Dienstag, 12. November 2019

Elektroautos Warum die deutschen Autobauer Teslas Batteriefabrik fürchten müssen

Der Elektroautohersteller Tesla schwingt sich zum Riesen-Batterieproduzenten auf - Deutschland hat dem nur wenig entgegenzusetzen

2. Teil: Deutsche Autohersteller zögern mit Tesla-Gegenwehr

Noch sind solche Überlegungen Zukunftsmusik - doch sie sollten der deutschen Autoindustrie kräftig zu denken geben. Denn bislang ist es den Goliaths unter den großen deutschen Autoherstellern nicht gelungen, dem David Tesla Substanzielles entgegenzusetzen. Auch in den nächsten drei bis vier Jahren ist kein einziger deutscher Herausforderer in Sicht, der es punkto Reichweite und Batterietechnik mit Teslas Nobelstromer aufnehmen kann.

Ähnliches könnte sich nun auf dem Markt für Lithium-Ionen-Batterien wiederholen. Denn ausgerechnet im Industrieland Deutschland kämpfen die Hersteller von leistungsfähigen Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos mit massiven Problemen. Eine einzige Fabrik gibt es in Deutschland, die Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos produziert: Den Zellenhersteller Li-Tec, der gemeinsam mit dem Chemiespezialisten Litarion Batterien für die Elektroautoversion des Kleinwagens Smart herstellt.

Gegründet wurde Li-Tec als Joint-Venture zwischen Daimler Börsen-Chart zeigen und dem Chemiekonzern Evonik Börsen-Chart zeigen. Doch die Partner sind sich seit längerem uneins über eine gemeinsame Strategie. Evonik will deshalb seit Monaten aus dem Projekt aussteigen. Doch Daimler findet keinen neuen Partner, wie das manager magazin im Dezember berichtete.

Nicht wirklich rund laufen auch die Batterieaktivitäten des Autozulieferers Bosch. Die Schwaben verbündeten sich 2008 mit dem koreanischen Samsung-Konzern, um im großen Stil Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos zu fertigen. Doch das Joint-Venture platzte und mit ihm auch die Pläne, in absehbarer Zeit in Deutschland eine Batteriefabrik aus dem Boden zu stampfen.

Teslas Wette ist nur auf den ersten Blick gewagt

Nun hat sich Bosch den japanischen Konzern GS Yuasa als neuen Kooperationspartner an Bord geholt - und wartet ab. Man beobachte den Markt genau und werde rechtzeitig zum großen Elektroboom ein Werk in Europa bauen, erklärte Bosch noch im Dezember. Ab 2018 könnte das Werk stehen, falls Bosch ein "dem Wettbewerb überlegenes Produkt" anbieten könne.

Da wird Tesla dann bereits in seiner Batteriefabrik tausende Elektroauto-Batterien produzieren. Zwar geht Tesla auf den ersten Blick mit seiner Batteriefabrik eine gewagte Wette ein. Denn Branchenexperten haben noch vor einem halben Jahr davor gewarnt, dass es bei Lithium-Ionen-Zellen derzeit weltweit massive Überkapazitäten gibt.

Doch Tesla setzt bei seinen Akkus auf einen etwas anderen Zellenaufbau als der Rest der Automobilbranche, und davon kann Teslas Batteriepartner Panasonic offenbar nicht genug liefern. Denn Musk hat mehrfach in Interviews betont, dass er mehr Autos ausliefern könnte, wenn seine Zulieferer mehr Batteriezellen bereitstellen würden.

Die deutschen Autohersteller hingegen meiden vorerst die Milliardeninvestitionen in teure Fabriken - und beziehen ihre Akkus lieber von koreanischen und japanischen Batteriespezialisten. Das könnte sich in wenigen Jahren als gefährlicher Irrweg für Deutschland herausstellen.

Wenn Tesla tatsächlich in wenigen Jahren den Markt für Lithium-Ionen-Batterien dominiert, könnte sich ein größerer Teil der Elektroautoproduktion in die Staaten verlagern. Denn die Akkus sind über 100 Kilo schwer und damit nicht gerade leicht zu transportieren. Man kann nur hoffen, dass die deutsche Autoindustrie diese Gefahr ernst nimmt - und bald handelt, statt weiter zu zögern.

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