Dienstag, 23. April 2019

IT-Konzern rüstet VW-Transporter zu Selbstfahr-Shuttles um iBulli statt iCar - so bescheiden enden Apples Auto-Pläne

Elektro-Transporter der VW-Mobilitätsmarke Moia: Das dürfte die Basis für Apples Angestellten-Shuttle werden

2. Teil: Apple abgeschlagen im Wettlauf um autonomes Fahren

Damit, so urteilt die US-Zeitung, liege Apple im Wettlauf um selbstfahrende Autos ziemlich weit zurück. In Apples Auto-Projekt soll es aktuell keine klaren Pläne geben, die über das Shuttlebus-Projekt hinausgehen. Zwar verfügt Apple nach jüngsten Zahlen aus der kalifornischen Verkehrsbehörde über mehr als 50 zu Roboterwagen umgebaute Fahrzeuge der Toyota -Marke Lexus, die für Tests der Selbstfahr-Software zugelassen sind. Doch eine formale Kooperation mit Lexus bestehe nicht, heißt es in der NYT.

Mit der Suche nach Partnern in der Automobilindustrie hatte Apple große Mühen, wie die Zeitung detailliert beschreibt. Zunächst arbeitete Apple mit dem österreichischen Zulieferer Magna Steyr zusammen. Auch Gespräche mit BMW habe Apple geführt - worüber manager magazin bereits im März 2015 berichtet hat.

Die Bayern seien lange Apples bevorzugte potenzielle Partner gewesen, bestätigten frühere Apple-Mitarbeiter nun der NYT. Doch eine Kooperation sei daran gescheitert gescheitert, dass sowohl Apple und BMW ihr Kundenerlebnis und ihre Kundenbeziehung behalten wollten.

Als zweiter favorisierter Partner sei Mercedes-Benz im Gespräch gewesen. Über ein Jahr sollen Apple und Daimler über eine Partnerschaft verhandelt haben. Doch die Verhandlungen scheiterten wie bei BMW an unterschiedlichen Vorstellungen über die Kontrolle der Daten und des Kundenerlebnisses.

Apple wollte Windschutzscheibe zum Bildschirm machen

Im vergangenen Jahr habe Apple dann Volkswagen als Partner an Land gezogen. Laut dem Bericht sollen die Wolfsburger geradezu begierig gewesen sein, mit Apple zusammenzuarbeiten. Dabei dürfte wohl der Abgasskandal eine Rolle gespielt haben, mutmaßt die NYT. Zudem sei Volkswagen bei der Entwicklung von selbstfahrenden Autos hinter einige Rivalen zurückgefallen.

Dabei spielten Fahrzeuge von VW schon zu Beginn der Forschungen für selbstfahrende Autos eine maßgebliche Rolle. So gewann bereits im Jahr 2005 der deutsche Informatiker Sebastian Thrun von der kalifornischen Stanford University mit "Stanley", einem aufgerüsteten VW-Touareg, die renommierte DARPA Grand Challenge, ein Rennen zwischen autonomen Roboterfahrzeugen in der Mojave-Wüste im Südwesten der USA.

Volkswagens Digitalchef Johann Jungwirth gibt sich bei jeder Gelegenheit sehr optimistisch über die Fähigkeiten seiner Entwickler. Innerhalb weniger Jahre, so prophezeite er im Interview mit manager-magazin.de im Oktober 2017, werden die Moia-Shuttles in Hamburg autonom durch die Stadt fahren - mit einem menschlichen Kontrollfahrer an Bord.

Die New York Times berichtet aber auch durchaus Spannendes über die Prototypen, die Apples Auto-Team entworfen hat. Dabei seien Ideen wie das Einblenden zusätzlicher Informationen direkt in die Windschutzscheibe, ein hitzeabweisendes Polymer-Dach sowie elektronisch verdunkelbare Fensterscheiben wie bei der Boeing 787 ausprobiert worden, hieß es.

Dumm nur, dass viele der einstigen Apple-Autovisionäre nicht mehr bei dem IT-Riesen arbeiten. Das "Projekt Titan"-Team ist von über tausend Mitarbeitern auf ein paar hundert geschrumpft. Immerhin ein VW-Topmanager dürfte die einstigen Visionen der Kalifornier aus erster Hand kennen: Jungwirth arbeitete selbst ein Jahr lang bei Apple, bevor er im November 2015 zu Volkswagen wechselte.

mit Material von dpa

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