Palmer gefeuert, Aktie steigt Mercedes-AMG-Manager wird neuer Aston-Martin-Chef

Tobias Moers: Der neue Aston-Martin-Chef hat den Mercedes-Haustuner AMG in eine unabhängige High-Performance-Marke verwandelt

Tobias Moers: Der neue Aston-Martin-Chef hat den Mercedes-Haustuner AMG in eine unabhängige High-Performance-Marke verwandelt

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Der kriselnde britische Luxusautobauer Aston Martin Lagonda hat wie erwartet den Mercedes-Manager Tobias Moers zum neuen Vorstandschef berufen. Moers soll den Konzern ab dem ersten August übernehmen, der bisherige Amtsinhaber Andy Palmer scheidet sofort aus dem Unternehmen aus, teilte Aston Martin am Dienstag in Gaydon mit.

Eine neue Führung müsse jetzt die Pläne von Aston Martin in die Tat umsetzen, erklärte Verwaltungsratschef Lawrence Stroll dazu. Moers habe eine Erfolgsbilanz vorzuweisen bei der Umsetzung eines Unternehmensumbaus unter hohem Wettbewerbsdruck. So habe er die Effizienz in der Fertigung von AMG und damit auch die Profitabilität gesteigert.

Aston Martin fuhr schon vor der Covid-19-Pandemie Verluste ein und leidet unter hohen Kosten und schwachen Verkäufen. Die "Financial Times " hatte bereits am Sonntagabend über den bevorstehenden Schritt an der Spitze berichtet.

Moers hat AMG zur High-Performance Marke entwickelt

Der 54-Jährige Moers leitet AMG seit Oktober 2013. Unter seiner Führung entwickelte sich AMG vom reinen Mercedes-Haustuner in Richtung einer von der Konzernmutter unabhängigeren High-Performance Marke. Moers verantwortete etwa den GT, ein von AMG eigenständig entwickelter Gran-Turismo-Sportwagen, der seit 2018 auch in viertüriger Variante verkauft wird. AMG erzielte 2019 einen Rekordabsatz von mehr als 132.000 Fahrzeugen.

Weggefährten beschreiben Moers als Vollblut-Autoentwickler, der neue Wagen auch häufig selbst probefährt und abstimmt. Das dürfte bei der britischen Sportwagenmarke Aston Martin, die schon seit langem mit Problemen kämpft, sicherlich nicht schaden.

Palmer war seit 2014 bei Aston Martin und schaffte es anfangs, das Geschäft des maroden Autobauerswiederzubeleben. Seit dem Börsengang 2018 geht es jedoch wieder abwärts. Sinkende Verkaufszahlen und hohe Investitionen in den neuen Geländewagen DBX sorgten dafür, dass im abgelaufenen Jahr ein Verlust vor Steuern von 104 Millionen Pfund (umgerechnet rund 123 Millionen Euro) zu Buche stand. Im Jahr zuvor hatte der mit Ferrari und Porsche  konkurrierende britische Hersteller einen Vorsteuerverlust von 68 Millionen Pfund ausgewiesen.

Aktie legt um ein Drittel zu

Der britische Autohersteller braucht somit dringend Geld. Im Januar hatte der Hersteller des legendären James-Bond-Autos eine Finanzspritze in Höhe von 540 Millionen Pfund von einem Konsortium um den kanadischen Formel-1-Milliardär Stroll erhalten, der nun auch dem Verwaltungsrat vorsteht. Im Februar besorgte sich das Unternehmen dann über eine Kapitalerhöhung zusätzliches Geld. Im Aprilstieg dann auch der Schweizer Milliardär Ernesto Bertarelli mit 3,4 Prozent ein.

Die Corona-Krise hat die Probleme des Unternehmens nun aber wieder verschärft. Wegen des Stillstands der Produktion und rapide schrumpfender Verkaufszahlen hatte sich der Vorsteuerverlust im Auftaktquartal deutlich ausgeweitet. Daimler (Kurswerte anzeigen) ist mit fünf Prozent an Aston Martin beteiligt und beliefert das Unternehmen mit Mercedes-AMG-Motoren.


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Der Aktienkurs von Aston Martin  ist seit dem Börsengang im Oktober 2018 auf rasanter Talfahrt. Ursprünglich waren die Papiere für 1900 Pence an die Börse gebracht worden - wegen Kapitalmaßnahmen ist das nur bedingt mit dem aktuellen Kurs von gut 35 Pence zu vergleichen. Doch der Abschwung ist auch so beträchtlich. Am Dienstag legten die Aktien von Aston Martin um mehr als ein Drittel zu.

Bis Moers seinen Dienst antritt, unterstützt Produktionschef Keith Stanton Verwaltungsratschef Stroll bei der Leitung von Aston Martin. Moers habe in seiner Karriere bei der Daimler-Tochter die Produktpalette ausgebaut, die Marke gestärkt und die Profitabilität erhöht, sagte Stroll.

AMG war im Daimler-Konzern häufig ein Karriere-Sprungbrett für Manager: So war Moers Nachfolger des heutigen Daimler-Chef Ola Källenius, der die Manufaktur drei Jahre lang vor seinem Aufstieg in den Konzernvorstand 2013 leitete. Auf Moers folgt jetzt Philipp Schiemer an die Spitze von AMG. Schiemer war seit 1987 in verschiedenen Managementpositionen bei Daimler tätig. So leitete er das Produktmanagement der A-Klasse und das Marketing von Mercedes-Benz Pkw. Zuletzt war er als CEO für das Brasiliengeschäft von Mercedes verantwortlich. Ihm zur Seite gestellt wird als Technikchef Jochen Hermann, der zuletzt die Entwicklung von Elektroantrieben leitete.

mg/wed/dpa-afx/reuters