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Teslas neues Model 3: So sieht das Auto aus, das Audi, BMW und Mercedes fürchten

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Die Lehren aus der Tesla Model 3-Vorstellung Warum das Model 3 keine Automobil-Revolution ist

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Teslas neues Model 3: So sieht das Auto aus, das Audi, BMW und Mercedes fürchten

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Jetzt haben wir es also gesehen.

Das Auto, für das Tausende vor Tesla-Shops geduldig in der Schlange gewartet haben, um dann 1000 Euro anzahlen zu dürfen.

Das Auto, das - angeboten für 30 000 Euro - ab 2018 auch in Europa den Markt für Elektro-Fahrzeuge revolutionieren soll.

Das Auto, mit dem Konzern-Chef Elon Musk Teslas Verkaufszahlen bis 2020 verzehnfachen will.

Das Auto, das am Ende doch nur ein Auto ist. Und das wahrscheinlich kein Gamechanger werden wird.

Wird Musk mit dem Model 3 den Massenmarkt für Elektroautos erschließen? Nein, dazu dürfte es nicht reichen.

Hebt Tesla die Elektromobilität oder - noch weiter gedacht - das Automobil auf eine neue Ebene? Nein.

Wird Musk mit seinem neuen Modell Geld verdienen? Auch das wird angesichts der Versprechen sehr schwierig werden.

Das Model 3 dürfte ein sehr durchdachtes Elektroauto werden, Elon Musk dürfte Premium zu einem sehr ordentlichen Preis bieten. Das ist, wenn es klappt, eine sehr beachtliche Leistung. Aber eine automobile Revolution? Nein.

Die entscheidende Frage ist noch offen

Aber warum eigentlich nicht? Musk hält doch zunächst, was er verheißen hat. Er gibt seinen Fans, auf was sie so gierig gewartet haben:

  • Das Design: gefällig, keine Frage. Die Formensprache des großen Bruders Model S weiter entwickelt; ein bisschen Jaguar XE, wegen des ein wenig rundlich nach hinten gezogenen Glasdachs das Heck ein bisschen wie alte deutsche Coupé-Modelle; keine großen Überraschungen.
  • Der Antrieb: die Beschleunigung nicht so brutal wie bei Model S und beim SUV Model X. Von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde in weniger als sechs Sekunden; da drücken Audis, Mercedes' und BMWs Top-Sportler in der Klasse ihre Fahrer heftiger in die Sitze. Die deutsche Konkurrenz ist allerdings auch deutlich teurer. "Es wird schnellere Versionen geben", kündigt Musk an. Aber das Motodrom-Feeling bekommt man auch beim Model 3 nur gegen ordentlich Aufschlag.
  • Die Reichweite: 215 Meilen mindestens, verspricht Musk. Das hieße knapp 350 Kilometer. Aber schon jetzt ist klar: Auf der Autobahn werden es wohl nicht viel mehr als 250 Kilometer sein; die bei Elektroautos übliche Differenz. Reicht das, um den Massenmarkt zu knacken, um den 3er BMW ernsthaft zu gefährden?
  • Der Preis: Gut 30.000 Euro in der Basisversion, das ist ein Wort. Das liegt auf der Höhe der Benzin- und Diesel-Wettbewerber. Und ebenso auf der Höhe von Elektroautos wie dem Elektro-Golf und BMWs i3. Die werden künftig wohl billiger werden müssen, insbesondere wenn die Hersteller einmal mehr verkaufen wollen als heute.

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Aber kann Tesla  zu dem Preis auch Geld verdienen? Musk hofft auf höhere Absatzzahlen, auf niedrigere Stückkosten, auf bessere Margen. Er setzt auch darauf, dass die Batterien aus Teslas - ebenfalls noch nicht ans Netz angeschlossener - Gigafactory rund 30 Prozent billiger werden sollen als die aktuell eingesetzten. Doch der Antriebsstrang dürfte trotzdem rund 15.000 Dollar kosten - weit mehr als bei Konkurrenten mit Verbrennungsmotoren.

"Mit dem Model 3 Geld zu verdienen, das wird die entscheidende Herausforderung"

"Tesla legt die Latte für Elektroautos in dem Preissegment mit dem Model 3 sehr hoch", kommentiert Elektroauto-Experte Jan Traenckner nach der Präsentation. "Mit dem Auto jetzt auch Geld zu verdienen, ohne es zu billig erscheinen zu lassen, wird die entscheidende Herausforderung." Gelinge Musk das allerdings, habe das Model 3 auch das Potenzial, die Elektromobilität auf eine neue Stufe zu heben.

Einfach indes wird das nicht; auch 115.000 Vorbestellungen bedeuten noch keinen nachhaltigen Erfolg. Ein wirklicher Durchbruch wäre das Model 3 wohl erst ab rund 150.000 verkaufter Autos pro Jahr. 150.000 produzierte und ausgelieferte Model 3, das hätte im vergangenen Jahr einen globalen Elektro-Marktanteil von 50 Prozent bedeutet.

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Aktuelles Reichweiten-Ranking: So weit kommen die Elektroautos

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Und die große Schwäche von Elektroautos überwindet Tesla-Chef Musk mit dem neuen Modell nicht. Im Gegenteil. In Sachen Reichweite und Lade-Bequemlichkeit wird das Model 3 den verbesserten Versionen von BMWs i3 oder Opels Ampera wohl nicht weit genug voraus sein.

Das Model 3 lässt sich zwar an Teslas Schnellladestationen aufladen, immerhin. In etwa 30 Minuten wäre der Stromtank wieder voll. Und Musk verspricht, die Zahl dieser Supercharger bis Ende 2017 weltweit auf mehr als 7200 Stromzapfsäulen zu verdoppeln.

Aber ein BMW 3er lässt sich, genau wie auch die Wettbewerber Audi A4 oder Mercedes C-Klasse, in fünf Minuten volltanken. Und fährt mit einer Tankfüllung Benzin oder Diesel mindestens dreimal, unter Umständen auch viermal so weit wie der Tesla. Nicht gerade ein Argument für den Elektro-Angreifer.

Den wahren Gamechanger hat Tesla bereits im Programm

"Wer einmal ein Elektro-Auto auf Premium-Niveau gefahren ist, den lässt das nie mehr los", hat der Vorstand eines deutschen Autokonzerns vor einiger Zeit gesagt.

Aber der Mann ist das Model 3 noch nicht gefahren. Er ist elektro-gläubig, seit er das Model S erstmals gesteuert hat. Teslas Limousine war der Gamechanger. Mit dem Luxus-Modell hat Musk gezeigt, dass Elektro als Autoantrieb funktioniert. Er hat gleichzeitig die Anforderungen an ein Premium-Auto auf eine neue Stufe gestellt. Und er hat insbesondere in den USA so viele Menschen begeistert, dass er Mercedes  , Audi  und BMW  ausgerechnet im besonders lukrativen Top-Segment spürbar weh tut.

Ähnliches ist vom Model 3 nicht zu erwarten. Vielleicht wird er ökonomisch zum Gamechanger. Dazu müsste es Elon Musk gelingen, mit dem Auto tatsächlich Geld zu verdienen: das würde den Tesla-Chef endgültig für die Hall of Fame des Managements qualifizieren; und zwar nicht nur für die automobile.

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Doch was die Elektromobilität als nächstes braucht, ist wohl weniger das Model 3, der Opel Ampera E oder die verbesserte Version des i3. Wichtig wäre jetzt ein funktionierendes Ladenetz. Genügend Stromzapfsäulen, höheres Ladetempo, dazu bessere und billigere Batterien. Wer das alles überzeugend kombiniert, kann die Branche ein zweites Mal revolutionieren. Er kann mehr Autofahrer begeistern als jene Luxus-Kunden und Technik-Fans, für die der Preis keine große Rolle spielt.

Als nächstes sind (viel) mehr und (viel) bessere Tankstellen und Batterien gefragt. Und nicht das nächste Auto.

Lesen Sie dazu auch die große Analyse aus der März-Ausgabe des manager magazins: Der Existenzkampf - wie sich BMW, Mercedes und Audi gegen Tesla, Apple und Google rüsten.

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