Tesla verfehlt Absatzziel Elon Musk verzweifelt an Deutschland

US-Elektroautobauer Tesla hat in Deutschland keinen Lauf. Satte 1000 Wagen wollte Firmenchef Elon Musk bis Ende 2014 ausliefern - pro Monat. Trotz einer Investitionsoffensive sind es jedoch deutlich weniger. Der erste Angriff auf BMW, Daimler und Co. auf deren Heimatmarkt ist gescheitert.
Harte Nuss: Tesla-Chef Elon Musk kommt in Deutschland langsamer voran als erhofft

Harte Nuss: Tesla-Chef Elon Musk kommt in Deutschland langsamer voran als erhofft

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Hamburg - Vor gut einem Jahr riss Tesla-Chef Elon Musk seine deutsche Fangemeinde in einer kargen Halle bei München zu Jubelstürmen hin. "Der deutsche Markt ist unsere Top-Priorität", sagte der Elektroauto-Milliardär aus Kalifornien. Stets grinsend erläuterte er wie er die Bundesrepublik im Sturm erobern werde.

Besonders ein Versprechen provozierte viel Applaus: Bis zum Ende des Jahres werde Tesla  200 bis 300 Wagen pro Woche nach Deutschland liefern, also etwa 1000 im Monat. Damit blies Musk zum Frontalangriff auf die Platzhirsche Daimler , BMW , Audi  und Porsche . 1000 Fahrzeuge des Typs Model S - damit hätte es Tesla aus dem Stand zum Marktführer in der deutschen Oberklasse geschafft.

Doch die Kunden sind den heimischen Luxusautomarken offenbar weit treuer, als Musk erwartet hatte. Im gesamten Jahr 2014 wurden in der Bundesrepublik nur 817 Tesla zugelassen, wie manager magazin online vom Kraftfahrt-Bundesamt erfuhr. Das entspricht einem Markanteil in der Oberklasse von etwa 3 Prozent. Weit vorn liegt Daimler mit der Mercedes S-Klasse. Weltweit wollte Tesla im abgelaufenen Jahr 33.000 Autos verkaufen.

Auch im Dezember blieb der US-Hersteller weit unter seinen Zielen. Immerhin markieren die 165 zugelassenen Teslas einen Monatsrekord. Zudem schließt Tesla damit in etwa zum 7er von BMW auf.

Immerhin der Lidl-Vorstand fährt Tesla

Doch der Autobauer ist eben noch nicht da, wo er sein wollte. "Es hat länger gedauert, ein eigenes, direktes Vertriebssystem zu etablieren, als wir es uns gewünscht haben", räumt Tesla-Deutschland-Chef Philipp Schröder den Rückstand gegenüber manager magazin online ein. "Wir sehen aber nach wie vor das Potenzial für den deutschen Markt von 1000 Autos im Monat", sagt der ehemalige Manager des Erneuerbare-Energien-Projektierers Juwi.

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Besonders schwer ist es laut Schröder, den Flottenmarkt zu erobern. Er ist fest in Hand von Mercedes, Volkswagen und BMW. "Tesla kam völlig naiv auf den Markt", sagt ein Branchenkenner mit Blick auf diese deutsche Besonderheit.

Um bei deutschen Firmenkunden voranzukommen, hat Tesla nun eine eigene deutsche Leasinggesellschaft gegründet. Und bei manchem Konzern inzwischen einen Fuß in der Tür, sagt Schröder. So sei Tesla in der Führungsetage von Lidl stark vertreten. Mit zahlreichen Dax-Firmen wie SAP gebe es Rahmenvereinbarungen für den Kauf von Dienstwagen. Einige sehr hochrangige Frankfurter Banker fahren laut Schröder inzwischen auch Tesla.

Auch Preissenkungen halfen wenig

"Wir sind mit dem Vertrieb in den vergangenen Monaten sehr zufrieden, sagt Schröder. "Das vierte Quartal war unser bestes überhaupt bisher." Ausgeliefert würden diese verkauften Wagen jedoch erst in einigen Monaten. Bis dahin würden die Zulassungszahlen nicht stark steigen.

Doch reicht der kleine Aufschwung? Oder hat Musk, der bald 500.000 Autos im Jahr verkaufen will, die Latte für sein Deutschland-Team dauerhaft zu hoch gehängt? Ärgerlich ist die schwächelnde Nachfrage für Tesla, weil der Autobauer in Deutschland viel Geld in die Hand genommen hat. So kündigte Musk an, zahlreiche Verkaufsstellen und Service-Center zu bauen. Diese entstehen nun tatsächlich im ganzen Land.

Mehrfach hat Tesla auch den Preis für das Model S gesenkt, zuletzt wegen des starken Dollars aber wieder um 3 Prozent erhöhen müssen. Das Model S gibt es ab 68.000 Euro, die S-Klasse ist ab 82.000 Euro, der 7er-BMW ab 77.000 Euro zu haben.

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Zudem hat das Unternehmen binnen eines Jahres knapp 30 so genannte Supercharger an deutschen Autobahnen errichtet - etwas weniger als von Musk angekündigt. An diesen Schnellladestationen tanken Tesla-Fahrer kostenlos Strom. In 30 Minuten lässt sich die Batterie mit Elektrizität für ungefähr 270 Kilometer bei gemäßigter Fahrweise laden.

"Musk tut in Deutschland alles was er kann, doch gegen die Naturgesetze kommt auch er nicht an", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Vor allem die Reichweite des Model S genüge manchem Kunden noch nicht. Bei 200 Stundenkilometern ist der Tesla-Akku weit vor den 475 Kilometern leer, die unter Idealbedingungen möglich sind.

"Es ist in Deutschland besonders wichtig, dass Autofahrer komfortabel Strecken von 500 Kilometern und mehr fahren können", sagt Autoexperte Christoph Stürmer vom Prognosedienstleister PwC Autofacts. "Das Thema Reichweitenangst ist hier besonders groß."

Aus diesem Grund hat gerade Porsche verkündet, in naher Zukunft kein reines Elektroauto zu bauen. "Mit einem Porsche muss ich wenigstens von München in die Berge oder von Stuttgart zum Bodensee und zurück mit Spaß sportlich fahren können, sonst ist das für mich kein tragfähiges Konzept", sagte Porsche Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz der Zeitschrift "auto motor sport". "Selbst die besten elektrischen Sportwagen kommen bei sportlicher Fahrweise nicht über 150 Kilometer hinaus."

Tesla-Mann Schröder widerspricht - Strom für mindestens 200 Kilometer sei auch bei höchstem Tempo im Akku. Und überhaupt: "Die Gruppe der Menschen, die stundenlang mit 260 Sachen über die Autobahn rasen, wird sich immer stärker zu einer Nische entwickeln."

Tesla hängt Mercedes, BMW und Co. in vielen anderen Ländern klar ab

Auch um Schnellfahrern dennoch besser gerecht zu werden, hat Tesla zuletzt ein Model S mit Allradantrieb und zwei Motoren auf den Markt gebracht. Diese Technik hat die Reichweite des Wagens nach Unternehmensangaben aber nur um etwa 15 Kilometer erhöht.

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern hinkt Tesla Deutschland hinterher. In den Niederlanden, in Norwegen und Dänemark hat der Elektroautobauer 2014 die deutschen Luxusmarken auf die Plätze verwiesen. So wunden In Holland in den ersten drei Quartalen des abgelaufenen Jahres 956 Model S zugelassen, aber nur 294 S-Klassen.

In der Schweiz lag das Mercedes-Flaggschiff nicht sehr weit vor dem Elektroauto. In Dänemark und Norwegen marginalisierten die Kalifornier die deutsche Konkurrenz sogar - auch dank hoher Steuervorteile für Elektroauto-Käufer. Für die USA liegen keine offiziellen Zahlen vor. Medienberichten zufolge lag Tesla 2013 in der Oberklasse vor der deutschen Konkurrenz.

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Ein wichtiger Unterschied: In all diesen Ländern fördert der Staat Elektroautos großzügig. Nicht so in Deutschland. Teslas bisher bescheidene Verkaufszahlen seien auch der zaghaften Politik der Bundesregierung in Sachen E-Mobilität geschuldet, sagt Dudenhöffer und verweist auf die Bundeskanzlerin. "Das liegt an Frau Merkel".

Dabei nütze ein Erfolg von Tesla auch der deutschen Autoindustrie, ist Dudenhöffer überzeugt. "Mehr Tesla in Deutschland wären gut für die deutschen Hersteller." Ohne diesen Wettkampf auf dem Heimatmarkt könnten sie international den Anschluss bei Elektroautos verlieren.

Auch Elon Musk will nun, dass das deutsche Tesla-Team nun kräftig aufholt. Denn wie sagte der Firmenchef vor gut einem Jahr? "Wenn wir in Deutschland schlecht abschneiden, wäre das kein gutes Zeichen."