IT-Konzern rüstet VW-Transporter zu Selbstfahr-Shuttles um iBulli statt iCar - so bescheiden enden Apples Auto-Pläne

Elektro-Transporter der VW-Mobilitätsmarke Moia: Das dürfte die Basis für Apples Angestellten-Shuttle werden

Elektro-Transporter der VW-Mobilitätsmarke Moia: Das dürfte die Basis für Apples Angestellten-Shuttle werden

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Selbstfahrende Autos: Wie weit die Hersteller beim autonomen Fahren sind

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Vor gerade einmal vier Jahren jagte die Erwähnung von Apples "Projekt Titan" der Autobranche noch einen gehörigen Schrecken ein. Unter diesem Codenamen arbeitete der kalifornische IT-Riese an nichts Geringerem als der Neuerfindung des Autos, hieß es. Offizielle Statements zu den Auto-Plänen gab es - in Apple-typischer Geheimniskrämerei - natürlich nicht.

Dafür häuften sich Berichte, die aus Gesprächen mit Insidern ein paar spannende Eckdaten zusammentrugen: Weit über tausend Leute sollten an Apples geheimnisvollem Autoprojekt arbeiten. Ein rein batteriegetriebenes Fahrzeug sollte das bald "iCar" getaufte Gefährt werden, das über große Strecken autonom fahren sollte. In Pressekonferenzen ließ Apple-Chef Tim Cook verschwurbelt anklingen, an elektrisch und autonom fahrenden Autos zu arbeiten, was den Hype noch verstärkte. Vor knapp zwei Jahren bestätigte Apple seine Auto-Ambitionen sogar in einem Brief.

Doch die hochtrabenden Fahrzeug-Pläne von Apple scheiterten Stück für Stück - an der profanen Realität. Zuerst gab der kalifornische IT-Riese den Plan auf, eigene Autos zu bauen. Stattdessen konzentrierte sich Apple rein auf die Software für selbstfahrende Autos. Nun, so berichtet die US-Zeitung "New York Times"  (NYT), ist das "Projekt Titan" auf das Format von selbstfahrenden Personentransportern geschrumpft, die rein für Apple-Angestellte gedacht sind - mit einem Partner, der für Apple nicht die erste Wahl war.

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Immerhin bekommt das iCar nun Unterstützung vom deutschen Autoriesen Volkswagen: Laut NYT will Apple nun T6-Transporter von Volkswagen zu selbstfahrenden Elektro-Shuttles umrüsten. Dabei handelt es sich in großen Teilen offenbar um jenen Typ Shuttle-Fahrzeuge, die Volkswagens neue Mobilitätsmarke Moia in einigen Monaten in Hamburg auf die Straße bringen will.

Apples Elektro-Bulli bekommt eigene Apple-Software

Die Apple-Variante des Elektro-Bullis wird bei der VW-Tochter Italdesign in Turin umgebaut. Dabei will der kalifornische IT-Konzern aber viele Komponenten der VW-Transporter, die hierzulande gerne liebevoll "Bulli" genannt werden, ersetzen. So sollen etwa Sitze und Cockpit ausgetauscht werden, andere Computer und Sensoren eingebaut werden und die Batterie des Fahrzeugs vergrößert werden, berichtet die NYT aus Gesprächen mit an dem Projekt Beteiligten.

Die Apple-Bullis sollen Apple-Angestellte zwischen zwei Apple-Campussen im Silicon Valley hin- und herfahren. Ein menschlicher Kontrollfahrer soll in autonom fahrenden Personentransportern ebenso an Bord sein wie ein Beifahrer, der die Leistung der Selbstfahr-Software überwacht.

Sprecher von Apple und VW-Nutzfahrzeuge wollen den Bericht zunächst nicht kommentieren. Der interne Codename für VW bei Apple sei "Jetstream", berichtete die NYT. Es sei unklar, ob die Kooperation mit Volkswagen über den Shuttle hinaus fortgeführt werde. Aktuell gehe es um weniger als zwei Dutzend VW-Transporter, berichtete der Finanzdienst Bloomberg.

Das iCar endet nun also als eher klein dimensioniertes iBulli-Projekt, das offenbar auch noch hinter dem Zeitplan zurück ist. Die Shuttles hätten ursprünglich Ende 2018 fertig werden sollen. Doch diese Zielmarke werde verfehlt, sagte ein früherer Apple-Mitarbeiter der NYT.

Apple abgeschlagen im Wettlauf um autonomes Fahren

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Damit, so urteilt die US-Zeitung, liege Apple im Wettlauf um selbstfahrende Autos ziemlich weit zurück. In Apples Auto-Projekt soll es aktuell keine klaren Pläne geben, die über das Shuttlebus-Projekt hinausgehen. Zwar verfügt Apple nach jüngsten Zahlen aus der kalifornischen Verkehrsbehörde über mehr als 50 zu Roboterwagen umgebaute Fahrzeuge der Toyota -Marke Lexus, die für Tests der Selbstfahr-Software zugelassen sind. Doch eine formale Kooperation mit Lexus bestehe nicht, heißt es in der NYT.

Mit der Suche nach Partnern in der Automobilindustrie hatte Apple große Mühen, wie die Zeitung detailliert beschreibt. Zunächst arbeitete Apple mit dem österreichischen Zulieferer Magna Steyr zusammen. Auch Gespräche mit BMW habe Apple geführt - worüber manager magazin bereits im März 2015 berichtet hat.

Die Bayern seien lange Apples bevorzugte potenzielle Partner gewesen, bestätigten frühere Apple-Mitarbeiter nun der NYT. Doch eine Kooperation sei daran gescheitert gescheitert, dass sowohl Apple und BMW ihr Kundenerlebnis und ihre Kundenbeziehung behalten wollten.

Als zweiter favorisierter Partner sei Mercedes-Benz im Gespräch gewesen. Über ein Jahr sollen Apple und Daimler über eine Partnerschaft verhandelt haben. Doch die Verhandlungen scheiterten wie bei BMW an unterschiedlichen Vorstellungen über die Kontrolle der Daten und des Kundenerlebnisses.

Apple wollte Windschutzscheibe zum Bildschirm machen

Im vergangenen Jahr habe Apple dann Volkswagen als Partner an Land gezogen. Laut dem Bericht sollen die Wolfsburger geradezu begierig gewesen sein, mit Apple zusammenzuarbeiten. Dabei dürfte wohl der Abgasskandal eine Rolle gespielt haben, mutmaßt die NYT. Zudem sei Volkswagen bei der Entwicklung von selbstfahrenden Autos hinter einige Rivalen zurückgefallen.

Dabei spielten Fahrzeuge von VW schon zu Beginn der Forschungen für selbstfahrende Autos eine maßgebliche Rolle. So gewann bereits im Jahr 2005 der deutsche Informatiker Sebastian Thrun von der kalifornischen Stanford University mit "Stanley", einem aufgerüsteten VW-Touareg, die renommierte DARPA Grand Challenge, ein Rennen zwischen autonomen Roboterfahrzeugen in der Mojave-Wüste im Südwesten der USA.

Volkswagens Digitalchef Johann Jungwirth gibt sich bei jeder Gelegenheit sehr optimistisch über die Fähigkeiten seiner Entwickler. Innerhalb weniger Jahre, so prophezeite er im Interview mit manager-magazin.de im Oktober 2017, werden die Moia-Shuttles in Hamburg autonom durch die Stadt fahren - mit einem menschlichen Kontrollfahrer an Bord.

Die New York Times berichtet aber auch durchaus Spannendes über die Prototypen, die Apples Auto-Team entworfen hat. Dabei seien Ideen wie das Einblenden zusätzlicher Informationen direkt in die Windschutzscheibe, ein hitzeabweisendes Polymer-Dach sowie elektronisch verdunkelbare Fensterscheiben wie bei der Boeing 787 ausprobiert worden, hieß es.

Dumm nur, dass viele der einstigen Apple-Autovisionäre nicht mehr bei dem IT-Riesen arbeiten. Das "Projekt Titan"-Team ist von über tausend Mitarbeitern auf ein paar hundert geschrumpft. Immerhin ein VW-Topmanager dürfte die einstigen Visionen der Kalifornier aus erster Hand kennen: Jungwirth arbeitete selbst ein Jahr lang bei Apple, bevor er im November 2015 zu Volkswagen wechselte.

mit Material von dpa
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