Montag, 22. April 2019

Kongress-Anhörung Barras Sünder-Strategie bekommt erste Risse

Unfallserie: GM-Chefin Barra im Kreuzverhör
DPA

Viele Entschuldigungen, wenige Details: So parierte General-Motors-Chefin Mary Barra die Fragen der US-Abgeordneten zu der tödlichen Pannenserie. Die Senatsanhörung könnte weitere Versäumnisse ans Licht bringen.

Hamburg - Sie hatte sich gut vorbereitet - doch eine lockere Unterredung war Mary Barras Auftritt vor Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses beileibe nicht. Zweieinhalb Stunden lang nahmen die Mitglieder eines Ermittlungsausschusses die General-Motors-Chefin gestern ins Kreuzverhör.

Zeitweise stockte die sonst so souverän auftretende 52-jährige, Kameras und Blitzlichtgewitter schienen sie zu irritieren. Doch damit ist die große öffentliche Erklärungsgeste für Barra noch nicht zu Ende: Heute muss sie noch dem US-Senat Rede und Antwort stehen zum Skandal um einen spät erfolgten Rückruf.

Gerade mal drei Monate ist Barra im Amt, doch die Sünden ihres Arbeitgebers in der Vergangenheit haben sie rasch eingeholt. Mindestens 13 Menschen sind gestorben, weil General Motors seit 2001 bei mehreren Modellen zu schwach ausgelegte Zündschlösser verbaut hat. Die Zündschlüssel konnten deshalb bei voller Fahrt in die Aus-Stellung springen. Servolenkung, Bremskraftverstärker und Airbag versagten daraufhin - und Fahrer verursachten aus diesem Grund in den letzten Jahren mindestens 31 Unfälle.

Auf die Defekte hat General Motors allerdings erst in den letzten Wochen reagiert. Dabei werden die Vorwürfe gegen den US-Autoriesen immer schwerwiegender. So sollen GM-Techniker bereits 2005 von dem Problem gewusst haben. Ab 2007 ließ der Konzern offenbar stärkere Zündschlösser in die betroffenen Modelle einbauen. Er verabsäumte es aber, für die verbesserten Zündschlösser eine neue Seriennummer zu vergeben. Das macht es nun sehr schwierig festzustellen, ob bei Reparaturen nicht doch noch ein altes, zu schwach ausgelegtes Schloss eingebaut wurde.

Viel Reue, gekonnte Ausweichmanöver

In den letzten Wochen hat Barra deshalb einen öffentlichen Canossa-Gang hingelegt. In mehreren Stufen hat sie insgesamt sechs Millionen Fahrzeuge zurückgerufen. Mehrfach hat sie sich öffentlichfür die Fehler der Vergangenheit entschuldigt. Kurz vor ihrer Anhörung am Dienstag traf sich die GM-Chefin mit Betroffenen. Und auch bei ihrem Auftritt vor dem US-Repräsentantenhaus zeigte sie sich voll der Reue. "Inakzeptabel" sei die langsame Reaktion von GM auf die Defekte gewesen, sie selbst "zutiefst betrübt".

Vor den Abgeordneten betonte Barra, dass GM unter ihrer Führung nun ein anderes, besseres und schneller reagierendes Unternehmen sei. Sie selbst finde es "sehr verstörend", dass 2005 ein Vorschlag zur Verbesserung der Zündschlösser abgelehnt worden sei, weil er zu viel kostete, sagte sie. "Das ist nicht die Art und Weise, wie GM heute sein Geschäft betreibt". In der Vergangenheit habe GM eher eine "Kultur der Kostendrückerei" gehabt. Jetzt gebe es eine "Kundenkultur, die sich auf Sicherheit und Qualität konzentriert".

Die Eröffnungsrede von Mary Barra im Video (no mobile):

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