Roboterauto-Experte Anthony Levandowski Geheimnisverrat? US-Behörden klagen Ex-Google-Manager an

Experte für selbstfahrende Autos: Anthony Levandowski wurde von US-Behörden wegen möglichen Geheimnisverrats verklagt.

Experte für selbstfahrende Autos: Anthony Levandowski wurde von US-Behörden wegen möglichen Geheimnisverrats verklagt.

Foto: Eric Risberg/ dpa

"Silicon Valley ist nicht der Wilde Westen", zitiert das "Wall Street Journal" einen FBI-Agenten aus dem Raum San Francisco. "Das schnelllebige und wettbewerbs-intensive Umfeld führt nicht dazu, dass Gesetze nicht gelten oder ignoriert werden können."

Seit 2017 ist der FBI-Mann mit seinen Kollegen dem prominenten Roboterauto-Experten Anthony Levandowski auf der Spur - jetzt haben die Beamten zugeschlagen. Die US-Behörden klagen Levandowski an, in 33 Fällen Geheimnisse seines früheren Arbeitgebers an seinen neuen verraten zu haben.

Ein brisanter Fall ist das vor allem wegen der Prominenz der beteiligten Unternehmen: Levandowski, ein Pionier für selbstfahrende Autos, war 2016 von Google  zum Fahrdienstvermittler Uber gewechselt. Beide Unternehmen hatten sich im Anschluss bereits zivilrechtlich über den möglichen Geheimnisverrat gestritten. Dieser Konflikt war 2018 beigelegt worden, doch das FBI lässt offenbar nicht locker.

Levandowski ist insbesondere ein Spezialist für Laserradare, mit denen selbstfahrende Autos ihre Umgebung abtasten. Er verbrachte Jahre beim Roboterwagen-Programm von Google und wechselte dann zu Uber, wo der damalige Chef Travis Kalanick auf die Entwicklung eigener Technologie zum autonomen Fahren setzte.

Levandowski plädiert auf nicht schuldig

Im Jahr darauf wurde Uber von der Google-Schwesterfirma Waymo verklagt, in der inzwischen das Roboterwagen-Programm des Konzerns untergebracht worden war. Waymo erklärte, Levandowski habe beim Wechsel Betriebsgeheimnisse mitgehen lassen. Die beiden Unternehmen legten den Konflikt 2018 bei - bereits mitten im Prozess und kurz bevor Google-Mitgründer Larry Page in den Zeugenstand gerufen werden sollte. Als Teil des Deals bekam Waymo eine Beteiligung von 0,34 Prozent an dem Fahrdienstvermittler. Uber versprach zudem, keine Technologie von Waymo zu nutzen.

Levandowski selbst war von Waymo damals nicht verklagt worden, jetzt werfen die Ankläger ihm aber den Diebstahl von Betriebsgeheimnissen vor. Sie wiederholen den damaligen Vorwurf von Waymo, Levandowski habe vor seinem Wechsel zu Uber rund 14.000 Dateien heruntergeladen. Die Anklage listet 33 davon auf, es geht um diverse technische Informationen zu Laserradaren von Googles "Project Chauffeur". Zumindest theoretisch drohen Levandowski bis zu zehn Jahre Haft pro Download.

Seine Anwälte erklärten, Levandowski sei unschuldig und werde das auch vor Gericht beweisen. Sie verwiesen darauf, dass er die Dateien noch als Google-Mitarbeiter heruntergeladen habe. Uber bestritt stets, dass die vertraulichen Unterlagen es jemals zum Fahrdienstvermittler geschafft haben. Levandowski hatte in dem Verfahren zwischen Waymo und Uber von seinem Recht Gebrauch gemacht, die Aussage zu verweigern, um sich nicht selbst zu belasten.

Der 39-jährige Ingenieur, der von Uber nach der Waymo-Klage gefeuert worden war, betreibt inzwischen eine neue Firma mit dem Namen Pronto, die Technologie für selbstfahrende Lastwagen entwickelt. Am Dienstag erklärte er sich für nicht schuldig und darf auf freiem Fuß bleiben, nachdem er 300.000 Dollar hinterlegte und seine Familie sowie ein Freund auch ihre Häuser als Kaution einbrachten, wie die "New York Times" aus dem Gerichtssaal im kalifornischen San Jose berichtete.

cr/dpa-afx