Interims-CEO Bram Schot erhält Dauervertrag Audi hat wieder einen regulären Chef

Bram Schot hat nun einen regulären Vertrag als Audi-Chef bis 2021

Bram Schot hat nun einen regulären Vertrag als Audi-Chef bis 2021

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Vor sechs Monaten sprang Bram Schot bei Audi als Interimschef für den verhafteten Rupert Stadler ein. Aus der Zwischen- wird nun eine Dauerlösung: Der 57-jährige Niederländer hat einen langfristigen Vertrag als Audi-Chef erhalten und rückt gleichzeitig auch in den VW-Konzernvorstand auf.

Dies hat der Aufsichtsrat von VW in einer außerordentlichen Sitzung beschlossen, wie manager magazin aus Konzernkreisen erfuhr. Audi hat die Ernennung von Schot zum Audi-Chef und VW-Konzernvorstandsmitglied mittlerweile bestätigt. Im VW-Konzernvorstand übernimmt Schot auch die Verantwortung für den Konzernvertrieb. Beide Aufgaben hatte auch Stadler inne, bevor sich VW von ihm trennte.

Schot werde seine neuen Posten am 1. Januar 2019 antreten, teilte die VW-Tochter mit. Bei Audi führt Schot sein bisheriges Vorstandsressort für Vertrieb und Marketing kommissarisch weiter. "Als kommissarischer Vorstandschef hat Bram Schot in den vergangenen Monaten bereits überzeugende Arbeit geleistet", sagte VW-Konzernchef Herbert Diess. "Er treibt den Kulturwandel in seiner Mannschaft voran und stellt sich den aktuellen Herausforderungen mit Bravour."

Audi-Betriebsratschef Peter Mosch sagte, Schot habe "bereits gezeigt, dass er unserem geforderten und eingeleiteten Neustart viel Schwung verleihen kann." Zugleich forderte der Audi- und VW-Aufsichtsrat Mosch: "Diesen Weg muss er nun weiter verfolgen und Audi zurück an die Spitze führen. Das erwartet die Belegschaft." Die Belegschaft fordere "klare Verhältnisse auf allen Ebenen" und sehe Schots Berufung auch in den VW-Vorstand als Schritt in Richtung einer zukunftsorientierten Ausrichtung.

Die Dauer von Schots Vertrag als Vorstandsvorsitzender gaben die Ingolstädter nicht bekannt. Üblicherweise erhalten Vorstandsmitglieder dreijährige Verträge.

Ernennung im zweiten Anlauf

Schots Ernennung zeichnete sich längerem ab. Bereits Ende November wollte das Audi-Kontrollgremium Schot zum fixen Audi-Chef ernennen. Allerdings waren damals noch Formalia ungeklärt, hieß es damals aus Konzernkreisen. Dabei ging es dem Vernehmen nach insbesondere um Schots Einzug in den neunköpfigen Volkswagen-Konzernvorstand, für den auch ein Beschluss des Volkswagen-Konzernaufsichtsrats erforderlich war.

Seine Ambitionen auf einen längerfristigen Verbleib an der Audi-Spitze machte Schot Mitte Oktober öffentlich - im seinem bislang einzigen ausführlichen Interview als Audi-Chef mit manager magazin.


Mehr dazu: "Wir können auch stolz sein": Audi-Chef Bram Schot zu seinem Führungsstil


Schots Schachzug war taktisch klug gespielt. Denn der ursprünglich für den Audi-Chefposten vorgesehene Ex-BMW-Einkaufschef Markus Duesmann hatte sich selbst aus dem Rennen geworfen: Weil sein Ex-Arbeitgeber auf die Erfüllung seiner Verträge beharrt, könnte Duesmann erst Ende 2020 bei den Ingolstädtern antreten.

Schots ungewöhnlich schneller Weg an die Audi-Spitze

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Chronologie: Rupert Stadler und der Dieselskandal

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Weitere zwei Jahre mit einer Zwischenlösung zu überbrücken - das konnte die Führungsriege der Konzernmutter VW ihrer Premiumtochter Audi nicht zumuten. Deshalb ermöglichten sie dem 57-jährigen gebürtigen Niederländer Schot einen eher ungewöhnlichen Aufstieg: Rupert Stadler hatte Schot erst im September 2017 als Vertriebsvorstand zu Audi geholt, weil er im Zuge der Dieselaffäre neue Gesichter in der Audi-Führung brauchte. Davor hatte Schot den Vertrieb von VWs Nutzfahrzeugsparte geleitet - und war damit in einer Welt zu Hause, die doch eher weit entfernt ist vom Luxusambiente der Vier-Ringe Marke.

Geboren wurde Schot in Rotterdam, in Großbritannien studierte er Betriebswirtschaft und arbeitete zunächst bei der ABN-Amro-Bank. Seine Karriere in der Automobilbranche startete er bei Daimler, wo er Führungspositionen in den Niederlanden und in Italien innehatte. Zum Volkswagen-Konzern stieß der Marketingspezialist im Jahr 2011.

Nach der Verhaftung von Rupert Stadler im Juni 2018 wegen Verdunklungsgefahr benötigten die VW-Granden schnell einen kommissarischen Leiter an der Audi-Spitze. Schot machte das Rennen gegen Audi-Finanzvorstand Alexander Seitz, weil sich die Betriebsräte für den Niederländer aussprachen.

Schot hat die Rückendeckung der Betriebsräte

Im persönlichen Gespräch wirkt der studierte Betriebswirt lockerer als sein oft etwas hölzern auftretender Vorgänger Stadler - ohne Umschweife bietet er das Du-Wort an. Er sei ziemlich direkt, pragmatisch und leicht ansprechbar, sagt Schot über sich selbst.

In der Belegschaft habe er großen Rückhalt, heißt es in Unternehmenkreisen. Schot selbst erklärte gegenüber manager-magazin.de, dass er mit den Arbeitnehmervertretern nicht immer einfache, aber konstruktive Diskussionen habe.

Solche Gespräche dürfte Schot in den vergangenen Monaten häufiger geführt haben, denn schon als Interimschef musste er vom Start weg weitreichende Entscheidungen vorbereiten. Audi muss jetzt die Weichen für milliardenschwere Investitionen in Zukunftstechnologien stellen und entscheiden, welche Autos in den nächsten fünf Jahren wo gebaut werden.

Nach wie vor hadert Audi mit den Nachwehen der Dieselkrise. Das Unternehmen müsse alles tun, um die Dieselkrise hinter sich zu bringen, schärfte Schot seinen Beschäftigten in einem Rundschreiben ein. Die späte Umstellung auf den neuen Abgasstandard WLTP, die zu größeren Lieferausfällen führte und Audis Absatz in Europa einbrechen ließ, soll Schot dem Vernehmen zielstrebig abgearbeitet haben.

Mit Audis geplanter Elektroauto-Offensive dürfte Schot aber in Zukunft noch einiges an Arbeit bevorstehen. Der Elektro-SUV e-tron quattro wird zwar bereits in Brüssel in Serie gebaut, ein neues sportlicheres Modell hat Audi vor kurzem in Los Angeles vorgestellt. Allerdings soll die Zusammenarbeit mit Porsche für neue E-Modelle nicht gerade reibungslos laufen.

Ursprünglich wollten die VW-Granden einen Techniker als Nachfolger von Stadler installieren, mit Schot haben sie nun erneut einen Betriebswirt an der Spitze. Der hemdsärmelig auftretende neue Audi-Chef muss seinen Entwicklern bald zeigen, dass er auch Vorstellungen für die technische Zukunft von Audi bieten kann. Denn in den vergangenen Jahren spielte die Marke, die mit "Vorsprung durch Technik" wirbt, da nicht gerade an vorderster Front mit.

Auch die Dieselkrise hat Audi längst noch nicht hinter sich gelassen. Derzeit kämpfen die Ingolstädter mit vom KBA angeordneten Rückrufen, bei Software-Updates sind sie ebenfalls im Verzug. Schot hat also die kommenden Monate gut zu tun.

mit Material von dpa/Reuters