Freitag, 21. Juni 2019

Toyota Prius ist kein Vorbild mehr Wie die deutsche Autoindustrie still und heimlich den Hybridantrieb beerdigt

2. Teil: "Elektrisches Kriechen stellt die Kunden nicht zufrieden"

Die nähere Zukunft, so legen es nicht nur die Fachleute von Roland Berger nahe, gehört einerseits weiterhin konventionellen Autos mit sparsamen Verbrennungsmotoren. Im Kommen sind zudem Elektroautos und so genannte Plugin-Hybride.

Diese haben einen entscheidenden Unterschied zu den klassischen Vollhybriden á là Toyota Prius: Eine Steckdose, mit der sie Strom aus dem Netz in eine große Batterie laden können - aus zunehmend sauberen Quellen. Auf zusammen immerhin gut 6 Prozent taxieren die Unternehmensberater den Anteil dieser Autos an den Neuwagen in der EU im Jahr 2021.

Mit diesen Fahrzeugen sind die Hersteller viel besser in der Lage, den CO2-Ausstoß ihrer Flotten drastisch zu senken, wie vom Gesetzgeber gefordert. "Ein Hybrid muss 40 bis 60 Kilometer rein elektrisch fahren können, sonst ist die CO2-Ersparnis und der Kundennutzen viel zu klein", sagt Schlick. "Daher bieten Plugin-Hybride viel größere Vorteile."

Audi bestätigt den Abschied von den klassischen Hybridmodellen. "Die Vollhybrid-Technik ist bei Audi aktuell durch die Plugin-Hybrid-Technologie abgelöst", sagt ein Sprecher der Ingolstädter gegenüber manager-magazin.de.

Was die Investitionen für Vollhybrid-Autos heute bringt

Auch BMW gibt dem Vollhybrid offiziell den Laufpass. "Elektrisches Kriechen stellt die Kunden nicht zufrieden", sagt ein BMW-Pressesprecher. Vollhybride können nur kurze Strecken rein elektrisch zurücklegen, und das auch nur mit geringer Geschwindigkeit. Die Münchener haben in den vergangenen Jahren nur 15.000 Vollhybride quer über alle Baureihen verkauft - bei einer Jahresproduktion von 1,4 Millionen Fahrzeugen. Ziel von BMW sei es nun, in jeder Baureihe einen Plugin-Hybridantrieb anzubieten.

Vollhybrid, Mildhybrid, Plugin-Hybrid etc.: Lesen Sie hier, wie sich die Technologien unterschieden

Daimler hingegen will sich offiziell nicht komplett vom Vollhybrid verabschieden. C- und S-Klasse bleiben als Vollhybride im Programm. "Da sind Volumina eingeplant, und die Kunden kaufen die Autos auch", sagt Harald Kröger, der bei Daimler die Entwicklung von Elektrik und Elektroantriebe leitet, gegenüber manager-magazin.de. Neue Vollhybrid-Modelle will Daimler nur dann auf den Markt bringen, wenn die Kunden dies wünschen. Danach sieht es derzeit eher nicht aus.

Die Zukunft gehört bei Daimler ebenfalls den Plugin-Hybriden. Im Jahr 2017 will Daimler zehn Modelle quer über alle Baureihen mit dieser Antriebsvariante anbieten.

Immerhin: Ganz umsonst waren die Investitionen der deutschen Autohersteller für die Entwicklung von Vollhybrid-Antrieben nicht. Denn Komponenten und Wandler, die für Vollhybride entwickelt wurden, finden sich auch in den Plugin-Modellen wieder. Erweitert werden sie um einen deutlich größeren Akku und die für das Laden notwendige Elektronik samt einem Anschluss für das Aufladen. "Die Vollhybride haben den Plugin-Hybriden technisch den Weg bereitet," heißt es bei Audi.

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