VW bekommt EX-FBI-Chef als Vermittler Was VW-Chef Müller vom Ex-FBI-Chef fürchten muss

Könnte VW noch richtig Ärger machen: Ex-FBI-Chef Robert Mueller

Könnte VW noch richtig Ärger machen: Ex-FBI-Chef Robert Mueller

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Die Hiobsbotschaften prasseln aktuell eine nach der anderen auf VW-Chef Matthias Müller ein. Nicht nur, dass der Konzern in den USA wahrscheinlich 100.000 Fahrzeuge zurückrufen muss, ihm milliardenschwere Strafzahlungen drohen und sich Müller trotz guter Vorsätze in der Rolle des Canossagängers noch ziemlich schwer tut.

Jetzt will ein US-Gericht den Wolfsburgern auch noch einen externen "Vermittler" aufs Auge drücken: Ex-FBI-Chef Robert S. Mueller. Er soll nach dem Willen des Richters dafür sorgen, dass es in den mehr als 500 eingereichten Klagen zügig zu einer Einigung kommt.

Ein Job für den Volkswagen (Kurswerte anzeigen) eigentlich Ken Feinberg vorgesehen hatte. Einen US-Staranwalt, der bereits für den Ölkonzern BP sowie im Zündschlossskandal bei General Motors Einigungen erzielt hatte.

Doch der kalifornische Richter Charles Breyer hat offenbar Zweifel, dass Feinberg und VW das Problem in Eigenregie angemessen bewältigen können. Zwar kann VW bis zum 13. Januar noch Protest gegen die Installierung Muellers als "Vermittler" einlegen. Dass dies diplomatisch sehr unklug wäre, ist ein Protest aber kaum zu erwarten.

Was die Einsetzung eines Ex-FBI-Chef in einem Konflikt mit den US-Behörden bedeutet, dürfte VW ahnen. Und die seit wenigen Tagen bei VW installierten Compliance-Vorstandsfrau Christine Hohmann-Dennhardt hat damit sogar Erfahrung. Schließlich arbeitete sie bei ihrem früheren Arbeitgeber Daimler  mit einem zusammen - Muellers Vorgänger beim FBI, Louis Freeh.

VW entgleitet die Kontrolle

Im Zuge der Korruptionsaffäre setzte das US-Justizministerium diesen von 2010 bis 2013 bei Daimler ein, um bei dem Autobauer für Ordnung zu sorgen. Und Freeh nahm seinen Job ernster als es den Stuttgartern zunächst lieb war:

Er degradierte den Vorstand zu einem Gremium mit eingeschränkter Handlungsfreiheit. Er durchpflügte mit rund 20 Mitarbeitern monatelang den Konzern, konnte Beförderungen blockieren, Entlassungen verlangen. Sämtliche Manager mussten ihm auf Wunsch Auskunft geben, ihren Mailverkehr, Akten und Telefonlisten aushändigen. Selbst auf sämtliche Tagesordnungen von Vorstandssitzungen erhob er Anspruch.

So hart dürfte es VW wohl nicht treffen. Schließlich hat Mueller keine Überwachungsrolle wie bei Daimler sondern soll laut offizieller Mitteilung nur als "settlement master" fungieren, eine Art Vermittler zwischen den involvierten Parteien, fungieren.

Vorbild Asbest-Skandal

Eine Position, die in der US-Justizgeschichte Tradition hat und bereits in Konflikten wie dem Asbest-, dem Agent-Orange-Skandal oder dem Entschädigungsverfahren nach dem Absturz der US-Raumfähre Columbia zum Einsatz kam.

Die Strategie, mit Feinberg ähnlich wie GM im Zündschlossskandal selbst einen "master settler" unter eigener Kontrolle zu engagieren, schlug damit allerdings fehl. Offenbar will die Justiz verhindern, dass der Vorwurf zu großer Firmennähe aufkommt - und Kunden sowie VW-Händler in der Einigung womöglich schlecht wegkommen. Vorwürfe die bei der von Feinberg ausgehandelten GM- sowie bei der BP-Einigung laut geworden waren.

Warum Mueller ungemütich werden könnte

Der 71-jähriger Vietnam-Veteran Mueller gilt als Arbeitstier. Während seiner 12-jährigen Amtszeit beim FBI , die sogar einen Regierungswechsel überdauerte, ging dem Jurist der Ruf voraus, nicht selten vor Sonennaufgang im Büro gewesen zu sein und es erst zu nächtlicher Stunde wieder verlassen zu haben.

Und dasselbe von seinen Mitarbeitern zu fordern.

Eitelkeit wird ihm hingegen nicht nachgesagt. Der Snowdon-Gegner reiste häufig ohne Entourage. Auch Interviews waren rar gesät. Und daran hat sich seit seinem Ausscheiden aus dem FBI, seit dem er als Partner der Kanzlei WilmerHale unter anderem Gewaltfälle in der NFL  untersucht, nichts geändert

Eines allerdings dürfte seinem Namensvetter an der VW-Spitze Kopfschmerzen bereiten. Weil Mueller sich während seiner Amtszeit vor allem der Terrorbekämpfung und der Vermeidung weiterer Anschläge widmete, werfen Kritiker ihm vor, sich nicht genügend um Wirtschaftskriminalität gekümmert zu haben. Und beispielsweise viel zu lasch mit den Verursachern der Finanzkrise, mit Bankern und Finanzjongleuren umgegangen zu sein.

Eine Scharte, die Müller nun auswetzen könnte.

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