Dienstag, 28. Januar 2020

Spielball bei Merger von Peugeot und Fiat Warum Alfa Romeo für Tavares zum Härtetest werden könnte

Alfa Romeo Stelvio: Mit Preisen überhäuft, die Verkäufe blieben dennoch mau

Sie steht für eine glorreiche Vergangenheit, ihr Name löst bei Automanagern nach wie vor Begehren aus. Doch die Gegenwart ist röter, als es den Fiat-Managern recht sein dürfte: Die Sportwagenmarke Alfa Romeo kommt auch trotz aller Wiederbelebungsmaßnahmen nicht vom Fleck. Sergio Marchionne hatte zu Lebzeiten einen Neustart der Marke versprochen. Die beiden neuen Alfa-Modelle, die Limousine Giulia und der SUV Stelvio, wurden zwar mit Preisen bedacht. Bis 2022, sollte die Modellpalette auf insgesamt sieben Modelle anwachsen, FCA wollte dann jährlich 400.000 Alfas weltweit verkaufen

Doch die großen Pläne sind bereits wieder Makulatur. Ende Oktober hat FCA-Chef Mike Manley angekündigt, die Alfa-Modellpalette nun doch nur um zwei weitere Modelle, einen Kompakt- und einen kleinen SUV, zu erweitern. Ein ursprünglich geplanter größerer SUV oberhalb des Stelvio und zwei geplante Sportwagen sind nun gestrichen.

Kein Wunder, denn zuletzt lief es bei Alfa alles andere als rund. In den ersten drei Quartalen fielen die weltweiten Verkäufe von Alfa weltweit auf 67.400 Fahrzeuge, zeigen Daten von Jato Dynamics. Das ist ein Minus von 31 Prozent. FCA hat im dritten Quartal eine knappe Milliarde Euro abschreiben müssen - wegen größerer Änderungen an einer der Alfa-Plattformen, die nun auch für reine Batterieantriebe umgerüstet wird. Die Alfa-Bilanz ist dadurch tiefrot.

Nun können die Alfisti eigentlich nur mehr auf einen ungewöhnlichen Retter hoffen, wie das Branchenmagazin "Automotive News Europe" (ANE) kürzlich schrieb: Den PSA-Chef Carlos Tavares. Vor einigen Wochen haben FCA und PSA bekanntgeben, dass sie fusionieren wollen. Tavares hat erklärt, dass er bei einer Fusion keine FCA-Marke ausmustern wolle.

Entdeckt Renn-Fan Tavares sein Herz für Alfa?

Und damit dürfte sich Tavares - wenn die Fusion wie geplant zustande kommt - nun ziemlich bald Alfa zuwenden müssen. Er wird dabei einiges zu tun haben. Denn Alfa ist nur bedingt für die Zukunft gerüstet. Aus dem aktuellen Portfolio von drei Modellen ist mit dem Stelvio nur ein einziger SUV vertreten, der höhere Margen einfahren dürfte, wie "ANE" beschreibt. Die beiden anderen Modelle, die Mittelklassse-Limousine Giulia und der Kompaktwagen Giulietta, fahren in schrumpfenden Segmenten. Keines der drei Alfa-Modelle ist für die kommende Elektrifizierung ausgelegt.

Wenn die Fusion wie geplant klappt, wird Alfa bis 2022 mit einer kleinen, alternden Produktpalette gegen die Konkurrenz anfahren müssen. Denn nach aktuellen Planungen werden zwei neuen Alfa-SUVs, der kompakte Tonale und ein noch nicht benanntes kleineres Modell, frühestens 2022 auf den Markt kommen.

Gut möglich, dass Tavares diesen Produktplan schnell umwirft und PSAs Plattformen Alfa zur Verfügung stellt. Zudem hat Tavares, wie ANE berichte, zu seinen Renault-Zeiten auch im Sportwagen-Bereich gepunktet. Er führte die ebenfalls lange dahindümpelnde Renault-Sportwagenmarke Alpine in kurzer Zeit auf die Erfolgsspur.

Andererseits gilt Tavares auch als sehr zahlenfixiert und schreckte bei PSA auch nicht vor harten Entscheidungen zurück, um profitable Autos zu bauen. Und der Konkurrenzkampf im Premium-Segment ist in Europa, nach wie vor Alfa Romeos wichtigster Absatzmarkt, sehr hart.

Immerhin können die Alfa-Fans nun darauf hoffen, dass Tavares, der privat gerne Autorennen fährt, der italienischen Marke mit dem klingenden Namen doch noch eine weitere Chance gewährt. FCA hat bei Alfa Romeo in den vergangenen Jahren viel versprochen und nur wenig gehalten. Vielleicht schafft es ja nun Tavares, die Marke zu nachhaltigen Profiten zu führen.

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