Mittwoch, 24. April 2019

Tesla gibt Patente frei Die riskante Patent-Wette des Elon Musk

Elon Musk: Keine Klagen gegen Unternehmen, die "in gutem Glauben unsere Technologie nutzen"

2. Teil: Beispiel Supercharger: Tesla will die Standards setzen

Mit der Freigabe der Patente, so hofft Tesla, könne man große Autohersteller eher zur Zusammenarbeit bewegen - wenn Musks Charisma auch bei den nüchternen Car Guys verfangen sollte. Da muss der Tesla-Chef aber noch einige Hürden überwinden.

Bislang ist es in der Autobranche eher üblich, im konzerneigenen Forschungszentrum zu tüfteln. Technologische Fortschritte werden zunächst als Wettbewerbsvorteil genutzt und dann an die Konkurrenz verkauft. Mit gemeinsamer Forschung tun sich die Autokonzerne bislang eher schwer - auch wenn dies immer wieder in kleinem, auf konkrete Projekte begrenztem Umfang versucht wird.

Musks Kalkül ist es nun wohl auch, dass die Zusammenarbeit mit Tesla durch die Patentfreigabe günstiger und damit attraktiver werden soll. Nichts käme den Kaliforniern gelegener, als in einigen Bereichen Standards vorzugeben.

So hat Tesla etwa Supercharger genannte Schnellladestationen entwickelt, deren Technologie sich vom Rest der Branche unterscheidet. Derzeit können nur Tesla-Fahrzeuge an den Ladesäulen tanken.

Wenn die Kalifornier nun andere Firmen davon überzeugen können, Tesla-kompatible Schnellladesäulen zu bauen, bringt das Tesla große Vorteile. Denn ihr superschnelles Ladenetz würde sich dann deutlich vergrößern, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen.

Mutiger Schritt - oder Zeichen von Schwäche?

Allerdings riskiert Musk mit seiner Patentfreigabe auch Ärger mit seinen bisherigen Partnern. Daimler hat einiges Geld in das Unternehmen gesteckt, um an dessen Patente ranzukommen. Nun könnten Konkurrenten dasselbe gratis erhalten.

Noch ist es nicht so weit. Denn Musk formuliert wörtlich, dass Tesla keine Klagen gegen Unternehmen anstrengen will, die "in guten Absichten unsere Technologie nutzen wollen". Worin diese guten Absichten bestehen und wie sie rechtlich definiert werden können, muss Musk noch genauer erklären. Eine echte Freigabe der Patente an die Weltöffentlichkeit ist das ohnedies nicht - bloß ein Versprechen. Lizenzen, die Teslas Patente für Inhaber frei nutzbar machen, hat Musk jedenfalls nicht erwähnt.

Manche Branchenbeobachter meinen deshalb, dass der Schachzug mehr über Teslas aktuelle Probleme als seine künftigen Versprechungen aussagt. Musk gebe damit indirekt zu, dass Tesla mehr Zusammenarbeit mit herkömmlichen Autoherstellern benötige, um vorwärtszukommen. Und das sei ein Zeichen von Schwäche.

Musk sieht das natürlich anders. Es gehe ihm weniger um Patente, argumentierte er in einem Analystengespräch, sondern um die Entschlossenheit eines Unternehmens, innovativ zu bleiben. Patente seien eher ein statisches Abbild. Doch Technologie-Innovationen leben von der Geschwindigkeit der Veränderung. Wahre Wettbewerbsfähigkeit bestehe nicht aus Patenten - sondern daraus, wie stark ein Unternehmen den Durchbruch einer neuen Technologie beschleunigen könne. Mal sehen, ob der Tesla-Gründer damit rechtbehält.

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