Dienstag, 28. Januar 2020

Druck auf Autohersteller wächst Warum der VW-Abgasskandal für Daimler, Opel und Co. jetzt brandgefährlich wird

8. Teil: Was droht Daimler, BMW und Co. im schlimmsten Fall?

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Der Rechtsstreit ist in vollem Gange - und die Autoindustrie kann gerade einen Punktsieg verbuchen. Denn das KBA stellt den VW-Wettbewerbern erst einmal einen Persilschein aus. Bei Nachprüfungen von 50 Dieselmodellen verschiedener Hersteller habe die Behörde nur bei Volkswagen Hinweise auf illegale Abgas-Manipulationen gefunden, heißt es in einem Bericht des Handelsblatts.

Die anderen Hersteller hätten zwar intensiv die Möglichkeit genutzt, die Abgasreinigungsanlagen unter bestimmten Bedingungen abzuschalten. Doch all das bewege sich im Rahmen der gesetzlichen Regeln.

Obwohl das KBA die VW-Konkurrenz freispricht, wittern Anleger bereits Gefahren. Union-Investment-Fondsmanager Ingo Speich spricht sogar von "enormen Klage- und Reputationsrisiken für die gesamte Automobilindustrie".

Falls nämlich Behörden oder Gerichte die gängige, nur temporär wirksame Abgasreinigung der europäischen Dieselautos später als illegal einstufen, droht der Autoindustrie nicht weniger als ein Erdbeben. Allein in Deutschland waren zum 1.1.2015 etwa 6,2 Millionen Dieselfahrzeuge der Emissionsklassen 5 und 6 zugelassen.

Mit einem Software-Update wäre es wohl nicht getan

Tatsächlich weisen fast alle der bisher getesteten Dieselautos dieser Klassen die beschriebenen Probleme auf: Ihre Abgasreinigung arbeitet nur unter bestimmten Außenbedingungen. Die Motorsteuerung könnte deshalb als unzulässige Abschaltvorrichtung eingestuft werden.

In diesem Fall bekämen die Hersteller die Möglichkeit, ihre Autos nachzurüsten. Dafür wäre der wohl größte Autorückruf der Geschichte erforderlich. Für die Hersteller entstünden Milliardenkosten, denn mit einem Software-Update wäre es wohl nicht getan. Auch Volkswagen müsste seine Fahrzeuge erneut in die Werkstätten holen. Denn der aktuelle Rückruf senkt den Stickoxid-Ausstoß offenbar kaum oder gar nicht.

Investoren würden in einem solchen Fall wohl auch Ansprüche gegen andere Hersteller geltend machen, wenn der Aktienkurs durch bisher nicht eingepreiste Kosten sinkt.

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