Zur Saison 2026 Audi steigt mit Sauber in die Formel 1 ein

Autobauer Audi kauft sich bei Sauber ein, um 2026 gemeinsam mit einem Werksteam in der Formel 1 an den Start zu gehen. Der Schweizer Rennstall ist zurzeit unter dem Namen Alfa Romeo in der Formel 1 unterwegs. Ein Deal zwischen Audi und McLaren war zuvor geplatzt.
Zweite Wahl: Audi-Technikvorstand Oliver Hoffmann und Audi-Chef Markus Duesmann wollten eigentlich mit McLaren antreten

Zweite Wahl: Audi-Technikvorstand Oliver Hoffmann und Audi-Chef Markus Duesmann wollten eigentlich mit McLaren antreten

Foto: Hasan Bratic / dpa

Der Ingolstädter Autobauer Audi wird in der Formel 1 ab 2026 als Werksteam antreten und dabei mit dem Schweizer Rennstall Sauber zusammenarbeiten. Die Volkswagen-Tochter verkündete am Mittwoch offiziell ihre Partnerwahl und will künftig vom Knowhow des Traditionsteams profitieren. Audi übernimmt einen Anteil an der Sauber Group. Wie hoch dieser ausfallen soll, wurde noch nicht bekannt gegeben. Zuletzt war von einer Mehrheitsbeteiligung die Rede. Laut Branchenkreisen dürfte der Einstieg in die Formel 1 rund eine Milliarde Euro kosten.

Wunschlösung von Audi-Chef Markus Duesmann (53) wäre eigentlich eine Partnerschaft mit dem britischen Traditionsrennstall McLaren gewesen, wie das manager magazin bereits im Mai berichtete . Über Monate hatte Duesmann die Anteilseigner rund um den bahrainischen Staatsfonds Mumtalakat umgarnt. Doch die Eigner ließen die Deutschen abblitzen.

Als "Meilenstein" bezeichnete Audi jetzt die strategische Partnerschaft mit Sauber. "Wir freuen uns, für unser ambitioniertes Formel-1-Projekt einen derart erfahrenen und kompetenten Partner gewonnen zu haben", erklärte Audi-Technikvorstand Oliver Hoffmann (45). "Wir kennen die Sauber Group mit ihrem hochmodernen Standort und erfahrenen Team schon von früheren Kooperationen und sind überzeugt, dass wir gemeinsam ein starkes Team bilden werden." Audi nutzte bereits den Hightech-Windkanal von Sauber.

Antrieb von Audi und Wagen von Sauber

Wie einst bei der Zusammenarbeit zwischen BMW und Sauber in der Formel 1 wird es auch diesmal ein Jobsharing geben. So wird die Antriebseinheit von Audi in Neuburg an der Donau entwickelt, der Wagen wird von Sauber am Stammsitz in Hinwil gefertigt. Die Schweizer, die in der Formel-1-Konstrukteurswertung vor dem Grand Prix in Mexiko aktuell Sechster sind, werden auch für die Planung und Durchführung der Renneinsätze zuständig sein.

"Sauber ist ein erstklassiger Partner für den Einsatz der Audi Power Unit", sagte der Leiter des Formel-1-Projekts von Audi, Adam Baker (48). "Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Team, das schon viele Epochen der Formel-1-Geschichte mitgeprägt hat. Gemeinsam wollen wir ab 2026 das nächste Kapitel schreiben." Erste Fahrten in einem Formel-1-Testwagen mit der für das künftige Königsklassen-Reglement entwickelten Antriebseinheit sind für 2025 geplant.

Verbrenner dürfen ab 2026 nur Hälfte der Leistung beitragen

Audi hatte bereits Ende August in Spa-Francorchamps seinen Formel-1-Einstieg ab 2026 verkündet . Schon damals galt Sauber als aussichtsreichster Kandidat für den deutschen Autobauer. Ab 2026 gilt in der Formel 1 ein neues Motorenreglement. Die Hybrid-Motoren sollen mit 100 Prozent nachhaltigem Kraftstoff betrieben werden. Der Verbrenner im Aggregat soll nur noch 50 Prozent der Leistung beitragen, der Rest ist elektrisch. Das passt zur künftigen Ausrichtung der Autobranche.

Sauber selbst ist ein Traditionsteam. Der Rennstall des Firmengründers Peter Sauber gab 1993 sein Debüt in der Motorsport-Königsklasse. Die Verbindung zu Audi lässt sich durch das Formel-1-Intermezzo von BMW mit Sauber zu Beginn des Jahrtausends nachzeichnen. Damals war der aktuelle Audi-Boss Duesmann Entwicklungschef.

BMW nach vier Jahren aus Formel 1 ausgestiegen

Als sich die erhofften Erfolge trotz riesiger Investitionen nicht einstellten, stieg BMW 2009 nach nur vier Jahren wieder aus der Rennserie aus. Seit 2018 kämpft Sauber unter dem Marketingnamen Alfa Romeo um Punkte, die Partnerschaft endet Ende 2023. Seine Motoren bezog der Rennstall der beiden Piloten Valtteri Bottas und Zhou Guanyu aber von Ferrari. So soll es auch 2024 und 2025 sein, wie Sauber seinerseits am Mittwoch mitteilte.

Erst Ende vergangenen Jahres scheiterte ein Deal mit dem US-Rennfahrerclan Andretti. Michael (60), Sohn des früheren Formel-1-Weltmeisters Mario Andretti (82), wollte bei Sauber einsteigen. Dem Vernehmen nach waren die Forderungen von Team-Besitzer Finn Rausing (67) aber zu hoch. Der schwedische Tetrapak-Mitbesitzer soll unter anderem Wert auf den Fortbestand der Sauber-Gruppe in Hinwil gelegt haben.

"Audi ist der beste Partner für die Sauber Group", sagte nun Rausing, der Vorstand der Sauber Holding. "Es ist deutlich, dass beide Unternehmen dieselben Werte und dieselbe Vision haben. Wir freuen uns darauf, die gemeinsamen Ziele mit einer starken und erfolgreichen Partnerschaft zu erreichen."

Auch die Schwestergesellschaft Porsche hatte mit einem Formel-1-Engagement geliebäugelt. Die Verhandlungen mit dem Red-Bull-Rennstall des kürzlich verstorbenen Unternehmers Dietrich Mateschitz waren jedoch geplatzt. Laut FIA spricht der Stuttgarter Sportwagenbauer aber weiterhin mit Rennställen. Medienberichten zufolge könnte Porsche stattdessen bei Williams einsteigen.

dri/dpa-afx, Reuters
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