Chefwechsel bei Elektropionier Investoren greifen bei Chinas Elektro-Start-up Aiways durch

Mit seinem Elektro-SUV hatte Aiways einst alle Rivalen aus China überholt. Doch die Verkaufszahlen enttäuschen, die Entwicklung hinkt hinterher. Nun haben die Investoren die Macht übernommen – und einen neuen CEO installiert.
Erstling: Der Aiways U5 war das erste chinesische Elektroauto in Deutschland

Erstling: Der Aiways U5 war das erste chinesische Elektroauto in Deutschland

Foto: Aiways

Das Elektro-Start-up Aiways ist mit viel Getrommel gestartet. Der elektrisch betriebene SUV U5 war das erste chinesische Elektroauto überhaupt, das in Deutschland zu kaufen war. Damit hatte die erst 2017 gegründete Firma alle Rivalen aus China abgehängt. Noch kurz vor Weihnachten erklärte Europa-Chef Alexander Klose (57), dass Aiways in einem schwierigen Jahr mit Lieferengpässen und Transportproblemen gewachsen sei. Inzwischen sei der U5 in zehn europäischen Märkten erhältlich. Doch offenbar sind die Investoren von der bisherigen Performance enttäuscht.

Nun haben die Geldgeber um den jungen Milliardär Xuanlin Chen (33) die Macht über das Start-up aus Shanghai übernommen – und gleich einen neuen CEO installiert. In einer neuen Finanzierungsrunde pumpen sie noch einmal frisches Kapital in die Firma; Aiways sprach gegenüber dem manager magazin von "mehreren hundert Millionen Dollar". Gleichzeitig wird Chen selbst künftig als Chairman über die Firma wachen, und Zhang Yang soll als neuer Vorstandschef das Geschäft auf das gewünschte Tempo beschleunigen.

Zhang Yang, der frühere Manager des chinesischen Elektro-Konkurrenten Nio, dürfte viel zu tun bekommen. Die Produktentwicklung lief zuletzt deutlich langsamer als geplant. "Wir hatten mit Verzögerungen zu kämpfen", gibt ein Aiways-Sprecher zu. Pandemie, Lieferverzögerungen und Chipkrise hätten insgesamt dazu geführt, dass die Firma langsamer gewachsen sei als erhofft.

Auch die Verkaufszahlen enttäuschten. In China soll Aiways 2021 laut chinesischen Medienberichten bis Ende November nur rund 3000 Autos verkauft haben. Zum Vergleich: Der Wuling Mini – Chinas Elektro-Bestseller – verkaufte sich im gleichen Zeitraum mehr als 360.000 Mal; und Tesla konnte das Model Y und das Model 3 jeweils mehr als 120.000 Mal in dem Land verkaufen. In Europa konnte Aiways ebenfalls nicht von der Dynamik im Elektroautomarkt profitieren. Europa-Chef Klose, der auch nach dem Führungsbeben in China weiter im Amt bleibt, erklärte zuletzt verklausuliert, man habe bis Ende des Jahres "mehr als 3000 europäische Kunden ans Lenkrad eines Aiways" gebracht. 2022 soll mit dem U6 das nächste Modell auf den Markt kommen. Aiways hofft dann auf fünfstellige Verkaufszahlen in Europa.

Anders als heimische Konkurrenten wie Nio oder XPeng hat sich Aiways von Beginn an auf das internationale Geschäft konzentriert. In Deutschland kooperierten die Chinesen zeitweise mit dem ehemaligen Audi-Manager Roland Gumpert (77), das Joint Venture existiert nach Firmenangaben jedoch seit Sommer 2021 nicht mehr. An der Spitze des Start-ups stand bislang der Gründer Fu Qiang, der künftig nur noch die Rolle eines "Präsidenten" einnehmen darf. Das Sagen hat jetzt Investor Chen. Und der will zwar den bisherigen Kurs beibehalten, heißt es bei Aiways, aber eben über die bisherigen Pläne hinaus beschleunigen.

Nach Veröffentlichung des Textes hat Aiways darauf hingewiesen, dass das Joint Venture mit Roland Gumpert nicht mehr besteht. Der Text wurde entsprechend aktualisiert.

lhy
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