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Apps im Auto: Gefahren überwiegen

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Apples Angriff auf BMW, VW und Daimler Das digitale Risiko

Die App im Auto könnte für Volkswagen, BMW und Co. zur Gefahr werden: Laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey bergen digitale Features ein milliardenschweres Umsatzpotenzial - doch wer nicht aufpasst, verliert die Kontrolle über zentrale Teile seines Geschäfts.

Hamburg - "Car Connectivity hat das Potential, die Automobilbranche entlang aller Ertragsquellen stark zu verändern", sagt Detlev Mohr, Leiter der europäischen Automobilberatung von McKinsey. Der Satz klingt noch eher ungefährlich. Doch wer die Ergebnisse einer neuen McKinsey-Studie zum Einzug des Internets ins Auto genauer anschaut, sieht vor allem eins: Die Welt von Apple , Google  und Co. eröffnet den Autoherstellern zwar auch neue Chancen. Doch die Gefahren überwiegen.

"Das Thema wird für die Autohersteller zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor", warnt Mohr. "Sie dürfen die Hoheit über die digitale Revolution nicht den Internetunternehmen überlassen."

Der Markt wird wachsen, so viel ist klar. Auf 30 Milliarden Euro beziffert McKinsey den aktuellen Jahresumsatz mit Connectivity-Komponenten und Dienstleistungen im Auto. Bis 2020, so schloss die Beratung aus einer Umfrage unter 2000 Autokäufern in Deutschland, Brasilien, China und den USA, würden sich die Einnahmen mehr als verfünffachen. Doch diese 170 Milliarden Euro seien nur scheinbar zusätzliches Geschäft, warnt McKinsey. "Die Kunden werden 2020 voraussichtlich nicht mehr fürs Autofahren ausgeben als heute", sagt Mohr.

So seien zwar nur noch 13 Prozent der Befragten bereit, ein Auto ohne Internetzugang zu kaufen. Doch für das zusätzliche Angebot bezahlen wollen die wenigsten: Nur 35 Prozent der Befragten gaben an, für einen Neuwagen 100 Dollar (knapp 80 Euro) Aufpreis zu bezahlen, falls dieser die Nutzung von Internet-Dienstleistungen ermögliche. Noch geringer sei die Bereitschaft, eine Abonnentengebühr zu bezahlen.

Dennoch sei es äußerst gefährlich, das Thema zu vernachlässigen, sagt McKinsey-Berater Mohr. "Die potenzielle Verschiebung von Marktanteilen zwischen den Autoherstellern ist eine der zentralen Auswirkungen von Connected Cars". 20 Prozent der Befragten sagten, bessere Internet-Angebote seien für sie ein Anlass, die Automarke zu wechseln. Unter den Vielfahrern sowie in China, dem für die Hersteller aktuell wegen des gewaltigen Absatzwachstums wichtigsten Markt, gebe es sogar gut 40 Prozent Wechselwillige.

Es geht um Macht: Wer kontrolliert die Connectivity-Daten?

Die wachsende Bedeutung der App im Auto wird möglicherweise mehr verändern als die Marktanteile der Hersteller. Es geht vor allem um Macht. Je mehr Kunden einen kostenfreien Zugang ins Internet erwarteten, desto größer sei für die Konzerne die Gefahr, die Kontrolle über die Connectivity-Daten an Handy-Anbieter wie Apple oder Samsung zu verlieren.

Geräte wie das iPhone können als (billigere) Schnittstelle zwischen der automobilen Welt und der Umgebung dienen. Doch dann würden die Smartphone- oder App-Anbieter unter Umständen auch steuern, ob die Fahrer zum Beispiel bei möglichen Defekten zu Werkstätten der gefahrenen Marke oder zu unabhängigen Betrieben geschickt würden, warnt Mohr.

Das mögliche Ergebnis zeige ein Blick auf die Telekomindustrie. Dort erzielten mittlerweile nur noch zwei Geräteanbieter Gewinn: Apple und Samsung. Das sind nicht zufällig auch diejenigen, die die einfachsten und meist verbreiteten Zugänge ins Netz bieten.

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Im Kampf um die Kontrolle über das Internet könnte indes ein anderer Software-Gigant die beste Startposition haben: Google. Der US-Konzern bietet nicht nur erstklassiges Kartenmaterial für Navigationsgeräte. Er hat mit dem autonom steuernden Google Car auch gezeigt, dass er im Zweifel mehr kann als Software zu liefern. "Letztlich geht es darum, wie viel Zeit die Kunden im Auto verbringen und welchen Anteil dieser Zeit sie zum Beispiel für das Internet nutzen können", sagt McKinsey-Berater Mohr. Das bedeutet auch: Je weniger sich der Fahrer aufs Steuern konzentrieren muss und je autonomer das Auto der Zukunft steuert, desto mehr Geschäft können Firmen wie Google machen.

Bevor sie das Potenzial der diversen Internet-Anwendungen im Auto überhaupt erschließen können, müssen die Anbieter jedoch laut der McKinsey-Studie ein zentrales Hindernis überwinden: die Angst ihrer Kunden. 37 Prozent der Befragten sagten, sie sorgten sich um die Sicherheit ihrer persönlichen Daten. Deshalb zögerten sie noch, Internetdienste auch im Auto zu nutzen. In Deutschland waren die Bedenken sogar noch größer: jeder Zweite hierzulande fürchtet Datenschutz-Probleme.

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