Ziel für 2021 Mehr als die Hälfte der neuen Audi-Modelle sollen elektrifiziert sein

Audi setzt voll auf elektrifizierte Autos. Doch die Verbrenner mit ihren noch höheren Margen müssen die Umstellung finanzieren. Wann Schluss ist mit Benzin- und Dieselmotoren, will der Vorstand im Sommer entscheiden.
Meistverkauftes Elektroauto unter deutschen Premiumherstellern: Der Audi E-Tron

Meistverkauftes Elektroauto unter deutschen Premiumherstellern: Der Audi E-Tron

Foto: THOMAS PETER / REUTERS

Die Volkswagen-Tochter Audi erwartet nach dem Rückgang bei Umsatz und Gewinn im Corona-Jahr für 2021 wieder anziehende Geschäfte. Sowohl bei den Auslieferungen als auch bei den Umsatzerlösen rechnen die Ingolstädter mit einer deutlichen Steigerung. "Unser Ziel ist es, im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu wachsen", sagte Finanzchef Arno Antlitz (50) am Donnerstag bei der Vorlage der Jahresbilanz. So soll die operative Umsatzrendite auf 7 bis 9 Prozent zulegen, nachdem sie 2020 noch auf 5,5 Prozent gesunken war.

Antlitz wies darauf hin, dass die Margen bei Elektroautos noch niedriger als die bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor seien. Er sei aber zuversichtlich, dass sich die Margen in den kommenden zwei bis drei Jahren annäherten, wenn die Elektromobilität in Schwung komme und die Batteriekosten sich verbesserten. Bis dahin finanzierten die Verbrenner die Umstellung, so Antlitz.

Einen Strich durch die Rechnung könnten allerdings noch die Corona-Krise sowie die Versorgung mit Halbleitern machen. Vorstandschef Markus Duesmann (52), der seit einem Jahr an der Spitze des Unternehmens steht und seine erste Jahresbilanz vorlegte, sagte, die Lieferketten seien an mehreren Stellen gerissen. "Die Effekte sind durch Umplanungen deutlich zu spüren." Im laufenden Quartal würden deshalb gut 10.000 Autos weniger gebaut. Er erwarte aber, dass Audi im Jahresverlauf die verlorenen Stückzahlen wieder aufholen werde.

Dazu beitragen soll vor allem der Wandel in Richtung Elektromobilität. Dafür erhöht die Marke mit den vier Ringen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Das Ziel dafür werde um einen Prozentpunkt auf 6 bis 7 Prozent des Umsatzes erhöht, hieß es weiter. Die Ausgaben für Sachinvestitionen würden zugleich auf 4 bis 5 Prozent reduziert. In diesem Jahr sollen zudem mehr als die Hälfte der neu eingeführten Modelle elektrifiziert sein.

Rekord-Auslieferungen im vierten Quartal

Bis zum Sommer will Audi entscheiden, wie lange das Unternehmen noch Autos mit Benzin und Dieselmotoren baut. Die Strategie werde gerade überarbeitet, sagte Duesmann. Verbrenner dürften weltweit zwar noch lange eine Rolle spielen. "Wie lange sie bei Audi eine Rolle spielen, schauen wir uns an."

Duesmann hatte bereits angekündigt, dass Audi keine neuen Verbrenner mehr entwickeln werde. Der Vorstandschef warnte zugleich vor überzogenen CO2-Grenzwerten in der EU: Der Nutzen für das Klima wäre sehr klein, der technische Aufwand aber sehr groß, "und das Geld fehlt uns dann bei der Entwicklung von batterieelektrischen Fahrzeugen", sagte der Audi-Chef. "Die Verbrenner finanzieren die Transformation."

Im vergangenen Jahr ist der Umsatz von Audi um gut 10 Prozent auf knapp 50 Milliarden Euro gesunken, der Betriebsgewinn brach um zwei Fünftel auf 2,7 Milliarden Euro ein. Der wochenlange Stillstand zu Beginn der Pandemie bremste die Ingolstädter dabei aus; in der zweiten Jahreshälfte hätten sich die Märkte dagegen wieder stabilisiert, sagte Duesmann.

Vor allem in China lief das Geschäft gut, hier konnte Audi im vergangenen Jahr rund 700.000 der insgesamt 1,7 Millionen verkauften Autos absetzen. Die meisten Auslieferungen verzeichneten die Ingolstädter im vierten Quartal: Mit rund 500.000 verkauften Fahrzeugen war es das erfolgreichste Quartal in der Unternehmensgeschichte.

Gekürzte Erfolgsbeteiligung und Corona-Bonus

Im vergangenen Juli hat Audi 1300 Mitarbeiter in den Vorruhestand geschickt, bis zum Jahresende sank die Zahl der Beschäftigten in Deutschland von 60.100 auf 58.400. Der noch bis 2025 laufende Abbau von weltweit 9500 Stellen liege im Plan, sagte Personalchefin Hildegard Wortmann. Für die Audi-Mitarbeiter im Inland gibt es eine gekürzte Erfolgsbeteiligung und einen Corona-Bonus, für einen Facharbeiter zusammen 2300 Euro. Im Stammwerk Ingolstadt soll nächstes Jahr erstmals ein E-Auto produziert werden, der SUV Q6 e-tron. Das erste Audi-Elektroauto im Kompaktsegment, ein Q4 e-tron, soll in wenigen Wochen im VW-Werk Zwickau in Sachsen vom Band laufen.

mg, rei/Reuters, dpa-afx
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