Yuan-Abwertung trifft deutsche Autobranche China beendet die beste aller Welten für BMW, VW und Daimler

Neuer 7er-BMW: Mit der Yuan-Abwertung schmälert Peking die Gewinnchancen der Luxuskarosse im weltgrößten Automarkt

Neuer 7er-BMW: Mit der Yuan-Abwertung schmälert Peking die Gewinnchancen der Luxuskarosse im weltgrößten Automarkt

Foto: obs/BMW Group (06/2015)

Für Sorgenfalten gibt es bei BMW auf den ersten Blick keinen Grund. Gerade haben die Münchener durchaus gute Zahlen vorgelegt. In Europa steigt die Nachfrage nach den bayerischen Luxusautos und kompensiert so den schrumpfenden Absatz in China. Die Folge: Im Juli hat BMW so viele Autos wie noch nie verkauft, weltweit stiegen die Auslieferungen deutlich um 5,6 Prozent auf rund 173 200 Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls Royce.

Seit Jahresbeginn haben die Verkäufe in Europa, dem größten Markt der Bayern, um satte 9,5 Prozent zugelegt. In den USA ging es um 8 Prozent nach oben. Nur in China steht in den ersten sieben Monaten nur noch ein Mini-Wachstum von 1,3 Prozent in den Büchern.

Solche Zahlen treiben üblicherweise den Aktienkurs nach oben - doch diesmal ist es genau umgekehrt. Bis zum Mittag hat der Kurs der BMW-Aktie  3 Prozent verloren, seit Montag ist das Papier um fast 8 Prozent gefallen.

Den Konkurrenten Daimler  und Volkswagen  geht es kaum besser: Auch ihre Aktien haben zuletzt kräftig an Wert eingebüßt.

Die Talfahrt der Autowerte nahm in dem Moment an Tempo auf, als Chinas Zentralbank am Dienstag die Landeswährung Yuan überraschend um 1,9 Prozent abwertete. Am Mittwoch haben die Chinesen den Yuan um weitere 1,6 Prozent gesenkt.

Das klingt nach wenig, ist aber die stärkste Abschwächung der Währung seit 20 Jahren.

Nun wächst die Sorge vieler Investoren, dass die Chinesen damit weitermachen könnten - und das gefährdet besonders die exportorientierten deutschen Autohersteller.

Bisher hatten Europas Autobauer im internationalen Währungsspiel der Zentralbanken einen höchst angenehmen Logenplatz erwischt. Die EZB hat durch ihr groß angelegtes Anleihekaufprogramm dafür gesorgt, dass der Euro  gegenüber dem US-Dollar immer weiter abgewertet hat - und damit auch gegenüber dem chinesischen Yuan, dessen Kurs innerhalb einer bestimmten Schwankungsbreite an einen Korb internationaler Währungen gekoppelt ist, in dem der Dollar die mit Abstand wichtigste Rolle spielt. Auf diese Weise hat der Euro auch gegenüber dem Yuan in den vergangenen Monaten deutlich nachgegeben. Das kam gerade der Autobranche zugute: Denn der Export von Fahrzeugen in die beiden wichtigsten Automärkte wurde dadurch günstiger.

Die teuersten Baureihen werden in Deutschland gebaut - und dann verschifft

Fotostrecke

100 Jahre BMW: Wie BMW von der Fast-Pleite zum Luxusauto-Primus aufstieg

Foto: BMW

Nun schert die chinesische Regierung aber aus diesem für die Autohersteller höchst angenehmen Pfad aus - und das könnte der Branche noch teuer zu stehen kommen. Zwar produzieren BMW, Volkswagen und Daimler den überwiegenden Teil ihrer in China und den USA verkauften Autos vor Ort - auch, um sich gegen solche Wechselkursschwankungen abzuschotten. Doch die teuersten und margenträchtigsten Baureihen, Daimlers S-Klasse, der 7er-BMW und Audis A8, werden weiterhin nur in Deutschland hergestellt und nach China verschifft.

Korrigieren die deutschen Luxusauto-Hersteller nun nach der Yuan-Abwertung die Verkaufspreise ihrer Oberklasse-Limousinen nach oben, werden sie wohl weniger Fahrzeuge verkaufen. Halten sie die Preise gleich, knabbert das an der Marge. Und am Ende des Quartals müssen sämtliche in China erzielten Profite dann auch noch mal in die deutsche Bilanz konsolidiert werden - zum schlechteren Wechselkurs.

China steht Wirtschaftspolitik-Bewährungsprobe ins Haus

Dabei ist der chinesische Automarkt derzeit ohnedies schon unter Druck: Im Juli wurden trotz hoher Rabatte so wenige Autos verkauft wie seit fast anderthalb Jahren nicht mehr. Der chinesische Verband der Autohersteller (CAAM) berichtete am Dienstag von einem Minus im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,6 Prozent auf knapp 1,3 Millionen Autos. Es ist der zweite Monat in Folge, in dem der Markt schrumpft.

Fotostrecke

Massenweise gesenkte China-Prognosen: Für diese Großkonzerne wird es in China richtig eng

Foto: Aly Song/ REUTERS

Und das ist nur ein Resultat der gesamtwirtschaftlichen Lage. Denn aktuell wächst Chinas Wirtschaft so langsam wie seit 1990 nicht mehr. Das offiziell erwartete Wachstum für dieses Jahr von sieben Prozent enttäuscht die Erwartungen. Und es reiht sich eine Hiobsbotschaft an die nächste: Erst brachen die Kurse an den chinesischen Aktienmärkten ein, dann die Exporte. Die Industrieproduktion lahmt, und die Umsätze im Einzelhandel sind schwächer als erwartet.

Die chinesische Führung reagierte darauf nun mit drastischen Maßnahmen. Die Abwertung der Landeswährung Yuan den zweiten Tag in Folge folgt auf Eingriffe am Aktienmarkt vor einigen Wochen. Einige fürchten nun, dass sich die Abwertungen wiederholen könnten und China den Yuan so deutlich verbilligt. Das würde die Lage für ausländische Firmen im Land, die ihre Produkte nach China exportieren, deutlich erschweren.

"China will ein Stück vom Kuchen der globalen Währungskriege"

Chinas Zentralbank hat die Abwertung zwar als einen einmaligen Schritt bezeichnet, der den Yuan stärker den Marktkräften aussetzen sollte. "Wenn wir uns die internationale und die heimische Wirtschafssituation ansehen, gibt es keine Basis für eine fortgesetzte Abwertung des Yuan", erklärte die Zentralbank nun. Dennoch gibt es viele, die dieser Aussage nicht ganz trauen - und die ersten Anschuldigungen werden nun laut, dass die Regierung so in unfairer Weise ihre Exporteure schützen will.

Manche unterstellen der chinesischen Regierung jedoch noch ganz andere Macht-Motive. China wolle schon lange seine Wechselkurspolitik liberalisieren, um den Yuan zu einer wichtigen internationalen Währung aufzubauen, meint etwa der Devisenexperte John J. Hardy von der Saxo Bank. Die Chinesen bemühen sich darum, dass der Yuan beim Internationalen Währungsfonds als weltweite Reserve-Währung anerkannt wird. Bisher argumentierte der IWF, der Yuan habe zu wenig marktbestimmte Schwankungen.

Diese Argumentationslinie könnte nun schwieriger werden. Und noch ein Argument nennt Hardy: Mit der Abwertung kann China seine aktuelle Schwächephase etwas kompensieren- "Nach einer Zeit verschärfter Währungsstärke will China jetzt auch ein Stück vom Kuchen der globalen Währungskriege abhaben", betont Hardy.

Das klingt nach ungemütlichen Zeiten für die deutschen Autohersteller in China - und das sehen die Aktionäre offenbar auch so.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.