Samstag, 7. Dezember 2019

Internes Dokument Audi fürchtete schon 2013 aufzufliegen

Dieselmotoren von Audi, die sowohl in VW- als auch in Porsche-Modellen verbaut wurden, waren mit einer Manipulationssoftware ausgestattet

Audi-Motorenentwickler sollen bereits 2013 auf die illegale Praxis der Abgasmanipulation bei Dieselmotoren hingewiesen haben. In dem internen Papier hätten sie gefordert, die Software so schnell wie möglich wieder umzustellen. Ob das Dokument die Vorstände von Audi und Volkswagen erreichte, ist nach einem Zeitungsbericht aber unklar.

Fachleute der Volkswagen-Tochter Audi sollen intern schon frühzeitig auf gravierende Folgen von Abgasmanipulationen in den USA hingewiesen haben. Die Mitarbeiter aus der Motorenentwicklung hätten im Oktober 2013 vor der "Aufdeckung" der betreffenden Software bei Dieselautos durch die US-Behörden und empfindlichen Strafen gewarnt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (Freitag) unter Berufung auf Audi-interne Dokumente.

Die Technikexperten hätten vorgeschlagen, die Software so schnell wie möglich umzustellen, so die Zeitung. Ein entsprechendes 11-seitiges Dokument mit dem Titel "Risikoeinschätzung" sei von Audi auch an die Konzernmutter Volkswagen weitergereicht worden. Audi und VW äußerten sich dem Blatt gegenüber nicht zu dem Papier.

Laut "SZ" beschrieben die Motorenentwickler in dem Papier eine in den USA verbotene Software, mit der die Abgasreinigung auf der Straße weitgehend abgeschaltet wurde. Beim kalifornischen Umweltamt CARB eingereichte Unterlagen seien "falsch oder nicht vollständig". Bei der US-Umweltbehörde EPA würden "im Extremfall die Emissionsanforderungen" nicht erfüllt.

Die Techniker hätten in dem Papier zugleich die drohenden Folgen eingedenk eines Rufschadens drastisch beschrieben. In anderen bekannt gewordenen Fällen sei die "negative Publicity" ausgesprochen hoch gewesen. Der "Gesichtsverlust" bei der Behörde sei nachhaltig.

Ob Vorstände die Warnungen der Techniker erreichten, ist unklar

Gleichzeitig aber gingen die Techniker wohl davon aus, dass die Autokäufer selbst die Manipulationen nicht bemerken würden. "Eine direkte Auffälligkeit vor Kunden ist eher gering", zitiert die Zeitung aus dem Dokument. Behörden könnten dies aber entdecken und eine Nachrüstung der Fahrzeuge anordnen. Im schlimmsten Falle drohe ein Widerruf der Zulassung, warnten die Entwickler angeblich.

Dem Bericht zufolge gebe es bislang keine Hinweise darauf, dass die Vorstände von Audi oder VW damals das Papier bekommen hatten. Der VW-Aufsichtsrat lässt seit Langem prüfen, ob damalige Vorstandsmitglieder gegen ihre Pflichten verstoßen haben und Schadenersatz zahlen müssen.

Volkswagen hat bisher für die 2015 aufgedeckte Dieselaffäre in Nordamerika rund 22,6 Milliarden Euro an Kosten verbucht. Unter den in den USA beanstandeten Motoren waren auch Zehntausende von Audi gebaute 3-Liter-Aggregate, die auch in Porsche-Fahrzeugen zum Einsatz kamen.

Am Donnerstag hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt einen Pflichtrückruf für den Porsche Cayenne 3 Liter TDI angeordnet. Porsche habe in diesen Fahrzeugen eine illegale Abgassoftware in einem Diesel-Fahrzeug eingesetzt. Der Rückruf gelte für europaweit 22.000 Fahrzeuge, davon 7500 in Deutschland. Außerdem erließ der Minister ein Zulassungsverbot für diese Geländewagen, bis eine andere Software zur Verfügung stehe. Porsche verwendet für die Diesel-Variante des Cayenne Motoren der anderen VW-Tochter Audi.

rei mit dpa-afx

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