi - die Krise

Bei Audi dürfte Wenders nun ebenfalls gut zu tun haben: Die einstige Gewinnmaschine gilt im VW-Markenreich als Krisenherd. Zuletzt sanken die Verkaufszahlen, das Elektro-Modell Audi E-Tron verkauft sich bestenfalls mäßig, die Zukunftsaussichten waren schon vor der Coronakrise eher mau.

Gut möglich, dass Wenders der Vier-Ringe-Marke nun ein stärker Lifestyle-orientiertes Markenversprechen verschaffen soll. Denn der jahrzehntelange Audi-Anspruch "Vorsprung durch Technik" gilt schon länger nur mehr bedingt. Der Premium-Autobauer müht sich seit langem darum, überzeugende Antworten für das Zeitalter des autonomen Fahrens und der Elektromobilität zu finden.

Duesmann musste an seinem ersten Arbeitstag erstmal motivierende Worte für die aktuelle Lage finden. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dankte er in seiner ersten Mail erstmal den Audi-Mitarbeitern für das Anpacken und Helfen "in dieser außergewöhnlichen Zeit". "Ich bin überzeugt, es wird für Audianer auch nach der Krise weitergehen", so Duesmann.

Sein Team für die Krisenbewältigung nach der Coronakrise sammelte Duesmann aber schon in den vergangenen Monaten zusammen: So holte Audi etwa Mitte vergangenen Jahres die ehemalige BMW-Markenchefin Hildegard Wortmann als Vertriebs- und Markenvorstand an Bord.

Frühere Karrierestationen bei dem bayerischen Audi-Konkurrenten sind im Volkswagen-Konzern aktuell sicherlich nicht von Nachteil. Schließlich kommt ja auch Konzernchef Herbert Diess von dort.

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