Freitag, 29. Mai 2020

Kurzarbeit im Werk Brüssel Erneut Probleme bei Produktion des Audi e-tron

Audi e-Tron: So sieht das neue Elektroauto aus
Audi

Eigentlich will Audi mit seinem Elektro-SUV e-tron dem Marktführer Tesla ordentlich Paroli bieten. Doch vom Status eines möglichen Tesla-Jägers ist das Auto wohl noch weit entfernt. Im April letzten Jahres hatte Audi mit der Auslieferung endlich begonnen, musste wenige Monate später weltweit rund 7000 und damit sämtliche ausgelieferten Modelle wegen möglicher Brandgefahr durch die Batterie zurückrufen - ein echter Fehlstart.

In seiner Brandrede an hunderte Führungskräfte hatte VW-Konzernchef Herbert Diess vergangene Woche noch erklärt, dass der e-tron nun "erfolgreich gestartet" sei, schwieg sich über Details aber aus.

Weniger optimistisch klingt dagegen die Nachricht, dass Audi in seiner E-Auto-Fabrik in Brüssel Kurzarbeit angekündigt hat. Zudem würden die Verträge von 145 Zeitarbeitnehmern nicht verlängert, 250 weitere stünden auf der Kippe, berichtet das Fachmagazin "ecomento" online unter Berufung auf die belgische Nachrichtenagentur Belga.

Produktionsabläufe in Brüssel zu komplex und daher anfällig?

Es gebe Probleme mit Zulieferern, es fehlten Komponenten für den Einbau der Batterien des Elektro-SUV. Bei rund 300 an der Produktion des e-tron und e-tron Sportback beteiligten Zulieferern gestalten sich die Produktionsabläufe offenbar komplex und anfällig. Das führe manchmal zu "unerwarteten Situationen", wird ein Werkssprecher zitiert.

Der e-tron ist Audis erstes Elektroauto und wird seit Herbst 2018 in Brüssel gebaut. Der eigentliche Marktstart und die Auslieferung verzögerten sich aufgrund von Produktionsproblemen aber erheblich. Der Start der flacher gestalteten Sportback-Version, die auch in Brüssel vom Band laufen soll, musste sogar auf das Jahr 2020 verschoben werden.


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Der e-tron soll etwas mehr als 400 Kilometer fahren können und kostet rund 81.000 Euro. Eine kleinere Version mit rund 330 Kilometer Reichweite ist ab rund 70.000 Euro zu haben. Über den Absatz des möglichen Tesla-Jägers hat Audi bislang nicht gesondert berichtet.

Laut Statistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 3578 Audi e-tron neu zugelassen. Beim Wettbewerber Tesla waren es mit 10.711 über alle Modelle hinweg fast dreimal soviel Elektroautos, wobei das Model 3 mit mehr als 9000 den Löwenanteil der Tesla-Neuzulassungen in Deutschland stellte.

Audi hatte seinen Absatz im vergangenen Jahr dank eines starken Dezember (plus 14 Prozent) noch um 1,8 Prozent auf 1,846 Millionen Pkw steigern können, blieb damit aber deutlich hinter Mercedes. Vor allem mit großen SUV-Modellen hätte Audi punkten können, deren Absatz sich um fast die Hälfte gegenüber dem sehr schwachen Vorjahr gesteigert habe, hieß es lediglich.

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