Betrug ADAC räumt frühere Manipulationen ein

Die Fälschungen des ADAC beim Autopreis "Gelber Engel" reichen weiter zurück als bislang bekannt. Experten fordern jetzt die Aufspaltung der mit rund 19 Millionen Mitgliedern großen Organisation.
Enormer Imageschaden: Die Unabhängigkeit der Testorganisation steht in Frage

Enormer Imageschaden: Die Unabhängigkeit der Testorganisation steht in Frage

Foto: Peter Kneffel/ dpa

München - Die Manipulationen beim ADAC-Autopreis "Gelber Engel" reichen deutlich weiter zurück als bisher bekannt. Der ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair sagte der "Süddeutschen Zeitung", der bisherige ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter habe nicht nur die aktuelle Abstimmung über das Lieblingsauto der Deutschen verfälscht, sondern auch die Teilnehmerzahlen der Jahre zuvor. Wie lange Ramstetter schon Zahlen erfunden hat, ist demnach aber noch unklar.

Laut "Bild" hätten erste interne Untersuchungen beim ADAC ergeben, dass mindestens 2013 und 2012 die Zahl der abgegebenen Stimmen künstlich erhöht wurde. Dies hätte nach Angaben der ADAC-Prüfer aber keinen Einfluss auf die Platzierungen der Autos. Die Prüfung stütze sich auf frühere Aufzeichnungen, die Stimmzettel seien laut ADAC aus datenschutzrechtlichen Gründen vernichtet worden.

Ramstetter selbst bestätigte der "Süddeutschen Zeitung" die Manipulationen. "Ich habe Scheiße gebaut", sagte Ramstetter wörtlich, wollte sich aber nicht eingehend zur Sache äußern.

Ramstetter hatte bisher nur zugegeben, dass die Stimmzahlen bei der Wahl des VW-Golf zum aktuellen Lieblingsauto der Deutschen "geschönt" worden seien. Der Kommunikationsleiter des einflussreichen Automobilclubs legte wegen des Betrugs sämtliche Ämter nieder.

Experte fordert Aufspaltung des ADAC

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hält den ADAC mit seiner derzeitigen Organisationsstruktur für gescheitert. "Es gibt keine Kontrolle beim ADAC. Man schottet sich ab", sagte Dudenhöffer am Montag im Bayerischen Rundfunk und warf dem Verein Arroganz und Selbstherrlichkeit vor. "Offensichtlich ist das System ein Nährboden dafür, dass sich Dinge entwickeln, die sich in Unternehmen nicht entwickeln dürfen."

Kosmetische Änderungen genügten nicht mehr, der ADAC brauche "eine völlig neue Struktur". Sonst werde er seine Glaubwürdigkeit verlieren. Nach Ansicht des Experten, der Professor an der Universität Duisburg-Essen ist, sollte der ADAC in einen Pannenservice und ein Wirtschaftsunternehmen aufgeteilt werden. Denn es gebe Verflechtungen, die mit der Unabhängigkeit von einer Testorganisation nichts zu tun hätten.

Der ADAC hatte eigenen Angaben zufolge unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe eine "lückenlose interne Prüfung" angeordnet und betont, seine Führung sei zu keinem Zeitpunkt "über diese Unregelmäßigkeiten bei der Leserwahl unterrichtet gewesen". Der Club wies zudem darauf hin, dass von allen neun Preiskategorien des "Gelben Engel" lediglich die durch Leserwahl ermittelte Preiskategorie "Lieblingsauto" betroffen sei.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am Dienstag unter Berufung auf interne Dokumente des ADAC über Vorwürfe berichtet, wonach die Umfrage unter den Lesern der Zeitschrift "Motorwelt" manipuliert wurde. Demnach stimmten deutlich weniger Leser bei der Wahl ab als vom ADAC offiziell angegeben. Der VW-Golf, der zum diesjährigen Lieblingsauto der Deutschen gekürt wurde, habe zehn Mal weniger Stimmen erhalten als behauptet, berichtete die Zeitung.

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rei/afp/dpa

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