Freitag, 21. Februar 2020

Vorwurf der Diesel-Manipulation Opel wehrt sich mit vielen Technik-Details gegen Abgasvorwürfe

Brachte die Abgasdiskussion für Opel ins Rollen: Familienvan Zafira mit Dieselmotor
Jürgen Pander
Brachte die Abgasdiskussion für Opel ins Rollen: Familienvan Zafira mit Dieselmotor

Harte Vorwürfe verlangen ungewöhnliche Gegenmaßnahmen - nach dieser Devise handelt derzeit der Autohersteller Opel. Seit Wochen stehen die Rüsselsheimer am Pranger wegen auffällig hoher Abgaswerte ihres Minivans Zafira im Alltagsbetrieb. In den letzten Tagen hat sich die Lage für Opel nochmal deutlich zugespitzt: Wie "Der Spiegel", die ARD-Sendung "Monitor" und die "Deutsche Umwelthilfe" berichteten, schaltet sich das Abgasreinigungssystem beim Zafira-Dieselmotor noch häufiger ab als bislang von Opel zugegeben.

Verkehrsminister Dobrindt ist darüber nicht gerade erfreut. Nun muss Opel Software und Software-Details gegenüber dem Ministerium offenlegen. Zudem will die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Opel wegen Verbrauchertäuschung klagen.

Und Opel?

Der Autobauer wiederholt mantra-artig, dass man keine illegale Software einsetze und die Motoren Recht und Gesetz entsprechen. Nun wehren sich die Rüsselsheimer auf eher ungewöhnliche Weise: In einer äußerst umfangreichen Presseaussendung zerpflücken sie die jüngsten Medienvorwürfe Punkt für Punkt.

Die ersten Sätze des Statements überraschen nicht: Die Anschuldigungen gegen Opel seien falsch, basierten auf "irreführenden, übermäßigen Vereinfachungen und Fehlinterpretationen" und berücksichtigen nicht die hochkomplexen Zusammenhänge einer modernen Diesel-Abgasreinigung. So weit, so voraussehbar.

Umschaltung mit Abschaltung verwechselt?

Doch erstmals äußert sich der Autohersteller auch zu Details der eigenen Motorsteuerung. Gleich 17.000 einstellbare Parameter beinhalten moderne Motorensteuerungssysteme, heißt es. Der von den Medien und der DUH beauftragte IT-Experte hatte die Motorsteuerung eines Zafira-Modells geknackt. Opel bezeichnet ihn als Hacker, auch sei es ihm nur gelungen, einzelne Parameter auszulesen. Daraus habe er laut Opel irreführende Rückschlüsse gezogen.

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So schalte die Abgasreinigung nicht bei Drehzahlen über 2400 Touren ab, sondern das System wechsle nur in einen anderen Modus. Die Abgasreinigung "arbeitet auch bei höheren Motor-Drehzahlen weiter", schreibt Opel. Der Hacker habe die Umschaltung des Abgasreinigungssystems fälschlich als Abschaltung interpretiert.

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